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Hungrige Blutsauger aus Wald und Feld

Zecken-Zeit Hungrige Blutsauger aus Wald und Feld

Naturliebhaber aufgepasst: Mit dem Frühling nehmen auch die Zecken wieder ihre Aktivität auf. Klein, leise und oft unbemerkt lauern sie auf die nächste Blutmahlzeit. Dabei können sie bis zu 50 verschiedene Krankheiten übertragen

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Die Zecken-Gefahr lauert in den heimischen Wäldern.

Quelle: Andre Hirtz

Marburg. Sie sind nur winzige Millimeter groß und doch so gefährlich: Zecken. Die kleinen Krabbeltiere sind vor allem von Frühjahr bis Herbst aktiv und lauern in Wiesen, Wäldern, Parks und Gärten auf ihre Opfer. Bis zu 15 Tage trinken sie das Blut ihres Wirtes und können dabei bis zu 50 verschiedene Krankheiten übertragen - unter anderem Borreliose und FSME.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf zählt seit dem Jahr 2005 als Risikogebiet für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Damals waren fünf Krankheitsfälle von FSME in einem Jahr gemeldet worden. „Damit waren die Voraussetzungen des Robert-Koch-Instituts, als Risikogebiet benannt zu werden, erfüllt“, erklärt Dr. Markus Morr vom Landkreis. Nach Definition des Instituts bleibe dieser Status für 20 Jahre bestehen.

Gemeldete Fälle
2005 wurden dem Gesundheitsamt des Landkreises fünf Fälle von FSME gemeldet, 2006, 2007 und 2008 keine, 2009 und 2010 jeweils ein Fall, 2011 drei Fälle, 2012 wiederum ein Fall, 2013 keiner, 2014 zwei und 2015 einer.

Schutz
Wer häufig auf Wiesen, Feldern und in Wäldern unterwegs ist, der kann sich durch richtige Kleidung vor Zecken schützen: Experten empfehlen geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen zu tragen. Auf heller Kleidung sind Zecken besser zu erkennen als auf dunkler und können noch vor einem Biss entfernt werden. Am besten werden die Socken über die Hose gezogen, da die Spinnentiere vor allem im Unterholz und an Gräsern sitzen. Zecken suchen sich für ihren Biss bevorzugt warme, dünne Hautstellen aus, beim Menschen etwa in den Achselhöhlen, Kniekehlen, am Hals, Kopf und Genitalbereich, um festen Halt zu haben und das ein oder andere Kratzen und Scheuern unbeschadet zu überstehen. An diesen Stellen sollte nach dem Ausflug ins Grüne gründlich nach Zecken gesucht werden.

Impfung
Trotz aller Vorsicht gilt: Eine 100-prozentige Garantie, nicht von einer Zecke gebissen zu werden, gibt es nicht. Neben den oben genannten Schutzvorkehrungen gibt es zumindest gegen die von Zecken übertragene FSME eine Impfung, durch die der Körper lernt, Antikörper gegen die Krankheit zu entwickeln. Die Kosten für die Impfung übernehmen für Versicherte, die in Risikogebieten leben, die gesetzlichen Krankenkassen.

Zeckenentfernung
Sollte sich eine Zecke im Körper festgebissen haben, sollte sie möglichst schnell entfernt werden. Am besten geht das mit einer Zeckenzange, Pinzette oder einer Zeckenkarte. Da die Stechwerkzeuge der Zecke mit kleinen Widerhaken besetzt sind, muss das Werkzeug zum Entfernen nah über der Haut aufgebracht und die Zecke herausgezogen beziehungsweise gehebelt werden. Ein Drehen ist nötig. Wer sich unsicher ist, der sollte einen Arzt aufsuchen und das Tier entfernen lassen.

Krankheiten
Zecken können die verschiedensten Krankheitserreger an den Menschen weitergeben. Die häufigsten sind Borreliose (Lyme-Krankheit) und FSME. In Europa sind zwischen zehn und 35 Prozent der Zecken mit dem Borrelien-Bakterium verseucht. 0,1 bis fünf Prozent der Zecken tragen das FSME-Virus in sich. Weitere von Zecken übertragene Krankheiten sind unter anderem Babesiose, Ehrlichiose, Rickettsiose (Fleckfieber) und Krim-Kongo-Fieber.

Symptome von Borreliose
Borreliose kann sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Sie kann - muss aber nicht - in unterschiedlichen Stadien verlaufen. Typisches Anzeichen ist eine ringförmige, sich um die Einstich­stelle ausbreitende Röte. „Das ist ein eindeutiger Anhaltspunkt auf Borreliose. Man sollte dann direkt zum Arzt gehen“, empfiehlt Schroer. Häufige Symptome sind zudem Abgeschlagenheit, Fieber, geschwollene Lymphknoten, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Nach Wochen bis Monaten kann es zu einer Nervenwurzelentzündung mit brennenden Schmerzen kommen. Monate bis Jahre nach der Infektion kann es zu schmerzhaften Gelenkentzündungen und chronischen, pergamentartigen Hautveränderungen kommen. Sehr selten kommt es zu einer Lähmung der Beine und/oder Arme infolge der chronischen Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks.

Symptome von FSME
FSME macht sich ein bis zwei, maximal vier Wochen nach dem Zeckenstich mit grippeähnlichen Symptomen bemerkbar. Bei jedem zehnten Erkrankten kommt es zu einem Befall des zentralen Nervensystems. Bei einem leichten Verlauf macht sich dies mit Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifigkeit bemerkbar. Bewusstseinsstörungen, Sprach- und Schluckstörungen, Lähmungen und Krämpfe sind Zeichen eine schweren Verlaufs.

Diagnosen und Behandlung
Die Diagnose von Borreliose stützt sich auf die Symptome und die Angaben aus der Krankengeschichte und wird durch Blut- und/oder Hirnwasser-Untersuchungen vervollständigt. Das Frühstadium wird mit Antibiotika in Tablettenform behandelt, die chronischen Folgen erfordern teilweise eine intravenöse Antibiotika-Therapie. Zudem ist immer eine erneute Ansteckung möglich. FSME wird durch eine Untersuchung des Blutes oder des Hirnwassers nachgewiesen. Die Behandlung orientiert sich an den Symptomen. Eine direkte Therapie gegen das Virus gibt es nicht, eine Infektion hinterlässt aber einen lebenslangen Immunschutz. „Auffällig ist, dass ältere Menschen häufiger betroffen sind als jüngere“, so Schroer.

  • Weitere Informationen rund um das Thema gibt es im Internet unter www.zecken.de

von Katharina Kaufmann-Hirsch

 
 
Die Zecke
  • Die Zecke gehört zu den Spinnentieren und ist in Europa fast ausschließlich als gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) zu finden. Sie ist sehr anpassungsfähig und kann sowohl in extremer Trockenheit überleben wie auch in großen Höhen. Bevorzugt leben Zecken allerdings in gemäßigten Klimazonen bis zu einer Höhe von 1000 Metern über dem Meeresspiegel. Aktiv sind sie vor allem in mitteleuropäischen Breitengraden in den Monaten März bis Oktober mit zwei Spitzen im Frühsommer und im Herbst.
  • Zecken haben keine Augen, sondern an den vordersten Beinen das sogenannte Hallersche Organ, das mechanische, thermische und chemische Reize wahrnehmen kann. Erwachsene Zecken sind etwa zwei bis vier Millimeter groß, Weibchen erreichen vollgesogen eine Größe von bis zu 15 Millimetern.
  • Zecken durchlaufen drei Entwicklungsstadien, die jeweils zwei bis drei Jahre dauern. Jedem Stadium geht eine Blutmahlzeit voraus. Das Weibchen legt bis zu 3000 Eier, aus denen Larven schlüpfen. Diese sechsbeinigen Larven sind kleiner als einen halben Millimeter und befallen für ihre Blutmahlzeit kleine Säugetiere wie Mäuse und Igel. Anschließend häuten sie sich zur Nymphe. Diese sind etwa einen Millimeter groß und haben acht Beine. Nymphen sind geschlechtslos und bevorzugen für ihre Blutmahlzeit Säugetiere wie Eichhörnchen, Amseln und Füchse, können aber auch den Menschen befallen. Danach erfolgt die zweite Häutung zur ausgewachsenen, geschlechtsreifen Zecke. Nur weibliche Zecken saugen Blut.
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