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"Ich fühl mich wohl in der Hood"

Inklusion "Ich fühl mich wohl in der Hood"

Barrieren in den Köpfen abbauen und die Heimat gemeinsam gestalten - für Menschen mit und ohne Behinderungen: Das ist das Ziel des gestrigen EU-Aktionstags für Inklusion. Den haben die Marburger mit Musik und vielfältigen Aktionen begangen.

Der „Creative Culture Club“ zeigt beim Aktionstag Inklusion Raps aus eigener ­Feder, die ein Gebärdendolmetscher für Gehörlose übersetzt.

Quelle: Patricia Graehling

Marburg. „Ich fühl mich wohl in der Hood“, rappten die jungen Musiker des „Creative Culture Club“ bei der Eröffnung des Aktionstags Inklusion am Elisabeth-Blochmann-Platz. Sie fühlen sich wohl in der Heimat, in ihrem Viertel - die jungen Menschen mit und ohne Behinderung, die gemeinsam Musik machen. Ein Gebärdendolmetscher übersetzte die Texte parallel für die gehörlosen Besucher des Aktionstages, der gestern anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung stattfand.

„Niemand ist behindert, Menschen werden höchstens behindert, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der ­Eröffnung des Programms. Zusammen mit Landrätin Kirsten Fründt hatte er die Schirmherrschaft übernommen. „Was für ein Hindernis eine Treppenstufe darstellt, merkt man erst, wenn man im Rollstuhl vor ihr steht“, rief er den Zuhörern ins Bewusstsein. Fründt wies die Besucher, die sich schon zu Beginn des Tages vor der Bühne drängen, auf die vielen Angebote und Stände hin, die teilweise auch durch das vom Land geförderte Programm „Inklusion ­bewegt“ ins Leben gerufen wurden.

An diesen Ständen machten Vereine und Institutionen aus dem gesamten Landkreis auf ­ihre Angebote aufmerksam - und auch die Lebenssituationen von Menschen mit Behinderungen. Mitarbeiter der Blista etwa­ ließen die Besucher des Aktionstages Bilder malen - aber fast blind. Eine junge Malerin bekam dazu eine Brille aufgesetzt, die eine Sehbehinderung simuliert. Sie versuchte, sich dennoch mit roter Farbe auszudrücken und ein kleines Kunstwerk zu schaffen. Daneben zeigten Schüler der Blista, wie die Blindenschrift funktioniert, wie man sie schreibt und liest. Blind waren die Besucher auch am Stand eines Kita- und Schul­caterings. Dort durften sie leckere Gerüche einatmen und kleine Häppchen essen - und mussten erraten, was sie da vorgesetzt bekamen. Zitronenschalen und Zitronenstrauch ließen sich da nur schwer alleine am Geruch unterscheiden.

Viele Schulklassen und interessierte Besucher testeten an diesem Freitag die Stände aus und ließen sich darauf ein, die Welt mit den Augen von Menschen mit Behinderungen zu sehen. Das soll Bewusstsein schaffen, Grenzen im Kopf abbauen und dabei helfen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können - in Europa, Deutschland und in Marburg und dem Landkreis, wie Anna Kaczmarek-Kolb, Leiterin der Koordinierungsstelle­ „Inklusion bewegt“ beim Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen (fib), erklärte. „Der Aktionstag soll ­einen Beitrag dazu leisten, getrennte Lebenswelten zu öffnen und ein gelebtes Miteinander zu fördern.“

Neben den Ständen zum Mitmachen und Informieren unterhielt aber auch ein buntes Bühnenprogramm die Besucher: Nach den Raps des „Creative­ Culture Club“ begeisterten die Poetry Slammer Bo Wimmer und Letitia Wahl mit ihren Texten. Der Rapper „Spirit Child“ aus New York und weitere Musiker und Beatboxer gaben ebenfalls den Ton an. Und für gemeinsamen sportlichen Spaß aller Besucher sorgten ein menschlicher Tischkicker und eine Kletterwand.

von Patricia Grähling

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