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Hochhaus-Brand: Probleme bei Spurensuche

Feuer am Richtsberg Hochhaus-Brand: Probleme bei Spurensuche

Die Brandursache im Wohnheim am Richtsberg ist nach wie vor nicht gefunden. Die Polizei will am Freitag die Spurensuche von Donnerstag fortsetzen. Indes lassen Bewohner der Notquartiere über den Marburger Asta Kritik äußern: Die Unterkünftige seien "untragbar".

„Es ist wohl kein Totalschaden“: Der Geschäftsführer des Studentenwerks, Dr. Uwe Grebe begleitet die Ermittlungen zur Ursache des Brands im Keller des Familien-Wohnheims am Richtsberg, wartet auf Resultate der Brandschutz-Gutachter.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Am Donnerstagmittag haben Brandschutz-Gutachter und Schadstoff-Experten sowie Versicherungs-Fachleute das Haus auf Schäden und die Brandursache untersucht. Demnach ist der Brandherd im Keller zwar lokalisiert worden, konkrete Ur-sachen konnten Kriminalpolizei und Landeskriminalamt jedoch nicht finden. „Es sind noch weitere Untersuchungen sichergestellter Gegenstände und von Brandresten erforderlich“, sagt Martin Ahlich, Sprecher der Polizei. Heute geht die Spurensuche im Keller weiter.

Bewohner der Notquartiere haben das studentische Gremium Asta kontaktiert um sich über die Unterbringung zu beschweren: „30 Menschen teilen sich wohl eine Dusche, für zehn Bewohner steht nur eine Toilette zur Verfügung“, sagt Monica Di Sarno während der Sitzung des Uni-Senats. Die Wohnverhältnisse bezeichnen einige aus dem Familien-Wohnheim di Sarno zufolge als „untragbar“, die Betroffenen seien „orientierungslos“, da sie „kaum Informationen über die Ermittlungen und das weitere Vorgehen“ erhielten. Einige Mieter streben laut Asta-Vorstand „eine juristische Beratung“ an.

Niemand muss wochenlang im Zelt wohnen

Die Kritik ruft beim Studentenwerks Unverständnis hervor: „Wir sind heilfroh, dass wir in so einer Ausnahme-Situation zwölf Stunden nach dem Brand alle Betroffenen unterbringen konnten. Zugegeben, nicht 100 Prozent komfortabel, aber es muss auch niemand wochenlang in einem Zelt hausen“, sagt Geschäftsführer Dr. Uwe Grebe. „Auf die Schnelle und aus dem Nichts heraus so viele Personen unterzubringen, ist eine große Leistung“, sagt Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne. Nach diesem „erschreckenden Ereignis“, wie Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause sagt, wolle die Uni aber versuchen, bessere Unterkünfte zu organisieren, falls eine Rückkehr in das Wohnheim länger dauert.

Das Studentenwerk versichert gegenüber der OP, dass es in allen Unterkünften Toiletten, Duschen und Küchen gebe. In die Ex-Kindertagesstätte der Universität in der Deutsch-hausstraße seien gestern für die Bewohner zudem Schränke aufgestellt worden, um persönliche Gegenstände zu lagern. 200 der 280 Bewohner leben derzeit in den verschiedenen Notquartieren - vor allem im Altenzentrum in der Sudetenstraße. Das ehemalige Arbeitsgericht wird laut Franziska Busch, Sprecherin des Studentenwerks, hingegen nicht als Unterkunft benötigt.

Indes arbeiten Studentenwerk und die Behörden an einem Umzug in Ersatz-Wohnungen. Das Uni-Klinikum signalisiert Grebe zufolge bereits, freie Mitarbeiter-Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Auch die Gewobau sucht nach Apartments, die leerstehen und gerade nicht saniert werden, teilt das städtische Unternehmen auf OP-Anfrage mit. „Priorität genießen dabei die Familien mit kleinen Kindern“, sagt Busch.

