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Höhlen-Feeling in Marburger Kälteoase

OP-Serie: „Kalte Orte“, Teil 2 Höhlen-Feeling in Marburger Kälteoase

In Teil zwei der Sommerserie „Kalte Orte“ stellen wir die ehemaligen Eiskeller der Boppschen Brauerei am Pilgrimstein vor.

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Tief in den Schlossberg führt dieser Stollen, der im 19. Jahrhundert der Boppschen Brauerei als Eiskeller diente.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am Fuße der Oberstadt zwischen dem Oberstadtaufzug und dem früheren Gebäude der „Marburg Tourismus und Marketing GmbH“ befindet sich ein Relikt der ehemaligen Marburger Industriekultur, das jetzt durch die Initiative „Q“ wieder erfahrbar gemacht werden soll. Über das ehemalige Kesselhaus der Brauerei gelangt man in einen der ehemaligen Eiskeller.

Schritt für Schritt begibt man sich dabei in eine geheimnisvolle Welt, eine Art felsiges Höhlenlabyrinth, das auch noch Seitengänge hat. Wie in unterirdischen Höhlen tropft es hier feucht von der Decke, und beim Gang weiter hinein in den Eiskeller wird die Temperatur immer kühler. Konstant liegt die Temperatur in den beiden früheren Eiskellern der ehemaligen Brauerei Bopp bei rund 10 Grad, und so wirkt es auch durch die Feuchtigkeit sehr kühl.

Die „Höhle“ wurde künstlich angelegt und in den Schlossberg hineingetrieben. Wie der Name schon andeutet, dienten die Eiskeller früher der Kühlung durch Eis bei der Produktion von untergärigem Bier.

Das „Café Q“-Team macht die ehemaligen Eiskeller der Boppschen Brauerei wieder begehbar.

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„Das Eis wurde im Winter von den Eisblöcken auf der zugefroren Lahn geschnitten und meist als Brucheis in die Eiskeller eingelagert“, erläutert Jörg Schlimmermann, der Inhaber der „Alten Mensa“, der es sich zusammen mit Mit-Geschäftsführerin Isabel Manthe zur Aufgabe gemacht hat, einen der beiden Eiskeller wieder begehbar zu machen und rundherum mit dem Café Q eine Kultur- und Begegnungsstätte zu schaffen.

Im Auftrag der „Q-Initiative“ hat sich die Archäologin Lydia Blau auf die Spur der Eiskeller-Geschichte begeben und hat bei ihrer ersten Recherche bereits einiges herausgefunden. Bis zu 30 Meter kann man ebenerdig in den Berg hineinlaufen.

Die zwei parallel laufenden Stollen sind zwischen 3 Meter und 3,50 Meter breit und wurden mit teilweise untermauerten drei Meter hohen Rundbögen in den Sandstein Richtung Schlossberg getrieben. „Ein schleusenartig gestalteter Eingang kann angenommen werden“, berichtet die Archäologin. So zeigten Fotos mehrere hintereinander angeordnete Kammern, mit denen der Zufluss wärmerer Luft minimiert werden konnte.

Eiskeller am Denkmaltag öffentlich zugänglich

Noch nicht herausgefunden hat sie, ob die Eiskeller schon vor der Verlegung des Brauereistandortes vom Pilgrimstein 34 an den Pilgrimstein 26 bis 28 durch Carl Bopp im Jahr 1858 angelegt worden waren oder erst danach. Abseits von der Hektik der Marburger Straßen gibt es hier eine besondere Oase der Stille. Und genau dieses Erlebnis soll zumindest in einem der beiden Eiskeller so gut wie möglich erhalten bleiben.

Während es tief im Inneren des Schlossbergs momentan nur wenige Lichtquellen gibt, soll die Höhlen-Atmosphäre des Gewölbekellers demnächst durch Illumination in das rechte Licht gesetzt werden.

Zum ersten Mal öffentlich begehbar sein sollen die unter Denkmalschutz stehenden Eiskeller wieder am „Tag des offenen Denkmals“ am 11. September.

Im Auftrag der beim Bauamt der Stadt angesiedelten Unteren Denkmalschutzbehörde wird zudem von Lydia Blau eine Dokumentation und Präsentation zur bauhistorischen und sozialen Geschichte der Eiskeller entwickelt. Noch bis Anfang September allerdings muss noch einiges an Bauschutt weggeräumt werden, und die Anlage muss so abgesichert werden, dass der Eiskeller gefahrlos besichtigt werden kann.

Danach sollen die Keller dann für die Besucher des „Cafè Q“ jederzeit während der Café-Öffnungszeiten zugänglich sein.

Zudem kann man, voraussichtlich für die Zahlung eines symbolischen Betrags von einem Euro, zwei Stunden am Tag - wahrscheinlich von 14 Uhr bis 16 Uhr - auch ohne Café-Besuch die Eiskeller anschauen.

von Manfred Hitzeroth

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