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Hospiz-Helfer lernen Trauer-Bewältigung

OP-Dossier Sterbehilfe Hospiz-Helfer lernen Trauer-Bewältigung

"Leben mit dem Tod. Kann ich das?"- unter diesem Motto stand der 8. Hessische Palliativtag am Samstag. Schwerpunkt des Treffens von Medizinern, Seelsorgern und Hospiz-Vertretern war das Thema Trauerbewältigung.

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Plädoyer für Ruhe: „Im Hospiz ermöglichen wir Mitmenschen die Rast auf dem Weg in ihr ewiges Zuhause. Das bedeutet für die Helfer oft, einfach nur still bei jemandem zu sitzen. Das brauchen viele mehr als Musik, Gedichte, Bücher.“, sagt Professorin Christa Heilmann,eine der Referentinnen während des 6. Marburger Symposiums für Hospizarbeit.

Quelle: Angelika Warmuth

Marburg. Kummer, Schmerz, Verlust - Tabitha Oehler hat damit jeden Tag zutun. Die Trauerseelsorgerin leitete während des Marburger Symposiums ein Seminar. „Trauernde brauchen das Recht zu trauern. Man muss Betroffenen zuhören, sie mal umarmen. Und anerkennen, dass sie einen Schmerz haben, dass es eine Ausnahmesituation ist“, sagt sie. Die Formen der Trauer seien unterschiedlich - manche brauchen Ruhe, Normalität, andere Ablenkung. „Zeit ist das Wichtigste: zwei, drei, vier, fünf Jahre sind normal bei schweren Verlusten“, sagt Oehler.

Überhaupt: Hospize und Palliativmediziner seien nicht nur für Sterbenskranke da, sondern sie müssten sich verstärkt dem Schmerz der Angehörigen widmen - das fordert Ruthmarijke Smeding, Fachreferentin in der Palliativ- und Trauerbegleitung in Basel (Schweiz). „Wir müssen nach 20, 30 Jahren Hospizarbeit endlich einen Schritt weitergehen und uns verstärkt den Hinterbliebenen, deren Trauer widmen“, sagt sie. Das verlange vor allem ehrenamtlichen Helfern viel ab, müsse aber Teil des Selbstverständnisses der Sterbebegleitung werden.

Andere Referenten erzählten von ihren Erfahrungen, gaben Hospizhelfern Arbeits-Tipps: „Wir als Ehrenamtler ermöglichen Mitmenschen die Rast auf dem Weg in ihr ewiges Zuhause. Das bedeutet oft, einfach nur still bei jemandem zu sitzen. Das brauchen viele mehr, als Musik, Gedichte, Bücher“, sagt die Sprachwissenschafts-Professorin Christa Heilmann. Ihr Plädoyer für Ruhe findet unter den rund 300 Teilnehmern Unterstützung: „Pflegeschülern beizubringen, das wichtige, richtige Schweigen auszuhalten, ist schwierig“, sagt Heike Ortmüller.

Der 8. Hessische Palliativtag fällt in die Debatte zum Verbot von Formen der Sterbehilfe (die OP berichtete). „Die Debatte über dieses Thema ist wichtig. Wir müssen aber in erster Linie darum ringen, Menschen, die im Sterben liegen, beim Sterben zu helfen. Und zwar eher nicht durch den Giftbecher, sondern durch Zuwendung, Liebe, eine gute Palliativversorgung die den Sterbeprozess nicht hinauszögert“, sagt Tabitha Oehler.

Indes ist klar: Für sterbenskranke Kinder und Jugendliche wird es in Hessen künftig eine flächendeckende Versorgung geben.

Ziel der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) sei es, für eine bestmögliche Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität der Patienten zu sorgen und die Angehörigen zu Hause zu unterstützen, sagte die Geschäftsführerin des Fachverbandes SAPV, Michaela Hach gegenüber der OP. In Hessen leben laut Fachverband derzeit mehr als 1500 Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene mit schweren unheilbaren Erkrankungen. Etwa 300 von ihnen benötigten eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung, da ihre Überlebenschancen trotz aller medizinischer Versorgung gering seien.

In Mittelhessen ist nun eines von drei Zentren geplant. Dieses soll aller Voraussicht nach in Gießen entstehen.

von Björn Wisker

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