Angst vor Plünderung der unbewohnten Wohnungen

Wann die Mieter in ihre Wohnungen zurückkehren können, ist weiter unklar. Zuletzt war von rund zwei Monaten die Rede. Jedoch hält das Studentenwerk eine Reparatur des Hauses, und somit einen Wiedereinzug der Mieter für möglich. „Das Haus hat wohl zumindest keinen Totalschaden erlitten. Die Statik ist intakt, die Schadstoff-Belastung und der Zustand der Leitungen sind jetzt die kritischen Punkte“, sagt Grebe. Die Versicherung werde wohl den Großteil der noch unbekannten Schadenssumme tragen. Man wolle das Wohnheim „baulich verbessern“, also über die Versicherungssumme hinaus Geld investieren.

In der nächsten Woche können Bewohner wohl nochmals in die Wohnungen, um weiteres Eigentum mitzunehmen. Eine Sorge der Bewohner: Einbrecher könnten den Leerstand ausnutzen, etwa in die Erdgeschoss-Wohnungen eindringen und einen Beutezug durch das elfstöckige Gebäude starten. Während am Dienstag und Mittwoch die Polizei das Haus bewachte, hat das Studentenwerk jedenfalls viele Schlösser ausgetauscht. Auch der Hausmeister soll verstärkt auf die Sicherheit des Wohnheims achten.

Die Versorgung der Notquartier-Bewohner wird indes noch bis Montag von freiwilligen Helfern des Deutschen Roten Kreuz (DRK) sichergestellt. Die Helfer kochen und liefern Essen für die Familien. „Niemand soll sich Sorgen um eine warme Mahlzeit machen müssen“ sagt Stefan Sturm vom DRK.

von Björn Wisker und Ina Tannert

Offener Brief an die Helfer

Der Geschäftsführer des Marburger Studentenwerks, Dr. Uwe Grebe, wendet sich in einem offenen Brief an die Helfer aus Marburg und den Nachbarstädten:
„Der Brand hat zu einem der größten Rettungseinsätze geführt, der jemals in der Stadt Marburg und im Landkreis Marburg-Biedenkopf nötig war. Immerhin bewohnen 280 Menschen das Studentenwohnheim Am Richtsberg, darunter viele Familien mit Kindern, die es zu retten galt. Es ist mir ein besonderes Bedürfnis allen Einsatzkräften zu danken, denn durch Ihr Eingreifen wurde letztlich eine größere Katastrophe verhindert.

Alle Feuerwehren und Rettungsdienste haben mit einem solchen Engagement, einer Professionalität und einer Präzision gearbeitet, dass man nur den Hut ziehen kann. Vielen herzlichen Dank! Ebenso ist es besonders bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit Rettungskräfte, Polizei, Stadt, Landkreis, unterschiedliche Behörden, Stadtwerke, Philipps-Universität und auch das Studentenwerk zusammengearbeitet haben, um den betroffenen Bewohnern zu helfen.

Es erfüllt mich mit großer Freude und auch ein wenig Stolz zu sehen, wie wir als Gemeinschaft in einer solchen Situation – nur auf die eigentliche Sache konzentriert – zusammen stehen. Auch hierfür ein ganz großes Dankeschön. Den verletzten Personen möchte ich rasche Genesung wünschen und mich bei allen betroffenen Bewohnern bedanken für Ihre Umsicht, Ihre Ruhe und Ihr Verständnis. Hiermit haben Sie großen Anteil daran, dass die Evakuierung reibungslos vonstatten gehen konnte und auch die Unterbringung in geregelten Bahnen verlief. Wir werden alles daran setzen, Ihre aktuellen Wohn- und Lebensverhältnisse so gut wie möglich zu gestalten und mit allen Kräften daran arbeiten, die Bewohnbarkeit Ihrer Wohnungen so schnell wie möglich wieder herzustellen. Vielen Dank!“

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