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"Ich hatte Angst, nie mehr aufzuwachen"

Eifersuchtstat "Ich hatte Angst, nie mehr aufzuwachen"

Aus Eifersucht hat ein ehemaliger Marburger vor zwei Jahren seine Exfreundin attackiert.

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Marburg. Weil er vor zwei Jahren in einer Gaststätte seine ehemalige Freundin massiv attackiert und fast bis zur Ohnmacht gewürgt hatte, musste sich der ehemalige Marburger wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Angeklagter und Geschädigte hielten sich in der Tatnacht im Mai 2012 in einer Bar in Marburg auf. Erst wenige Wochen vorher hatte sich die junge Frau nach einer kurzen Beziehung von dem heute 25-Jährigen getrennt. Im Verlauf des Abends unterhielt sich die Frau mit Bekannten und tanzte mit einem anderen Mann. Der stark alkoholisierte Angeklagte begann schließlich, seine Exfreundin wiederholt massiv zu bedrängen und zu beleidigen.

Im Verlauf der Nacht steigerte sich sein aggressives Verhalten, er stieß ihr heftig mit dem Kopf gegen die Wange und biss ihr angeblich schmerzhaft in die Lippe. Einige Zeit später attackierte er die 22-Jährige in der Gaststätte, hielt sie am Hals fest, drückte zu und begann, sie brutal zu würgen, bis sie keine Luft mehr bekam und ihr „kurz schwarz vor Augen wurde“, beschrieb die Geschädigte, die als Nebenklägerin auftrat, die Situation.

Eine junge Frau, die sich ebenfalls in der Bar aufhielt, griff schließlich ein, zog den Angreifer von seinem Opfer weg und verständigte die Sicherheitskräfte. Durch die massiven Atta­cken musste die Geschädigte mehrere Tage im Krankenhaus bleiben. Nach der Tat brach sie den Kontakt zu ihrem Ex-Partner ab und zeigte ihn an.

Bereits zu Beginn der Verhandlung teilte der Verteidiger des Angeklagten mit, dass sein Mandant geständig sei und den Vorwurf in vollem Umfang zugebe. In nur wenigen Worten schloss sich der Angeklagte seinem Anwalt an. Die zurückhaltenden Angaben weckten Zweifel und brachten Amtsrichter Dirk-Uwe Schauß dazu, genauer nachzufragen. In einer umfangreicheren Aussage gab der Angeklagte anschließend lediglich zu, die Frau gepackt zu haben, um sie „zur Rede zu stellen. Dabei muss wohl das Würgen passiert sein“, so seine ungenaue Vermutung. Durch den Kontakt zu anderen Männern habe er sich von seiner Ex beleidigt und provoziert gefühlt, an den Biss und andere Ereignisse könne er sich aufgrund des hohen Alkoholpegels nicht mehr erinnern. Den schwersten Anklagepunkt konnte er ebenfalls nicht erklären. Er gab an, dass er sie nicht würgen wollte und sein Verhalten „nicht in Ordnung war“.

Hämatome, Prellungenund Luftröhren-Quetschung

Seine Angaben klangen für den Strafrichter „nicht wirklich wie eine voll geständige Einlassung“. Eine Zeugin bestätigte die Angaben der Nebenklägerin. Diese habe sich „mit Händen und Füßen“ erfolglos gegen ihren Angreifer gewehrt.

Die Geschädigte gab zudem an, dass die massive Eifersucht ihres Exfreundes mehrfach zu Problemen und schließlich zum Ende der kurzen Beziehung geführt habe. In der Gaststätte habe er sie plötzlich gepackt, als sie sich mit einem Bekannten unterhielt, sie gezielt auf ein Sofa geworfen und den Hals brutal zugedrückt. „Ich hatte Angst, nie mehr aufzuwachen“, sagte die 22-Jährige vor Gericht. Durch die Attacken erlitt die Frau mehrere Hämatome, Prellungen und eine Luft- und Speiseröhren-Quetschung.

Bis heute bereite es ihr Unbehagen, wenn Kleidungsstücke oder andere Menschen in die Nähe ihres Halses kämen, gab sie an. Zudem habe sie der Angeklagte nach der Tat verfolgt, „geradezu gestalkt“ und ihr mit weiteren Angriffen gedroht, sollte sie die Anzeige nicht zurückziehen.

Eine Woche nach der Tat kam es schließlich auf einer anderen Party zu einer heftigen Schlägerei zwischen dem Angeklagten und den Brüdern der Geschädigten, wobei der Angeklagte mehrere Verletzungen erlitt. Die Angreifer wurden in einem eigenen Strafverfahren wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung bereits verurteilt.

Täter-Opfer-Ausgleichim Zivilprozess

Im Vorfeld des Strafverfahrens einigte sich das ehemalige Paar im Zivilprozess auf einen Vergleich und einen Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von 800 Euro, die der Angeklagte bereits an die Geschädigte bezahlt hat, betonte die Verteidigung. Dies war einer der wenigen Vorteile, die der Mann im Prozess erreichen konnte. Er ist mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Diebstahl vorbestraft.

Während der Verhandlung wurde klar, dass der Vorwurf der einfachen Körperverletzung in diesem Fall mehr als unzureichend war. Nach einem Rechtsgespräch und internen Absprachen einigten sich die Prozessbeteiligten auf ein anderes Strafmaß. Richter Schauß verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 1200 Euro Geldstrafe an eine gemeinnützige Organisation zahlen.

von Ina Tannert

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