Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Hygiene am Klinikum „vorbildlich“

Krankenhaushygiene Hygiene am Klinikum „vorbildlich“

Das Universitätsklinikum wehrt sich gegen Vorwürfe eines Fernsehmagazins, es lege nicht ausreichend Wert auf die Krankenhaushygiene in Marburg.

Voriger Artikel
Falsche Bilanzen und geklautes Geld
Nächster Artikel
Heiraten im Dienst der hohen Politik

In der zentralen Sterilisation am UKGM werden Gegenstände, die mit Patienten in Berührung kommen, keimfrei gemacht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In der Marburger Krankenhaushygiene arbeiten acht Personen als Hygienefachkräfte, die wiederum von acht Mitarbeitern der „Technischen Hygiene“ in ihrer Arbeit unterstützt werden, teilte UKGM-Sprecher Frank Steibli mit. „Das gibt es nur in Marburg.“

Diese Technische Hygiene übernimmt beispielsweise die Prüfung und Probennahme bei Raumluftanlagen, Wasseranlagen, Sterilisationsgeräten und -abteilungen. Sie tauchen jedoch im ARD-Bericht von Dienstagabend nicht auf.

Bundesweit erfüllt mehr als jedes vierte Krankenhaus (26 Prozent) dem Bericht zufolge die Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts nicht und beschäftigt zu wenig Hygienepersonal. Auch der Standort Marburg falle darunter.

Professor Reinier Mutters, der Leiter der Krankenhaushygiene am Institut für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene in Marburg, empfindet den Bericht als „unfair“: Die Autoren verwendeten alte und deswegen falsche Zahlen.

Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts lauten, jede Klinik ab 400 Betten solle mindestens jeweils eine Person als Krankenhaushygieniker, als Hygienefachkraft, als hygienebeauftragten Arzt und als hygienebeauftragte Pflegekraft einstellen. Sie sollen Abläufe kontrollieren und Kollegen im richtigen Umgang mit der Umsetzung der Hygieneregeln schulen.

Die Zahlen, die das Magazin „Plusminus“ veröffentlichte, stammen aus dem Jahr 2014. Danach waren beim UKGM in Marburg drei Krankenhaushygieniker, sechs Hygienefachkräfte und 42 hygienebeauftragte Ärzte beschäftigt, aber kein hygienebeauftragter Pfleger. Die werden inzwischen am Klinikum ausgebildet, teilte Steibli mit, obwohl das Land Hessen diese Funktion nicht vorschreibe. „Wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, haben wir etwa 40“, sagt Mutters.

Tüv Süd: Marburg "ausgezeichnet und vorbildlich"

Die Krankenhaushygiene am UKGM ist seit gut drei Jahren als erste und bisher einzige Universitätsklinik vom Tüv Süd nach einer europäischen Norm zertifiziert worden. „In diesen Tagen haben wir unsere aktuelle Re-Zertifizierungsurkunde erhalten“, berichtet Steibli. Die Hygiene am Universitätsklinikum Marburg sei „ausgezeichnet und vorbildlich“.

Auch die Hessische Krankenhausgesellschaft kritisiert den Bericht des Fernsehmagazins. Die Redaktion habe die Hygieneverordnungen der Länder nicht berücksichtigt, die verbindlich für die Krankenhäuser sind und damit die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts in geltendes Landesrecht umsetzen. In Hessen seien keine hygienebeauftragten Pfleger vorgesehen. In den drei Jahren seit 2014 seien dennoch zahlreiche hygienebeauftragte Pfleger an deutschen Krankenhäusern ausgebildet worden. Der Bericht verzerre die Realität.

In deutschen Krankenhäusern infizieren sich nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) jährlich rund eine Million Patienten mit Keimen. Die Gesellschaft spricht von bis zu 40000 Toten, die jedes Jahr wegen mangelnder Hygiene im Krankenhaus sterben.

Mutters schätzt, dass zwei Drittel aller Erkrankungen, die durch Krankenhauskeime hervorgerufen werden, vermieden werden können. Hygiene im Krankenhaus sei dabei das A und O. Marburg sei hier vorbildlich. Die Ansteckungszahlen seien im Vergleich extrem niedrig. „Wir haben tolle Kollegen, die die Hygieneanweisungen der Fachkräfte gut umsetzen.“

Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU) hatte Anfang 2015 außerdem einen Zehn-Punkte-Plan zur Bekämpfung multiresistenter Keime in Kliniken vorgestellt, der unter anderem zum Ziel hatte, bis Ende 2016 mehr Hygienepersonal einzustellen. Das Erreichen des Ziels wurde aber „auf Bitten der Länder zwischenzeitlich bis Ende 2019 verlängert“, wie das Gesundheitsministerium dem Fernsehbericht zufolge mitteilte.

von Till Conrad
und unserer Agentur

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr