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IS ist raus aus der Kennzeichen-Auswahl

Symbolischer Akt IS ist raus aus der Kennzeichen-Auswahl

Pech für die Ingo Schulzes dieser Welt. Sie teilen sich ihre Initialen mit der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Deshalb nimmt die Kreis-Zulassungsstelle die Buchstabenkombination aus dem Sortiment.

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Kennzeichen mit der Kombination MR und IS werden im Landkreis seit November vergangenen Jahres nicht mehr geprägt. Allerdings sind noch 215 Fahrzeuge mit dieser Kombination in Marburg-Biedenkopf gemeldet.

Quelle: Lara Hoffsteter

Marburg. Ausnahmen soll es jedoch geben, wie Kreissprecher Dr. Markus Morr erklärte. „Wenn jemand schon immer seine Initialen IS auf dem Kennzeichen hatte und dies bei einer Neuzulassung unbedingt beibehalten möchte, wird es eine Regelung geben.“ Allerdings habe das Personal in der Zulassungsstelle seit der Neuregelung alle Kunden, die sich IS als Kürzel wünschten, argumentativ davon überzeugen können, eine andere Buchstaben-Kombination zu wählen.

Doch aus der Standard-Auswahl der Kennzeichen-Behörde ist die Kombination IS definitiv raus. Darüber informierte der Landkreis am Freitag. Die Entscheidung war allerdings schon viel früher gefallen, wie der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow berichtete. Seit 27. November 2015 vergibt der Landkreis diese Buchstaben nicht mehr für Nummernschilder. Den Ausschlag dafür gaben die Terroranschläge von Paris.

Keine Solidarisierung durch ein Auto-Kennzeichen

„Wir hatten dabei die Opfer im Blick“, führt Zachow aus und spricht dabei auch über rund 4000 Flüchtlinge, die zu dieser Zeit im Landkreis lebten und die teilweise auch vor dem IS geflohen waren. „Wir wollten ausschließen, dass es einen Missbrauch dieser Kombination und eine Solidarisierung mit der schrecklichen Organisation IS durch das Kennzeichen geben kann“, sagt Zachow.

Was die IS-Kennzeichen angeht, die bereits vergeben und mit Marburger Nummerschild unterwegs sind: „Da gilt natürlich der Bestandsschutz“, erklärt Zachow. Niemand müsse sein Kennzeichen wegen der neuen Regelung abgeben, „man kann es aber in der Zulassungsstelle austauschen lassen, wenn man möchte“. Für die Prägekosten von knapp 20 Euro müssten die Kunden dann allerdings selbst aufkommen, sagt der Erste Kreisbeigeordnete. „Aber wir überlegen derzeit, ob wir die Verwaltungskosten in einem solchen Fall reduzieren oder sogar wegfallen lassen.“

215 Fahrzeuge im Landkreis mit dem Kürzel IS

Nach Angaben des Landkreises, der die Zulassungsstelle betreibt, gibt es derzeit in Marburg-Biedenkopf 215 Fahrzeuge mit dem Kürzel IS. Ingo Schulz, Inge Schmidt, Ida Seitz oder wie die Inhaber von IS-Initialen auch sonst heißen mögen: Im Märkischen Kreis mit der Stadt Iserlohn, wo Fahrzeug-Besitzer eine Zeit lang statt MK unter anderem auch IS als Ortskennzeichen auswählen konnten, will man diese Leute nicht verprellen.

„Jetzt gibt es eine große Aufregung um das Thema, und überall in Deutschland ziehen Zulassungsstellen nach. Aber wir werden das nicht tun“, stellt Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, am Freitag auf Nachfrage der OP klar. Das IS als Ortskennzeichnung hat der dortige Kreistag laut Klein schon länger abgeschafft und sich für MK als einheitliche Kennzeichnung für alle hiesigen Nummernschilder entschieden. „Doch daran, dass man IS als persönliche Wunschbuchstaben hinter dem MK auswählen kann, wird sich im Märkischen Kreis nichts ändern. Es sei dann, es wird noch eines Gesetztesregelung dazu geben, dann übernehmen wird dies. Vorher aber nicht“, sagt Klein.

In Marburg-Biedenkopf ist man da eher vorsichtig und betrachtet die Abschaffung der Kennzeichen-Kombination IS auch als eine Art „Selbstschutz für die Kunden“, wie die Kreisverwaltung mitteilt. „Denn ein zufällig zugewiesenes Kennzeichen mit dem Kürzel IS könnte in der Bevölkerung zu Diskussionen oder Irritationen führen.“ Im Kreis gibt es aktuell 184 454 zugelassene Fahrzeuge – im Schnitt werden 4 000 Fahrzeuge im Monat zugelassen.

 
Hintergrund
Neben IS werden in Hessen auch andere Kennzeichen nicht vergeben: HH, SS, SA, KZ, HJ, NS und SD (in Anlehnung an den Reichssicherheitsdienst). In der bayerischen Stadt Nürnberg wird zudem SU nicht mehr auf die Nummernschilder gepresst - wegen des Nationalsozialistischen Untergrunds NSU.

von Carina Becker

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