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Humor verbindet Kirchenwelten

Ökumene Humor verbindet Kirchenwelten

Ein ungewöhnlicher Empfang im Rathaus: Ungewöhnlich, weil die Gäste geistliche Würdenträger aus aller Welt waren und die Veranstaltung alles andere als staatstragend war. Es wurde viel gelacht, stellte Bischof Hein fest. „Das mögen wir.“

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Spitzenvertreter der orthodoxen und protestantischen Kirchen kamen in Marburg zusammen. Stellvertretend für das Gremium sprach der Metropolit von Konstantinopel, Professor Gennadios von Sassima (rechts), beim Empfang im Rathaus.Fotos: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Sie trafen sich in Damaskus, Hofgeismar, Moskau, Nikosia und nun in Marburg: Die Mitglieder des „Ständigen Ausschusses für Zusammenarbeit und Verständigung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK)“, es sind führende Vertreter der orthodoxen und protestantischen Kirchen aus aller Welt, tagten von Freitag bis gestern Abend in der Universitätsstadt. Stolzer Gastgeber war der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck, Dr. Bischof Martin Hein.

In Marburg sei quasi das Wohnzimmer der Kirche, sagt der Bischof, der seinen Dienstsitz Kassel hat und damit konkret die Universitätskirche meint. Aber auch die Stadt Marburg wollte die geistlichen Würdenträger in ihrer guten Stube, im historischen Rathaussaal empfangen. Mehr als 100 Vertreter aus dem öffentlichen Leben kamen zum Empfang. Oberbürgermeister Egon Vaupel begrüßte zunächst seine Gäste auf Englisch, zog dann aber die Übersetzung vor, die Marico Engel vom Ausländerbeirat übernahm.

Für das Marburger Nachtleben bleibt keine Zeit

Vaupel, der über Landgraf Philipp, Medizinnobelpreisträger Emil von Behring und die Heilige Elisabeth sprach, erklärte seinen Gästen, dass Marburg „noch heute als das soziale Herz Deutschlands bezeichnet wird“ - was bei den Marburgern für Lachen sorgte. Aber Vaupel lieferte Fakten nach: Die Lebenshilfe, die Blindenstudienanstalt habe hier ihre Heimat. „Marburg ist nicht nur eine Universitätsstadt, sondern auch eine Stadt der Kirchen“, erklärte Vaupel. Das hörten die Zuhörer, unter ihnen auch die Vorsitzenden der Islamischen und Jüdischen Gemeinde Marburg, gern. Für die Ausschussmitglieder des Ökumenischen Rats sprach der Metropolit aus Konstantinopel, Professor Gennadios von Sassima. Der Oberbürgermeister müsse sich um das Wohlergehen der Bevölkerung kümmern, der Bischof um die Herzen und Seelen der Menschen, sagte er an die Gastgeber.

Der griechische-orthodoxe Geistliche amüsierte die Zuhörer, als er vom straffen Zeitplan der Tagung berichtete. Vaupel habe ihm das Buch „Marburg by Night“ geschenkt, doch für das Marburger Nachtleben habe man keine Zeit gehabt.

Viele Nationen, viele Spachen

Ein Fachgespräch reihe sich an das nächste an, ein Programmpunkt nach dem anderen, berichtete der Metropolit. Bischof Hein habe jede Minute durchgeplant, sagte er und fing auf Deutsch scherzhaft den Drill-Ton des Bischofs („1,2,3,4“) nachzumachen. Die Zuhörer lachten amüsiert. „Es ist unüblich, dass auf einem Empfang so viel gelacht wird wie heute. Aber das mögen wir“, sagte Bischof Hein in seiner Rede. Auch im Anschluss an den offiziellen Empfang, Zeit um bei Suppe und Saft, kurz durchzuschnaufen, herrschte eine lockere Atmosphäre vor.

So sprach der stellvertretende Generalsekretär des Kirchenrats, Georges Lemopoulos, ein orthodoxer Grieche aus Genf, auf Englisch mit einer evangelischen Theologie-Studentin aus Marburg. Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Marburg, Dr. Bilal El-Zayat unterhielt sich auf Arabisch mit Bischof Anba Damian von der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, dessen Heimatland Ägypten ist.

So viel Vielfalt, sagte auch der hohe Geistliche Würdenträger Gennadios von Sassisma, der schon in vielen Ländern lebte, sei für das kleine Marburg beeindruckend.

Nur orthodoxe Kirchen, die gibt es in Marburg nicht, erfuhren die Gäste.

von Anna Ntemiris

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