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Hohe Hilfsbereitschaft und viel Verständnis

Flüchtlinge Hohe Hilfsbereitschaft und viel Verständnis

Wer dieser Tage als Flüchtling nach Deutschland kommt, hat eine lange Geschichte hinter sich. Manche Geschichten sind so traurig und „krass“, dass man ins Grübeln kommt, wie jemand so etwas aushalten kann.

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Marburg. Irgendwo im Landkreis. Menschen sitzen in einem Haus an einem Tisch und treffen letzte Vorbereitungen für bald dort einziehende Flüchtlinge. Sie sind vorbereitet, auf Menschen zu treffen, die aus Kriegsgebieten kommen, die Angehörige verloren haben, die Schlimmes sehen und selbst erdulden mussten. Einer, der mit am Tisch sitzt, ist Marian Zachow, der Erste Kreisbeigeordnete.

Zum einen möchte er den Menschen im betreffenden Ort schon jetzt für die große Hilfsbereitschaft danken, zum anderen möchte er um Verständnis bitten, dass nicht nur der Standort des Hauses, sondern gleich der ganze Ort nach außenhin anonym behandelt wird. Nicht, dass es etwas vor der Allgemeinheit zu verbergen gebe, nein, man will den ankommenden Menschen Ruhe bieten, ihnen zunächst einmal eine überschaubare Gruppe an Hilfsbereiten anbieten, die das Vertrauen der Flüchtlinge gewinnen sollen. Eine große Menge an Menschen sei vielleicht kontraproduktiv.

Die Dorfgemeinschaft wurde in einer öffentlichen Bürgerversammlung informiert und hat bereits ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft signalisiert. Warum noch diese Geheimniskrämerei? Es sollen eben auch keine Neugierigen angelockt werden, die nur gaffen wollen, wie wohl Leute aussehen, die Schlimmes durchgemacht haben. Und erst recht sollen dort keine Leute aufkreuzen, die den Flüchtlingen aus was für Gründen auch immer Angst machen könnten.

Keine "Problemfälle"

„Diese Menschen, die hierher kommen, haben Ruhe verdient“, sagt Roland Döhler, Fachbereichsleiter Ordnung und Verkehr beim Landkreis Marburg-Biedenkopf, der auch für den Fachdienst „Ausländer und Migration“ zuständig ist. Keinesfalls ist es so, dass an diesem Ort „Problemfälle“ einziehen, vor denen die Ortsbevölkerung Angst haben muss.

Das Haus, in dem also Zachow und Döhler mit einigen Dorfbewohnern sitzen, ist eines von insgesamt drei Häusern, die der Landkreis als Betreiber und Besitzer für eine adäquate Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellt. Die drei Häuser in unterschiedlichen Orten im Landkreis bieten Platz für mehrere Einzelpersonen oder kleinere Fami­lien. Keinesfalls werde es eine unüberschaubare Belegung geben.

„Wir wollen zeigen, dass auch wir als Landkreis Verantwortung für Flüchtlinge übernehmen wollen, um Menschen in den einzelnen Kommunen auch ein Beispiel geben zu können“, so Zachow. Generell haben er und Döhler festgestellt, dass die Hilfsbereitschaft in den Orten immer sofort sehr hoch war und den Flüchtlingen viel Verständnis entgegengebracht wird - weit mehr als es vor einigen Jahren noch der Fall war, als es in vielen Orten ganze Container-Heime für Asylsuchende gab.

Durch die täglichen und umfassenden Berichterstattungen aus den Krisen- und Kriegsgebieten sind die Menschen hierzulande sensibilisiert, diesen Menschen während ihres Aufenthaltes in Deutschland ein größtmögliches Maß an Sicherheit und Normalität bieten zu wollen, sie nach Möglichkeit in der Gemeinschaft zu integrieren. Eine Helferin aus dem Dorf kann sich sogar sprachlich einbringen, sie lebte lange Zeit in Afrika und kann Suaheli. Sie weiß auch, wie Afrikaner auf die eine oder andere Situation reagieren und was vergebene Hilfsbemühungen sind.

„Milchprodukte sind sie nicht gewöhnt und es kann auch sein, dass sie sich nicht verbal für Hilfe bedanken. In ihrem Kulturraum zeigt man Dankbarkeit eher durch Handlungen, die dem Geber wiederum zugute kommen“, nennt sie Beispiele. Sie bietet sich auch an, zusätzliche Deutschkurse zu geben, je nach Bedarf für Kinder und Erwachsene.

von Götz Schaub

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