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„IS könnte im Frühjahr schon besiegt sein“

Marburger Kurde „IS könnte im Frühjahr schon besiegt sein“

Bringt das Jahr 2015 die Wende im Kampf gegen die islamistische Terrorgruppe IS? Der Marburger Farhad Karem ist fest davon überzeugt.

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Farhad Karem.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Täglich verfolgt Karem die Nachrichten aus dem kurdischen Teil Iraks. Karem, Mitglied der Demokratischen Partei Kurdistans und des Kurdischen Kulturzentrums, glaubt, dass die Terrorgruppe Isis in wenigen Monaten besiegt ist. Karem nimmt seinen Optimismus aus den Meldungen der vergangenen Wochen: Danach wird IS im Irak auf breiter Basis zurückgeschlagen. „In der Autonomen Region Kurdistan hat die Isis schon fast aufgegeben“, sagt Karem, der über  ausgezeichnete Kontakte in seine alte Heimat verfügt.

Karem berichtet, dass nach der Wiedereroberung des Flughafens der kurdischen Hauptstadt Arbil regelmäßig Nachschub für die kurdischen Peschmerga-Kämpfer eintrifft. Auch der Iran unterstütze die irakische Armee mit Geld und Ausbildung. Zudem haben sich, so Karem, 350 000 sunnitische Freiwillige in die Listen der irakischen Armee eingetragen.

Die Hauptlast der Kämpfe auf irakischem Boden trügen aber nach wie vor die kurdischen Peschmerga-Truppen und ihre Verbündeten. Am Wochenende kursierten Meldungen, nach denen die Stadt Rakka im Norden Syriens, Hochburg und Rückzugsort der Isis-Kräfte, unter schwerem Beschuss geraten ist.  

Karem glaubt nun an einen unmittelbar bevorstehenden Angriff der Koalitionskräfte auf Mossul. Die Millionenstadt im Norden Iraks ist seit Sommer unter Kontrolle des IS.  Es werde Straßenkämpfe geben, die Taktik der IS-Kämpfer im Irak sei offenbar, vor dem Rückzug aus von ihnen besetzten Gebieten Minen zu legen und Häuser zu sprengen. Trotz einer Verbesserung der militärischen Lage sei insofern noch nichts überstanden. Zumal das Flüchtlingselend sich noch verschärfen wird.

Karem sieht IS vor Spaltung

Bereits jetzt leben 700 000 Flüchtlinge in der Gegend nördlich von Mossul, eine Million Flüchtlinge im Osten der Autonomen Region Kurdistan. Und in Suleynamiyya, nahe der Grenze zum Iran, werden weitere eine Million Flüchtlinge gezählt. Sie leben unter härtesten Bedingungen zum Teil im Freien in Zelten.  Der Präsident der Autonomen Region Kurdistan, Masud Barzani, hat die Hilfe seiner Regierung angeboten und die Weltgemeinschaft zur Unterstützung aufgefordert.

Für die Zukunft des Konflikts ist mitentscheidend, wie sich der IS entwickelt. Viel spricht dafür, glaubt Farhad Karem, dass die Terrororganisation vor der Spaltung steht – und dass eine der Splittergruppen noch radikaler, noch entschlossener kämpfen könnte. In verschiedenen Medien ist die Rede von mit Ebola infizierten Terrorkämpfern.

In den USA wird darüber spekuliert, dass sich infizierte Kämpfer als Selbstmordattentäter selbst in die Luft sprengen könnten – hunderte von Menschen würden bei einem solchen Anschlag angesteckt. Trotz alledem ist Farhard Karem optimistisch. Vielleicht schon im Frühjahr sei der IS militärisch besiegt, glaubt er.

Was aber passiert danach? Karem glaubt, dass die Kurden anschließend zu einer starken Ordnungskraft im Mittleren Osten werden: Die Kraft, die am meisten zum Sieg über den Terrorismus beigetragen habe, werde  diplomatisch von vielen Staaten anerkannt werden.

von Till Conrad

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