Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Hohe Auszeichnung für eine Idealistin

Ehrendoktorwürde für Dr. Birgit Arabin Hohe Auszeichnung für eine Idealistin

Hohe Ehre für Marburger Gynäkologin: Professorin Dr. Birgit Arabin wurde 
 an der renommierten 
Sorbonne in Paris mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Voriger Artikel
Irische Landfahrer bleiben noch bis Samstag
Nächster Artikel
Gewobau will Baulücken schließen

Professorin Birgit Arabin präsentiert inmitten ihrer Sammlung von barocken Engeln die Medaille mit den Konterfeis von Pierre und Marie Curie, die an die Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Sorbonne erinnert.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Der Festakt wurde 
vom Rektor und Kanzler der Sorbonne gemeinsam mit den Präsidenten der geisteswissenschaftlichen Fakultät, Barthélémy Jobert, und der naturwissenschaftlichen Fakultät (die auch den Namen von Marie und Pierre Curie trägt), Jean Chambaz, organisiert.

Erstmals fand die nur alle zwei Jahre stattfindende Verleihung der Ehrendoktorwürden während einer gemeinsamen Veranstaltung einer globalen Gemeinschaft von Geistes- und Naturwissenschaften statt – symbolhaft für die Einstellung auch von Birgit Arabin, die sich selbst nicht nur über ärztliche und wissenschaftliche Tätigkeit definiert, sondern vor allem über ihre Einstellung zur Zusammenarbeit der einzelnen Fachdisziplinen und zur Besinnung auf das, was wichtig ist.

Nicht nur aufs Heilen und das „Wunder entdecken“ komme es an, sondern vor allem darauf, dass sich Wissenschaftler weltweit auf das konzentrieren, was die Welt derzeit am nötigsten hat. „Man könnte mehr tun, wenn man es zusammen tut“, sagt Arabin.

Laudator: zwischen Humanität, Forschung und Lehre

Ausgezeichnet wurden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vier Kontinenten; 
dies entspricht dem Wahlspruch der Sorbonne „Hic et ubique terrarum“ (hier und überall auf der Welt), die danach strebt, Wissenschaftler aus aller Welt an sich zu binden und für ihre 
Botschaften offen zu sein. Zu den Geehrten gehören solch illustre Namen wie Gro Harlem Brundlandt, die frühere Ministerpräsidentin Norwegens.

In seiner Laudatio für Arabin stellte ihr „Mentor“ Professor Serge Uzan heraus, dass außer wissenschaftlichen Verdiensten 
vor allem die Ausgewogenheit zwischen Humanität, Forschung und Lehre und eine unabhängige Grundeinstellung, die weder vor Idealismus noch vor zivilem Ungehorsam zurückschreckt, im Vordergrund des Auswahlverfahrens stand. „Ich lasse mich nicht mani­pulieren von zufälligen Struk­
turen“, sagt Professor Arabin von sich selbst.

Arabin hat in mehreren Ländern Europas gearbeitet und klinische Studien verfasst, die die Gesundheit von Müttern und Kindern entscheidend 
beeinflusst haben: zur Ultraschalldiagnostik, zum maternalen und fetalen Kreislauf mit der Dopplertechnik, zur Frühgeburtsdiagnostik und -prävention, zur Sinnesphysiologie des Fetus, zur Mehrlingsgravidität, zu Aspekten der Geburtsmechanik, der Gesundheitspolitik und Ausbildung, Fragen der Ethik und zur Bedeutung von Schwangerschaftskomplikationen für die spätere Gesundheit von Mutter und Kind.

„Meine Disziplin liegt mir deswegen so am Herzen, weil hier gleich zwei Patienten Hilfe brauchen: die Mutter und das Kind – und man muss von beiden etwas verstehen“, kennzeichnet sie im OP-Gespräch ihre Haltung. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise medizinischer Fragestellungen und interdiziplinäre Herangehensweise sind darin schon angelegt.

„Eine Erfindung meines Vaters“ wird in Witten produziert

„Ich wollte immer eine gute Ärztin sein – ich habe deswegen immer viel gelesen und wenig geglaubt“, sagt sie. Beispiel: Derzeit interessiert sie die Fragestellung, wie sich Musik und Kunst, wie sich Mütter, die während der Schwangerschaft singen, auf die Gesundheit des werdenden Kindes auswirken.

Entscheidend für ihre ärztliche und wissenschaftliche Tätigkeit ist aber die Verbindung zur Praxis. In der von 
ihr gegründeten Clara-Angela-
Foundation, in einer schicken Villa in Berlin-Grunewald gelegen, sollen neue Entwicklungen in der Perinatalmedizin und junge Wissenschaftler und 
Wissenschaftlerinnen in dieser Disziplin gefördert werden.

Und in Witten hat Professor Arabin eine kleine Fabrik aufgebaut, in der spezielle Pessare produziert werden. Sie können bei drohender Frühgeburt eingesetzt werden und den Druck auf den Muttermund mindern. „Eine Erfindung meines Vaters“, sagt Arabin nicht ohne Stolz.

Von ihrer Auszeichnung mit der Ehrendoktorwürde erwartet sich die engagierte Ärztin auch für Marburg etwas: „Es war ein wunderbares Erlebnis, so viele sehr bescheidene Wissenschaftler und Menschen zusammen zu erleben, die sich nicht nur mit Leidenschaft ihrem Fach gewidmet haben, sondern immer einen internationalen Austausch gesucht und nach Kommunikation und Kollaboration gestrebt haben – nicht nur im Sinne ihres Interessen­gebietes, sondern in einem humanen Kontext“, sagt sie. „Dies könnte auch für die Marburger Universität ein Vorbild sein, interdisziplinäre Kommunikation, für die die Stadt aufgrund ihrer kurzen Wege und ihrer Historie geeignet ist, neu zu beleben.“

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr