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Hochbeete oder das Ende des Bückens

Saisongarten Hochbeete oder das Ende des Bückens

Sie bereiten den Rückenschmerzen des Gärtners ein Ende und steigern den Ertrag: Warum gab es Hochbeete nicht schon immer?

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Der klassische Aufbau eines Hochbeets: Grobes Material wie Äste bilden die Basis, nach oben hin wird es feiner und ganz oben bildet reifer Kompost die Pflanzfläche.Foto: Rademacher

Marburg. Kaum eine Erfindung hat das Gärtnern nach dem Zweiten Weltkrieg so stark verändert wie das Hochbeet. Es birgt so viele Vorteile, dass es Zweifel an der Intelligenz der Gartenfreunde aufkommen lässt, weil es erst in den vergangenen Jahren flächendeckend Einzug in die heimischen Gemüsebeete gehalten hat. Ignorieren wir lieber das „Warum erst jetzt?“ und freuen uns an der Möglichkeit, die Möhren endlich im Stehen aus der Erde zu ziehen.

Was ist überhaupt ein Hochbeet? Im Grunde nicht mehr als ein großer Kasten, in aller Regel aus Holz, aber auch aus Kunststoff, Aluminium oder in gemauerter Form. Die meisten Hochbeete sind rund 80 bis 90 Zentimeter hoch und nicht breiter als 150 Zentimeter. Das gewährleistet, dass man in Hüfthöhe arbeiten und ohne Probleme von beiden Seiten bis zur Mitte des Beetes greifen kann.

„Inhaltlich“ sind die Hochbeete eine Weiterentwicklung oder Variation der so genannten Hügelbeete. Beide Formen schaffen dem Gemüse, das in oder auf sie gepflanzt wird, einen sehr nährstoffhaltigen Untergrund aus einer dicken Kompostschicht. Sie ist dafür verantwortlich, dass nahezu alle Pflanzen eine Nummer größer ausfallen. Was für die große Party am Wochenende ein Segen, für die Kleinfamilie unter der Woche aber auch zum Fluch werden kann. An dem 1,4 Kilogramm schweren Endiviensalat hat meine Familie im Sommer 2013 fast eine Woche gegessen - ich mag Endivien, aber zu viel ist zu viel!

Die Verrottung im Inneren sorgt für frühere Ernten

Mit etwas früherer Ernte hätte sich auch dieses Luxusproblem lösen lassen. Die frühere Ernte gehört im Übrigen zu den weiteren Vorzügen des Hochbeets. Das liegt an seiner Befüllung, die vom Groben zum Feinen und vom Rohen zum Reifen ansteigt. Die Basis bilden Äste, Zweige, Grassoden und andere grobe und unverrottete Pflanzenreste. Die zweite und dickste Schicht sollte aus feineren Pflanzenresten oder sehr unreifem Kompost bestehen, der sich noch im Rotteprozess befindet. Die oberste Lage besteht aus reifem Kompost oder „guter“ Gartenerde. Weil die Basis in den nächsten Jahren noch verrottet und die Mitte auch noch eine Weile damit beschäftigt ist, entsteht am Boden des Hochbeets Wärme, die weiter oben den Wurzeln des Gemüses gleichfalls warme Füße beschert. Das verschafft vor allem im teilweise noch kühlen Frühjahr dem Gemüse einen Vorsprung.

Der Haken dieses Unterbaus zeigt sich vor allem in den ersten Jahren. War das Hochbeet Ende März nach dem Befüllen noch randvoll, fehlen vier Wochen später mit einem Male zehn Zentimeter. Der Inhalt wird sich bis zum Herbst noch weiter setzen, so dass bis zum kommenden Frühjahr aufgefüllt werden muss.

Das geschieht am besten in zwei Abschnitten: Zunächst räumt man die obersten 20 Zentimeter der einen Hälfte auf die andere Seite und füttert das entstandene Loch mit einer Mischung aus im Herbst anfallendem Laub und unreifem Kompost auf. Anschließend wird die feine Deckschicht wieder darüber geschoben und mit der zweiten Hälfte in gleicher Weise verfahren. Das geschieht am besten im Frühjahr, denn auch im zweiten Jahr setzt sich der Inhalt wieder, nur nicht ganz so stark.

Bepflanzt wird das Hochbeet klassischerweise mit Gemüse. Wegen der zu erwartenden XXL-Größen muss dabei entsprechend etwas mehr Platz für die Zwischenräume eingeplant werden. Kürbis und Zucchini lieben zwar die Hochbeete, werden dort aber eindeutig zu groß. Wer dies trotzdem machen will, kann den Kürbis an den Rand pflanzen und die sich bildenden Ranken vom Beet herunter leiten.

Hasendraht am Boden sperrt die Wühlmäuse aus

Gegen Wühlmäuse hilft ein am Boden ausgelegter Hasendraht, der am Innenrand befestigt werden sollte. Für Schnecken ist der Weg zum Gemüse zwar etwas weiter, sie nehmen die Mühe aber auf sich, weshalb ein Schneckenzaun oder ein breiter Kupferstreifen hilfreich sein können.

Hochbeete gibt es inzwischen in vielen Gartenmärkten oder über das Internet zu kaufen. Mit ein wenig handwerklichem Geschick lässt sich ein Hochbeet auch selbst bauen.

Als Baumaterial kommen dann nur Holz und Steine infrage. Wer sich für ein Hochbeet aus Holz entscheidet, muss allerdings einige Dinge beachten. Zum Ersten muss das Holz auf der Innenseite vor dem direkten Kontakt mit der Erde geschützt werden, wenn das Beet länger als ein paar Jahre halten soll. Das gilt auch für die Eckpfosten, die am besten auf metallenen Bodenhülsen sitzen, dann verrotten auch sie nicht so schnell. Für den Schutz der Innenwände kann man beispielsweise Teichfolie verwenden. Beim Befüllen muss dann darauf geachtet werden, dass die Folie intakt bleibt.

Zum Zweiten sollten die Abmessungen des Hochbeets nicht zu groß gewählt werden. Im Laufe der Jahre wird der Inhalt durch das regelmäßige Nachfüllen immer schwerer und erhöht den Druck auf die Seitenwände. Zwei fest miteinander verbundene Mittelpfosten können hier für Entlastung sorgen.

Die Alternative ist ein gemauertes Hochbeet, das per se sehr viel haltbarer ist und auch dem zunehmenden Druck besser Stand hält. Allerdings dauert der Bau ein wenig länger.

Wer sich ein solches Hochbeet im Spätsommer baut, kann es vom Herbst und über den Winter auch als „Ersatz“ für den Komposthaufen nutzen und im Frühjahr dann komplett befüllen.

von Frank Rademacher

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