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Historische Traumatisierung Ursache für Religionsstreit

Historische Traumatisierung Ursache für Religionsstreit

Professor Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, hielt einen Vortrag in der Alten Aula.

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Heiner Bielefeldt redete in der Alten Aula. Foto: Lagerwerf

Marburg. Professor Heiner Bielefeldt hielt in der Alten Aula in Marburg anlässlich der Jahresfeier des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse an der Philipps-Universität Marburg die „5. Marburger Vorlesung zum Völkerstrafrecht“.

Der Professor des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik am politikwissenschaftlichen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg und Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen beleuchtete in seiner Vorlesung die Ursachen und Auswirkungen religionsbezogener Konflikte vor etwa 500 Studenten. Bielefeldt begann seinen Vortrag anhand von drei Beispielen für religiös motivierte Ausgrenzung und Hass.

So würden in Eritrea Mitglieder der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas ausgegrenzt, in Moldawien könnten teilweise protestantische Menschen in ihren Dörfern wegen der Störung und Respektlosigkeit durch Menschen anderer Religionsgemeinschaften keine Beerdigungen durchführen. In Pakistan ginge der Hass sogar soweit, dass Menschen der christlichen Minderheit Zugänge zu lebensrettenden Schutzräumen vor dem sintflutartigen Hochwasser verwehrt wurden, nicht von Behörden, sondern von den Mitmenschen.

Es sei jedoch zu simpel, zu denken und zu propagieren, es gäbe eine Täter- oder Opferreligion, so der Professor. Es gäbe Realitäten, wo sich dieses Bild zeige, aber in allen Religionen - vom Christentum über den Islam bis zum Buddhismus - gäbe es religionsbezogene Menschenrechtsverletzungen in ganz unterschiedlichen Konstellationen.

„Wie kann das passieren? Wie kann dieser Hass entstehen?“, diesen Fragen ging Heiner Bielefeldt in seiner Vorlesung nach.

Für ganz wesentlich hielt er historische Traumatisierungen, fehlendes Vertrauen in öffentliche Institutionen, religiöse Parteilichkeit staatlicher Macht und Hass-Projektionen, oft aus der Verbindung von Paranoia und Verachtung. Angst und Verachtung seien oft Quellen des Hasses, der häufig kleine Gruppen betreffe.

von Anja Lagerwerf

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