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"Ich habe langsam die Schnauze voll"

Unmut über Lokführer-Streik "Ich habe langsam die Schnauze voll"

Da am Mittwoch schon vor dem angekündigten Streikbeginn um 14 Uhr Züge ausfielen, waren einige Reisende am Marburger Hauptbahnhof alles andere als erfreut.

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So manches Gepäckstück musste aufgrund des GDL-Streiks länger in Marburg verharren. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Ich habe langsam die Schnauze voll davon, dass Menschen, welche auf die Bahn angewiesen sind, immer derart von der Gewerkschaft als Druckmittel missbraucht werden“, erklärte Gerhard Weiler recht aufgebracht.

Er selbst komme zwar, nachdem der Intercity ausgefallen war, noch mit der Regionalbahn nach Frankfurt, doch denke er dabei vor allem an die anderen, die heute einfach Pech gehabt hätten. „Was ist mit den Kindern, die nach der Schule mit dem Zug nach Hause müssen oder den Leuten, die einen Geschäftstermin haben? Das diese Menschen heute richtige Probleme haben, scheint die GDL nicht zu interessieren.“

Für die Forderungen der Lokführer habe er zwar teilweise Verständnis, doch bleibe die Frage offen, wieso die Streiks sich in den vergangenen Jahren derart häufen würden.

Anders sieht das der Student Burim Mehmeti: „Ich habe mich im voraus über die Forderungen der GDL informiert und sie sind einfach übertrieben. Natürlich haben die Lokführer große Verantwortung, aber sie haben bereits in den letzten Tarifrunden große Zugeständnisse bekommen.“ Außerdem sei es nicht in Ordnung, dass die Spartengewerkschaft der Lokführer andere Beschäftigte der Deutschen Bahn, etwa Zugbegleiter, ebenso dazu zwingen würde, ihre Arbeit nicht aufzunehmen. „Letztlich ist der Bahnkunde wieder der Dumme. Er steht im schlimmsten Fall irgendwo in der Pampa und ist aufgeschmissen, es ist ein Unding, dass der Tarifstreit derart auf dem Rücken der Kunden ausgetragen wird. Erst die Streiks und wenn die Gewerkschaft sich durchsetzt, die Bahnpreise. Schließlich gibt die Bahn die gestiegenen Kosten dann direkt an die Kunden weiter. Außerdem ist eine Streikankündigung am Tag vorher einfach für viele zu spät, um noch eine Alternative zu finden“, sagt Mehmeti.

In dasselbe Horn stieß die Rentnerin Hildegard Meyer. Sie wollte mit dem Intercity um 11.50 Uhr nach Kassel fahren. „Ich muss ehrlich sein, was ich am Nachmittag in Kassel vorhatte, war nicht so wichtig, das kann ich auch morgen oder übermorgen noch erledigen. Doch bin ich sauer, dass der Streik so spät angekündigt wurde, vor allem, dass jetzt auch noch Züge vor 14 Uhr ausfallen. Woher soll ich das denn wissen? Ich habe kein Internet zu Hause.“

Außerdem habe sie Mitgefühl mit den Reisenden, die etwas Wichtiges vorhätten. „Ich kann schon verstehen, dass die Lokführer bessere Arbeitsbedingungen wollen, aber müssen die gleich jedes Mal streiken? Ich verstehe das nicht“, sagt Meyer.

von Alexander Graf

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