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Hoffnung im Kampf gegen den Schmerz

Schmerztherapie Hoffnung im Kampf gegen den Schmerz

Für chronische Schmerzpatienten gibt es eine neue Hoffnung: eine stationäre Schmerztherapie am Diakonie-Krankenhaus Wehrda.

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Gruppentherapiesitzungen gehören zu Schmerztherapie in Wehrda. Privatfoto

Marburg. „Multimodale Schmerztherapie“ nennt sich der Weg, dem sich Dr. Winfried Hofmann und Dr. Frank Dittmar verschrieben haben. Niedergelassener Facharzt für Anästhesiologie und Arzt für spezielle Schmerztherapie der eine, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Ärztlicher Direktor am Diakonie-Krankenhaus Wehrda der andere, haben sie ein Konzept entwickelt, mit dem in Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen Schmerzen umfassend behandelt werden sollen.

Die Therapie wird stationär am Diakonie-Krankenhaus angeboten: in Gruppen mit maximal acht Teilnehmern. Für jeden einzelnen Teilnehmer wird, so berichtet Dr. Dittmar (links), ein abgestimmtes Behandlungskonzept entwickelt, in dem körperliche Verfahren wie Nordic Walking oder Physiotherapie ebenso eine Rolle spielen wie psychologische Verfahren wie Verhaltenstherapie oder Entspannungs-Techniken. Einmal pro Woche treffen sich alle an den Therapien beteiligten Ärzte und Therapeuten zu einer Teamsitzung, um über jeden einzelnen Patienten zu sprechen.

„Wir wollen die Erfahrungen, die wir im niedergelassenen Bereich mit der Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen gemacht haben, auf den stationären Bereich übertragen“, sagt Dr. Hofmann, und Dr. Dittmar ergänzt: „Man muss chronischen Schmerz von verschiedenen Seiten behandeln.“ Längst sind Schmerzen, so erläutert Dr. Hofmann, als ein eigenes Krankheitsbild gesellschaftlich anerkannt. Volkswirtschaftlich gesehen verursachen Rückenschmerzen einen Schaden von geschätzt 50 Milliarden Euro pro Jahr, zwei Drittel der Summe entfallen auf Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentungen.

Behandelt werden im Diakoniekrankenhaus vor allem Schmerzen, die aus einer Erkrankung des Bewegungsapparats herrühren. Die Patienten, so weiß Dr. Winfried Hofmann (rechts) aus seiner Schmerzpraxis, sind oft schon bei sieben bis neun Ärzten gewesen und entsprechend verzweifelt. „Wir müssen zunächst erreichen“, sagt er, „dass der Patient den Schmerz beherrscht und nicht der Schmerz den Patienten.“ Nicht jedem Patienten können die Ärzte den Schmerz nehmen. Aber sie wollen dafür sorgen, dass die Patienten anders mit ihrem Schmerz umgehen. „Oft ist es ein Teufelskreis“, sagt Dr. Frank Dittmar: „Der Patient hat Schmerzen, er zieht sich zurück, wird inaktiver, nimmt weniger am gesellschaftlichen Leben teil - nichts ändert sich, oft werden die Schmerzen eher noch schlimmer.“ Diesen Teufelkskreis zu durchbrechen ist eines der Ziele der multimodalen Therapie - und das, davon ist Dr. Dittmar überzeugt, geht am besten mit einem ganzheitlichen Ansatz. „Wir binden uns ein in die vorhandenen Strukturen“, sagt er und meint damit etwa die Psychotherapieambulanz des Fachbereichs Psychologie der Philipps-Universität Marburg, das Zentrum für Osteopathie und Physiotherapie am Hebronberg - aber auch das Wirbelsäulenzentrum Marburg und die Städtischen Bäder, in denen Wassertherapie angeboten wird. Wichtig ist für Dr. Dittmar vor allem aber auch die Zusammenarbeit mit Arbeitsverwaltung und Sozialkassen - schließlich geht es um nichts weniger als darum, der Chronifizierung der Schmerzen entgegenzuwirken und die Patienten dem Arbeitsmarkt zu erhalten, im Notfall auch mit einem anderen, leidensgerechten Arbeitsplatz.

Ziel ist es, die Patienten nach dem stationären Aufenthalt mit einem anderen Herangehen an ihre Krankheit in den Alltag zu entlassen - gegebenenfalls in eine Selbsthilfegruppe oder in ein familiäres Umfeld, das in den Umgang mit dem Schmerz eingebunden ist.

Der Prozess wird poststationär begleitet: Nach 28 Tagen gibt es ein Auffrischungstreffen aller Gruppenteilnehmer, nach 12 Wochen findet ein weiteres Treffen statt, bei dem eventuell neue Schritte festgelegt werden.

An dieser Therapie können Patienten aller Krankenkassen teilnehmen. Insgesamt acht Gruppen sind für das 2013 geplant, im kommenden Jahr wird möglicherweise aufgestockt. „Das Diakonie-Krankenhaus öffnet sich für neue Therapieformen und entwickelt sich zu einem Gesundheitszentrum“, erläutert Dr. Frank Dittmar .

Dr. Frank Dittmar und Dr. Winfried Hofmann sind am Dienstag, den 4. Juni, dem „Internationalen Tag des Schmerzes“ zwischen 15.30 und 16 Uhr (Dr. Dittmar) bzw. 17 und 18.30 Uhr (Dr. Hofmann) telefonisch zu allen Fragen rund um die Schmerztherapie erreichbar: Dr. Frank Dittmar, Telefon 06421/808-677, Dr. Winfried Hoffmann 06421/982772.

von Till Conrad

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