Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Hoffnungen und Begehrlichkeiten

Parteiprogramme: Bildung Hoffnungen und Begehrlichkeiten

Mit einer schulpolitischen Agenda im Wahlkampf punkten zu wollen, ist nicht einfach - das städtische „BiBaP“-Programm setzt Maßstäbe und engt die Möglichkeiten ein, sich zu positionieren.

Voriger Artikel
Es sah aus wie im Packeis am Nordpol
Nächster Artikel
Vom 3D-Drucker bis zur „Zukunftsagentur“

Blick in einen Klassenraum der Marburger Elisabethschule. Auf dem Lehrplan stand im vergangenen Jahr an dem Tag, an dem das Foto entstand: Schüler lesen die OP.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Hinter dem Kürzel „BiBaP“ steckt das städtische Programm zur Modernisierung und baulichen Erneuerung der Bildungseinrichtungen. 30 Millionen Euro will Marburg in den kommenden Jahren dafür in die Hand nehmen - eine Summe, die an jedem Schulstandort Hoffnungen und Begehrlichkeiten wecken dürfte.

Die SPD sieht sich als Mutter dieses Investitionsprogramms und versucht, dementsprechend mit den in Aussicht gestellten Segnungen von „BiBaP“ in ihrem Wahlprogramm zu punkten.

Die Partei mit den gelben Arbeitshandschuhen auf ihren Wahlplakaten hat da so ihre Zweifel, was die Umsetzung angeht: Die FDP hält es für unverantwortlich, dass „der neue Oberbürgermeister die Investitionen des BibaP-Programms offenbar über seine gesamte Amtszeit strecken will“. Das dauert den Liberalen zu lange, die nicht wollen, dass Lernen in Marburg „in Ruinen“ stattfindet. Da haben sich die Freidemokraten offenbar andere Schulen angeschaut als die CDU, denn die gelangt zu dem Urteil: „Die Marburger Schulen befinden sich grundsätzlich in einem soliden baulichen Zustand.“ Klar, sanieren und modernisieren muss man immer, und so fordern auch die Christdemokraten die „zügige und verbindliche“ Umsetzung des Investitionsprogramms.

Das will auch die Marburger Bürgerliste, die eine „zeitnahe Ausstattung der Schulen mit Ressourcen und die Sanierung“ in ihren schulpolitischen Forderungskatalog aufgenommen hat. Dagegen geht‘s Linken und Grünen primär um die Qualität des Lernens, also mehr um pädagogische Inhalte als die räumliche Hülle. Wenn etwa die Grünen „echte Ganztagsschulen mit rhythmisiertem Alltag“ fordern, zeigt das: Man muss nicht für jeden Wahlkampf das Rad neu erfinden. Dass zur Schulvielfalt auch die Förderung von Schulen in freier Trägerschaft zählt, dürfen grüne Stammwählerinnen und Stammwähler ebenso vom Programm der Partei ihres Vertrauens erwarten wie die Förderung mehrsprachiger Unterrichtsangebote.

Forderung nach mehr Geld

Ob Letzteres in eine ähnliche Richtung geht wie die CDU-Forderung nach einer „ergebnisoffenen Prüfung der Errichtung einer internationalen Schule“, sei dahingestellt. Was wollen die Linken? Erst einmal mehr Geld für die „Finanzierung öffentlicher Bildungseinrichtungen“. Mit ihrer Forderung nach kostenfreien Kitas liegen die Linken ebenso auf einer Linie mit der SPD wie mit dem Ruf nach kostenloser Schülerbeförderung. Die Ausweitung der schulischen Sozialarbeit mit Konzentration auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund wollen die Linken, die Sozialdemokraten formulieren die gleiche Forderung und wollen an diesem Punkt die Landesregierung stärker in die Pflicht nehmen.

Im Einklang mit der CDU fordert die Marburger Bürgerliste eine stärkere Konzentration auf die berufsbildenden Schulen, mehr Inklusion haben sich Sozialdemokraten und Christdemokraten gleichermaßen auf die Fahnen geschrieben. Allein die Akzentsetzung beim Thema Inklusion ist bei der CDU anders, denn sie fordert die „Entscheidungsfreiheit für Schüler mit Handicap, eine spezialisierte Schule besuchen zu können“.

Gesundes Mittagessen ist für MBL und Linke ein wichtiges Thema, den „Ausbau von Laptop- und Tabletklassen“ fordert wiederum die CDU. Die SPD will die „digitale Medienkompetenz“ in Kooperation mit der Stadtbücherei stärken, während die FDP einen zentralen Erwerb von Online-Lizenzen durch die Stadtbildstelle in die Runde wirft: „So kann der Zugang für Lehrkräfte zu modernen Medien für den Unterricht vereinfacht werden, während die Kosten zentralisiert und im Vergleich mit Einzel-Lizenzen niedriger gehalten werden könnten.“ Kosten niedrig halten - das klingt vernünftig, denn für die Umsetzung der konkreten schulpolitischen Forderungen aller Parteien wird jeder Euro gebraucht.

Kaum konkrete schulpolitische Forderungen stellen letztlich die „Bürger für Marburg“, ihr Programm erschöpft sich im Kapitel „Bildung für alle“ in einem Satz: „Ausbau der Bildungsangebote für alle Generationen auf allen Gebieten, wie beispielsweise Sprache, Kreativbereich, Kinder-Uni, Persönlichkeitsentwicklung und allgemeine Bildung.“

von Carsten Beckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr