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Hundekot auf Wegen nervt Gassi-Gänger

Tiere Hundekot auf Wegen nervt Gassi-Gänger

Spaziergänger in Marburg ekeln sich vor Hundehaufen auf Fuß-, Geh- und Waldwegen. Sie klagen über die Faulheit von Haltern, welche die Hinterlassenschaften ihrer Haustiere nicht entfernen.

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Daniela Kühl geht mit ihrer Hündin Jenny im Wehrdaer Wald spazieren – und wenn Jenny ein tierisches Bedürfnis plagt, sammelt die Hundebesitzerin die Hinterlassenschaften in Beuteln auf. Fotos: Björn Wisker

Marburg. Daniela Kühl und Jenny haben ein Revier. Im Wald rund um das Hallenbad Wehrda führt die Marburgerin ihre Hündin aus. Die Pfade sind eine beliebte Spazierroute. Jedoch: Hundekot verdirbt vielen das Vergnügen. Die Haufen liegen rechts und links, aber auch mitten auf den Wegen. „Gerade auf dieser Strecke ist das ein nerviger Dauerzustand“, sagt Kühl, die fast täglich dort unterwegs ist. Im Sommer breite sich bisweilen Gestank aus, in Herbst und Winter verdecken Blätter den Kot, Fußgänger treten hinein. „Das ist ekelig“, sagt Kühl.

120 Hundekotbeutel-Spender im Stadtbereich

Besonders ärgert sie, dass Blinde und Sehbehinderte keine Chance haben, diesen Hundehaufen auszuweichen. „Es ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, die Hinterlassenschaften wegzumachen.“ Und sei es mit einem Stock oder Ast, um den Kot vom Weg auf den Rasen zu kehren. Kühl selbst hat stets Beutel dabei, damit sie Jennys großes Geschäft aufsammeln und in den Müll werfen kann. „Die kosten im Handel ein paar Cent, und am Eingang zu den Waldwegen gibt es die sogar gratis in Behältern“, sagt sie.

Die Stadtverwaltung bestätigt auf OP-Anfrage: „Mittlerweile stehen etwa 120 solcher Hundekotbeutel-Spender im Stadtgebiet“, sagt Edith Pfingst, stellvertretende Pressesprecherin der Stadt. Der Beutelverbrauch belaufe sich auf knapp 300 000 Stück pro Jahr.

Was Daniela Kühl in Wehrda bemängelt, erlebt Roger Metz (Foto rechts) in Cappel. Rund um den Pfaffengrundbach, im Feld zwischen Am Krekel und Zimmerplatzweg, „geht‘s wild zu“. Der 31-Jährige beobachtet bei seinen Ausflügen mit Hund Flash, dass etwa Jogger, die während ihres Sports den Hund frei laufen lassen, sich selten um den Kot kümmern. „Die bemerken es ja nicht mal, wenn ihr Hund sich hinsetzt, ist ja oft nur eine Sache von Sekunden - das Aufsammeln übrigens auf.“ Metz ärgert sich vor allem über jene Marburger, die das Geschäft ihres Tieres mitbekommen, sich aber erst umschauen, ob es jemand sehen würde, wenn der Haufen liegenbliebe.

Ein Schild mit Humor: "Gedenkstätte der Hundebesitzer"

Wird ein Hundehalter vom Ordnungsamt erwischt, droht ein Verwarngeld zwischen fünf und 55 Euro, wie Pfingst sagt. Wer die betroffenen Gebiete reinigen muss, ist in der Straßenreinigungssatzung der Stadt geregelt. Grundsätzlich sind demnach die Anlieger zur Straßenreinigung verpflichtet. Auf öffentlichen Plätzen und Grünanlagen liegt die Verpflichtung beim Eigentümer, in der Regel der Kommune. Für den Bereich der Wiesen entlang der Lahn ist es Aufgabe der Stadt. Der Dienstleistungsbetrieb Marburg (DBM) hat eigenen Aussagen zufolge keine Kenntnis von Hundekot-Schwerpunkten. Es gebe auch „keine besondere Zunahme“ der gemeldeten Fälle, jedoch sei bekannt, dass „Marburgs Straßen und Wege nicht komplett frei“ von Hundehaufen seien. Bei Beschwerden täte man alles, um den Kot schnell zu beseitigen und den Verursacher zu finden.

In der Straße „Auf der Weide“ begegnete man dem Kot zuletzt mit Ironie. Unbekannte hängten dort über einem mit Kreide eingekreisten Kothaufen ein Pappschild auf. Aufschrift: „Gedenkstätte der Hundebesitzer.“

Hundesteuer
Aktuell sind rund 2400 Hunde in Marburg steuerlich angemeldet. Die Einnahmen aus Hundesteuer betragen in Marburg etwa 140 000 Euro pro Jahr. Für den ersten Hund müssen Halter 60 Euro, für den zweiten 66 Euro, für den dritten und jeden weiteren Hund 72 Euro zahlen. Ausnahme: als gefährlich klassifizierte Hunde. Dort sind die Gebühren doppelt so hoch.

von Björn Wisker

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