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„Ich bin jetzt mehr deutsch als ein Deutscher"

Einbürgerung „Ich bin jetzt mehr deutsch als ein Deutscher"

Seit der Einführung des umstrittenen Einbürgerungstests im September 2008 haben im Landkreis 106 Menschen diese Prüfung abgelegt – die meisten mit Erfolg.

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Marburg. Die Stille im Marburger Stadtverordnetensitzungssaal wird allenfalls durch ein leises Räuspern durchbrochen, oder durch das Knistern eines Bonbonpapiers oder das Rascheln eines Taschentuchs. Von den 39 Menschen, die an diesem Tag bei der Volkshochschule der Universitätsstadt ihren Einbürgerungstest ablegen, sind eine Viertelstunde vor Beginn der Prüfung schon die meisten eingetroffen.

So auch der 31-jährige Ibrahim Cam, der aus der Türkei stammt und seit fast sechs Jahren in Deutschland lebt. Nun will er die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen. Und für die Einbürgerung muss er den Staatsbürgerkundetest ablegen. Cam hat kein Problem damit, sich dieser noch jungen und einst politisch heiß umstrittenen Prüfung zu stellen. „Ich will den Rest meines Lebens gemeinsam mit meiner deutschen Frau hier in Marburg verbringen, also muss ich doch auch alles wissen, was in diesem Test abgefragt wird“, sagt er im Gespräch mit der OP.

Auf die Prüfung hat Cam sich sorgfältig vorbereitet. „Ich denke, dass ich das schaffe“, sagt er selbstbewusst, „ich habe einen Monat lang jeden Tag gelernt.“ Er habe dabei viel Neues erfahren über das Land, das er schon so lange seine Heimat nennt. „Ich glaube, ich bin jetzt mehr deutsch als ein Deutscher“, sagt er und lacht.

Seit der Einführung des Tests im September vergangenen Jahres legten bereits 72 Menschen die Prüfung bei der Volkshochschule Marburg ab, 34 bei der Volkshochschule des Landkreises Marburg-Biedenkopf. „Am Anfang gab es Termine mit nur ganz wenigen Teilnehmern, jetzt werden es zunehmend mehr“, erklärt Kristine Umland. Die Teilnehmer seien zumeist gut vorbereitet, die meisten übten selbstständig im Internet für den Test. „Für die Vorbereitungskurse, die wir anbieten, gibt es kaum Anmeldungen.“

Jedem Teilnehmer liegt nun der Testbogen vor. Jeder erhält ein Exemplar, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge individuell für ihn vorbereitet wurde. Jeder muss 33 Fragen beantworten – 17 davon richtig, um zu bestehen. Auf den Bögen befinden sich eine Auswahl von allgemeinen Fragen zur deutschen Staatsbürgerkunde und von länderspezifischen Fragen. Die 39 Prüflinge greifen zum Kugelschreiber, senken die Köpfe und beginnen mit dem Ausfüllen.

Die Aufregung, die es im vergangenen Jahr um den Einbürgerungstest gab, hat sich inzwischen gelegt. „Man hat erkannt, dass die Vorbereitung kein Problem ist und das jeder diese Prüfung bestehen kann“, sagt Kristine Umland. „Viele leben ja auch schon so lange hier, dass sie die Fragen auch ohne vorheriges Üben beantworten könnten.“ Dem Regierungspräsidium Gießen zufolge, das über die Einbürgerungen in Mittelhessen entscheidet, liegt die Bestehensquote bei 97 bis 99 Prozent.

von Carina Becker

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