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Hürdenlauf weist auf Barrieren im Alltag hin

Jürgen-Markus-Preis Hürdenlauf weist auf Barrieren im Alltag hin

Die Verleihung des Jürgen-Markus-Preises für besonders nachhaltige Beiträge zur Inklusion fand am vergangenen Freitag im Marburger Rathaus statt.

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Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (von links) und Susanne Holz (Vorsitzende des Kuratoriums) freuen sich mit Vertretern der Preisträger Claus Duncker, Amelie Schneider, Ulrich Pfeiffer, Joachim Scholz, Nora Schotten und Christian Betz.Foto: Freya Altmüller

Marburg. „Menschen sind nicht behindert, Menschen werden behindert“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Verleihung des Jürgen-Markus-Preises am vergangenen Freitag im Historischen Rathaussaal. Inklusion sei daher die Beseitigung der Hindernisse, die Menschen in den Weg gelegt werden.

Der mit insgesamt 20000 Euro dotierte und von der Stadt Marburg verliehene Preis unterstützt daher Projekte, die nachhaltig einen Beitrag zur Inklu­sion leisten.

Der erste Platz und damit 14000 Euro gingen an ein Projekt der Deutschen Blindenstudienanstalt und des Vereins Theater Gegenstand. Es trägt den Arbeitstitel „Hürdenlauf - Straßentheater für Menschen mit Behinderung“.

Auf der Basis von Alltagserfahrungen sollen dabei die Beteiligten gemeinsam Inszenierungen erarbeiten, die ohne Vorankündigung im öffentlichen Raum aufgeführt werden.

Sie dienen dazu, Zuschauer für sichtbare und unsichtbare Barrieren zu sensibilisieren. Dazu gehört zum Beispiel ein Lokal in der Innenstadt, das zwar barrierefreie Toiletten hat, aber ausschließlich mit hohen Tischen und Barhockern möbliert ist. Rollstuhlfahrer sitzen dort auf Augenhöhe mit der Tischkante. Auch Menschen ohne Behinderung können daran teilnehmen.

„Das Projekt ermöglicht kulturelle Teilhabe“, erklärte Susanne Holz, Vorsitzende des Kuratoriums, die Entscheidung.

„Inklusion ist dann verwirklicht, wenn im Bewusstsein ist, dass Anderssein die Regel in der Gesellschaft ist“, erklärt Claus Duncker. Der Direktor der Marburger Blindenstudienanstalt (Blista) nahm gemeinsam mit seinen Kollegen den Preis entgegen.

Der zweite Platz ging an ein mit 6000 Euro gefördertes Projekt des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes Marburg-Gießen. Unter dem Motto „Augen auf: Erste Hilfe für Blinde und Sehbehinderte“ soll es ermöglichen, Zertifikate für Erste-Hilfe-Kurse zu erwerben, die häufig Voraussetzung zum Erwerb von Qualifikationen sind.

Dazu gehören beispielsweise das zweite Staatsexamen im Lehramt, das Physikum und die Jugendgruppenleiterausbildung. Das Angebot ermöglicht daher Teilhabe. „Bundesweit gibt es keine vergleichbaren Kurse“, begründete Holz die Entscheidung des Kuratoriums.

Das Preisgeld soll für die Überarbeitung von Lehrunterlagen, die Anschaffung eigener Modelle zum Ertasten und die barrierefreie Gestaltung der Webseite eingesetzt werden.

Der bereits zum dritten Mal verliehene Preis ehrt Jürgen Markus, der sich zu Lebzeiten in Marburg für die Sensibilisierung für die Belange von Menschen mit Behinderung einsetzte.

Nach einem Unfall war Markus selbst querschnittsgelähmt. Als Stadtverordneter war er unter anderem im Bauausschuss des Stadtparlaments tätig.

Außerdem hat er im Jahr 1997 den Behindertenbeirat auf den Weg gebracht und war der stellvertretende Vorsitzende dieses Gremiums. Auch in der damaligen „Krüppelinitiative Marburg“ und im Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen engagierte sich Jürgen Markus.

von Freya Altmüller

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