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Hochhaus-Bewohner geraten in Polizei-Fokus

Nach Brand am Richtsberg Hochhaus-Bewohner geraten in Polizei-Fokus

Die Ermittler beginnt mit den Zeugenvernehmungen zur möglichen Brandstiftung im Keller des Studentenwohnheims am Richtsberg. Einen Nazi-Hintergrund wollen die Behörden noch nicht ausschließen.

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Der Brand des Studentenwohnheims am Richtsberg in der vergangenen Woche gilt als einer der größten Rettungseinsätze in Marburgs Geschichte. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD): „Wir sind knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt“.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. In dem Hochhaus, in dem vor allem junge Familien mit Kindern leben, stammen etwa 75 Prozent der Mieter aus dem Ausland. Die Polizei will daher auch in der rechten Szene nachforschen. „Grundsätzlich klammern wir das nicht aus. Wir ermitteln in diese, wie auch alle anderen Richtungen“, sagt Martin Ahlich, Sprecher der Marburger Polizei auf OP-Anfrage. Jedoch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt für einen gezielten Anschlag, für eine politisch motivierte Tat „noch keine Hinweise“.

Nach OP-Informationen rücken vor allem die Bewohner des Studentenwohnheims in den Fokus der Ermittlungen. Auch, weil der Keller nur mit einem Schlüssel betreten werden kann und die Ermittler nach Polizeiangaben keine Brandbeschleuniger entdeckt haben. „Denkbar ist, dass jemand brennbare Gegenstände angezündet hat. Absichtlich oder achtlos“, sagt Ahlich. Gerüchte, wonach in dem Keller vor Ausbruch des Brands am Dienstag, 24. Juni um 4 Uhr eine Studenten-Party gefeiert worden sein soll, kann er nicht bestätigen. „Das ist nur Spekulation.“

Verbesserung der Notquartiere

Die Kriminalpolizei hat einen Fahrplan aufgestellt, mit welchen der 280 Hausbewohner aus welchen Stockwerken zuerst gesprochen wird. Die Zeugen-befragungen gestalten sich wegen Sprachproblemen noch schwierig. Seit Dienstagmittag arbeiten Handwerker daran, die Strom- und Wasserversorgung im Studentenwohnheim wiederherzustellen. Parallel dazu haben Brandsanierer die Arbeit im Haus begonnen, zunächst werden die Treppenhäuser gereinigt. Wie Studentenwerk-Geschäftsführer Dr. Uwe Grebe sagte, strebe man als Vermieter nach dem Brand eine intensive Sanierung des Wohnheims, das 1973 gebaut wurde, an.

Unterdessen setzt das Studentenwerk auch die Verbesserung der Notquartiere fort. Unterstützung bei der Ausstattung der Unterkünfte erhielten die Marburger gestern vom Studentenwerk Gießen. Deren Mitarbeiter brachten Möbel und halfen beim Aufbau dieser in der ehemaligen Universitäts-Kindertagesstätte in der Deutschhausstraße. Viele hegen die Hoffnung, zügig wieder in eine eigene Wohnung einziehen zu können: Zum Semesterende in rund zwei Wochen sollen nach OP-Informationen einige Mietverträge in anderen Studentenwohnheimen auslaufen, Opfer des Richtsberg-Brands dort einziehen.

Rettungskräfte und Politiker werten indes den größten Rettungseinsatz in Marburgs jüngerer Geschichte aus. „Wir sind knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).

von Björn Wisker

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