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Hoffnung für 150 Notfallpatienten am Tag

Uniklinikum Hoffnung für 150 Notfallpatienten am Tag

Vor zehn Jahren begann das Zentrum für Notfallmedizin am UKGM, die rettungs- und notfallmedizinische Versorgung der Menschen in der Region mitzugestalten.

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Festredner Professor Dr. Michael Christ (von links), Landrätin Kirsten Fründt, Dr. Gunther K. Weiß (Kaufmännischer Geschäftsführer, des UKGM), Dr. Clemens Kill (Leiter des Zentrums für Notfallmedizin, UKGM), Markus Müller (Geschäftsführer DRK-Rettungsdienst Mittelhessen) und Martin Menger (Vorsitzender der Geschäftsführung, UKGM) feierten mit Gästen das zehnjährige Bestehen des Zentrums für Notfallmedizin.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die Bilanz des Zentrums nach zehn Jahren kann sich sehen lassen: Mehr als 70 Notärzte absolvierten seit 2005 über 50000 Stunden Notfalleinsätze und hielten Rettungsmittel für mehr als 400000 Stunden vor. In der Zentralen Notaufnahme werden mehr als 150 Notfallpatienten am Tag behandelt, dazu kommen pro Jahr 15000 Zuweisungen durch Rettungsdienste. In der zentralen Notfallstation werden jährlich 4000 Patienten behandelt. Und zu guter Letzt: mehr als 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten freiwillig in der 2014 erschaffenen Werkfeuerwehr mit, ein Drittel davon sind Frauen.

Bei der Feierstunde zum 10-jährigen Bestehen des Zentrums sprachen alle Redner denn auch von einer außerordentlich leistungsfähigen Notfallversorgung, die die präklinische und die klinische Notfallversorgung ohne große Reibungsverluste verbindet. So sind die Reanimationszahlen, so Markus Müller, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Mittelhessen, „Weltspitze“.

Am 21. September 2005 begann das Zentrum für Notfallmedizin seine neue Tätigkeit. Das Zentrum für Innere Medizin, die Kliniken für Anästhesie und Intensivtherapie, Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie sowie das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin gründen gemeinsam das neue Zentrum.

Enger Kooperationspartner ist der DRK-Rettungsdienst Mittelhessen, der 2006 erneut von den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen für acht Jahre mit dem Rettungsdienst beauftragt wird. Notärzte aus dem Zentrum für Notfallmedizin besetzen seitdem die Notarzteinsatzfahrzeuge und die Intensivtransportwagen im Kreis.

Als „schnittstellenarme“ und deswegen erfolgreiche Notfallversorgung bezeichnete gestern Professor Dr. Michael Christ, der Chefarzt der Klinik für Notfallmedizin und Internistische Intensivmedizin in Nürnberg, der größten Kliniken für Notfallmedizin in Deutschland, das Marburger Konzept. In seinem Festvortrag schränkte Christ aber ein, dass sich ein Konzept deswegen noch lange nicht durchsetze. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Notfallmedizin sei in Deutschland noch immer keine Selbstverständlichkeit, sagte Christ. Er verglich die Gründung des Zentrums mit der Entdeckung des Seewegs nach Indien durch den Portugiesen Vasco da Gama Ende des 15. Jahrhunderts: Beide Ereignisse seien nur dank vierer Bedingungen möglich gewesen: Mut und Können, ein exzellentes Team, zeitgemäße Ausrüstung und das Vertrauen des Auftraggebers.

Der heißt heute nicht mehr König Manuel I., sondern ist, zumindest für den Rettungsdienst, der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Landrätin Kirsten Fründt wies in ihrem Grußwort besonders auf die Herausforderungen hin, die die Neuordnung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes für die Versorgung der Bevölkerung im Kreis mit sich gebracht habe. „Das haben wir gemeinsam gut gelöst“, sagte Fründt und erinnerte unter anderem an einen gemeinsamen Brief, den der Fachbereich Gesundheit des Landkreises und das Zentrum für Notfallmedizin an die Bevölkerung geschrieben hatten, um auf die Änderungen hinzuweisen. „Regelmäßige Abstimmungsgespräche“ seien damals wie heute, etwa bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen, die Grundvoraussetzung.

Dr. Gunther K. Weiß, der Kaufmännische Geschäftsführer des UKGM am Standort Marburg, benannte die Probleme der Notfallmedizin in Marburg. Er wolle einen „Moll-Ton“ anfügen, sagte Weiß.

Die hohen Zahlen bei der Notfallaufnahme kommen nämlich auch deswegen zustande, weil sich viele Patienten hier hin begeben, die keine notfallmedizinische Behandlung benötigen - auch eine Folge der Umstrukturierungen beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst. „Wir wollen mit unserer Notaufnahme natürlich ein Tor sein für die, die unsere Hilfe brauchen, aber wir bekommen halt auch die Patienten, die beim Facharzt besser aufgehoben wären“, sagte Weiß und mahnte als eine wichtige Aufgabe eine bessere Steuerung an.

von Till Conrad

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