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"Ich bin Betrüger und bleibe dabei"

Prozess "Ich bin Betrüger und bleibe dabei"

Lügen, Diebstahl und professioneller Betrug. Seit Jahrzehnten führte der wortgewandte 45-jährige Angeklagte bundesweit zahlreiche Menschen in die Irre.

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Von weichen Hotelbetten wird der notorische Betrüger vermutlich oft träumen, wenn er im Gefängnis sitzt.

Quelle: Petra Bork / pixelio.de

Marburg. Die Liste seiner Vorstrafen ist ungewöhnlich lang. Nun wandert er erneut für rund drei Jahre ins Gefängnis. Wegen Diebstahls und Betrugs musste sich am Dienstagnachmittag ein Mann aus Rheinland-Pfalz vor Gericht verantworten. Der spektakuläre Betrugsfall bezog sich auf zahlreiche Taten in der ganzen Bundesrepublik, wurde aber vor dem Marburger Amtsgericht verhandelt.

In den Jahren 2011 und 2012 beging der Angeklagte mehrere betrügerische Handlungen in mindestens fünf Bundesländern, so die umfangreiche Anklageschrift. Seine Taten brachten ihn schließlich auch in den Landkreis Marburg-Biedenkopf. Im September vor zwei Jahren entwendete er aus der Wohnung einer Bekannten ein hochwertiges Notebook. Nach dem Diebstahl verließ er umgehend die Stadt.

Im selben Monat mietete er sich im sächsischen Dresden in einem Hotel ein. Dort gab er sich als Mitarbeiter eines bekannten Technologiekonzerns aus und versprach einer Frau, die sich ebenfalls in dem Hotel aufhielt, verschiedene elektronische Geräte zu reparieren. Die Geschädigte überließ ihm ein teures iPhone sowie 500 Euro Bargeld.

Hotelzimmer unter falschem Namen gebucht

Daraufhin verschwand der Betrüger mit seiner Beute aus dem Hotel. Seinen Aufenthalt dort bezahlte er nicht.

Ähnliches ereignete sich an anderen Orten, unter anderem in einem Hotel in Ludwigshafen im selben Jahr. Dort gaukelte er einem weiteren Geschädigten vor, elektronische Geräte zu einem sehr günstigen Preis verkaufen zu können. Der vermeintliche Käufer überließ ihm eine Anzahlung von 400 Euro, mit welcher der Angeklagte erneut verschwand.

Mitte 2012 mietete der Angeklagte wieder mehrere Hotelzimmer in Frankfurt, Herford und Eckernförde an. Dabei benutzte er einen falschen Namen, ließ sich Getränke und Bargeld aus der Hotelkasse auf sein Zimmer schreiben und verschwand nach einigen Tagen Aufenthalt, ohne die Rechnung zu begleichen.

Insgesamt beging er laut Anklageschrift acht gewerbsmäßige Betrugsfälle in den Bundesländern Hessen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Wahrscheinlich sind jedoch noch weitere, unentdeckte Straftaten. Denn wie es scheint, wohnte der Mann seit etwa 2011 nicht mehr in einer eigenen Wohnung, sondern hielt sich immer für einige Tage an verschiedenen Orten in Hotels auf.

Seine Aufenthalte bezahlte er nicht immer, sondern verschwand, ohne die Rechnung zu begleichen.

Anklagepunkt Einbruch wurde fallen gelassen

Die Vorwürfe gab der Mann vor Gericht ohne Umschweife sofort zu. Bis auf einen: Neben den Betrugsfällen beging er laut Anklage Ende 2011 ebenfalls Einbruch in eine Wohnung im Landkreis Marburg-Biedenkopf, bei dem jedoch nichts gestohlen wurde. Diese Tat stritt der Angeklagte vehement und glaubwürdig ab. „Ich bin Betrüger und bleibe dabei“, betonte er trotzig.

Der Anklagepunkt wurde schließlich fallen gelassen. Bundesweit ist der Mann der Justiz schon seit längerer Zeit bekannt.

30 Verurteilungen im Vorstrafenregister

Er stand bereits ungewöhnlich oft vor Gericht. Sein Vorstrafenregister weist 30 Verurteilungen auf, darunter auch mehrere Gefängnisstrafen.

Bei seinen Taten im Jahr 2011, befand er sich erst seit kurzem wieder auf freiem Fuß. Seit Anfang dieses Jahres sitzt er in Untersuchungshaft.

Sein gesamtes Leben sei von Anfang an schief gelaufen, sagte der 45-Jährige am Dienstag vor Gericht. Seine Mutter habe seit seiner Kindheit häufig die Partner gewechselt, die Familie musste oft umziehen. Als Jugendlicher fing er schließlich an, erste Diebstähle zu begehen. Mit 19 Jahren geriet er „richtig auf die krumme Bahn“.

Er habe schon immer mit Worten die Leute über den Tisch gezogen, gab der wortgewandte Mann zu. In ihrem Plädoyer sprach die Staatsanwältin von überraschend vielen einschlägigen Vorstrafen, die in dieser Dichte selten zu sehen sind, sowie von der beachtlichen Rückfall-Geschwindigkeit des Angeklagten. Richter Dominik Best verurteilte den Mann schließlich wegen Diebstahls und Betrugs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Zudem empfahl er eine Sozialtherapie.

von Ina Tannert

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