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Historiker arbeiten Uni-Geschichte auf

500-Jahr-Feier der Philipps-Universität Historiker arbeiten Uni-Geschichte auf

500 Jahre Philipps-Universität: Zwar steht dieses "große" Uni-Jubiläum erst in 14 Jahren an, aber im Hintergrund laufen bereits die Vorbereitungen für die Darstellung der Universitätsgeschichte.

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Bereits zwei Jahre nach der Gründung der Universität Marburg empfing Hochschulgründer Philipp, der Großmütige, im Jahr 1529 Reformatoren zum Marburger Religionsgespräch – das Thema des Wandbildes von Peter Janssen in der Alten Aula. Archivfoto

Marburg. Im Jahr 2027 feiert die Marburger Universität einen „runden Geburtstag“ der besonderen Art: Das 500-jährige Bestehen bietet in 14 Jahren einen besonderen Anlass der Rückschau auf fünf Jahrhunderte Universitätsgeschichte. Und dafür werden bereits vor allem von Historikern der Marburger Universität konzeptionelle Vorbereitungen getroffen.

„Wir planen in Bezug auf das Jubiläum noch keine konkreten Veranstaltungen oder Publikationen. Aber wir sind dabei, systematisch die Geschichte der Hochschule aufzuarbeiten“, berichtet der Historiker Professor Eckart Conze vom Arbeitskreis für Marburger Universitätsgeschichte.

Zusammen mit Kollegen aus dem Fachbereich Geschichte und allen anderen Fachbereichen sowie Vertretern des Uni-Präsidiums, des Uni-Archivs und der Uni-Bibliothek trifft er sich regelmäßig mindestens einmal im Jahr, um über die erzielten Fortschritte bei der Aufarbeitung der Uni-Geschichte zu reden.

Aus Sicht Conzes sind einige Zeitperioden in der Entwicklung der 1527 von Philipp, dem Großmütigen, gegründeten Universität deutlich besser erforscht, bei anderen hingegen betrete man noch nahezu historisches Neuland. „Wir sind prinzipiell sehr gut informiert über die Geschichte der Gesamt-Universität“, meint Conze. Besonders gut erforscht seien beispielsweise die Gründungsphase der Hochschule sowie die Zeit zwischen dem Beginn der preußischen Uni-Verwaltung ab 1866 bis in die Weimarer Zeit (bis 1933). Auch für die Zeit des Nationalsozialismus läge bereits eine Anzahl von Spezialstudien vor.

Besonders schlecht erforscht sei die Marburger Uni-Geschichte aber für die Zeit zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Und auch für das 20. Jahrhundert gibt es in Sachen Unigeschichtsschreibung laut Conze bis auf die 68er Zeit noch einiges nachzuholen.

Das gelte beispielsweise für die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 und die damit verbundenen Kapitel der Zeitgeschichte wie Entnazifizierung, den Wiederaufbau und die Rolle der Amerikaner beim Aufbau der Universitätsstrukturen. Auch die Entwicklung der Hochschule zu einer Massen-Universität ab den 70er Jahren sei für den Standort Marburg vergleichsweise noch schlecht erforscht.

Das letzte umfassende Buch, das die Marburger Universitätsgeschichte zusammenfasst, stammt aus dem Jahr 1927 und wurde anlässlich der 400-Jahr-Feier publiziert.

Ist die Darstellung der Geschichte einer gesamten Universität überhaupt noch zeitgemäß? Sollte 100 Jahre später erneut eine „Universitätsgeschichte“ erscheinen?

Professor Conze ist der Idee prinzipiell nicht abgeneigt. Jedoch betonte er im Gespräch mit der OP, dass dann fachlich völlig neue Schwerpunkte gesetzt werden müssten. Mit seinen Überlegungen geht er von einer Tagung zur Universitätsgeschichte in Marburg aus, bei der auch Beispiele aus anderen Universitäts-Standorten vorgestellt wurden.

So könne eines der neuen Themen eine Aufarbeitung des Themas „Finanzierung der Universität“ von der Gründung bis heute sein. Als anderes Beispiel eines neuen „Struktur-Themas“ nennt Conze die Frage, wie sich die Zusammensetzung der Studierendenschaft und der Professorenschaft über die Jahrhunderte wandelt.

Zu diesen und weiteren Themenfeldern sollen in den kommenden Jahren vermehrt Master- und Doktorarbeiten verfasst werden, betonte Conze. Diese könnten perspektivisch die Basis für eine zusammenfassende Marburger Universitätsgeschichte darstellen.

Ob ein solches Werk zur 500-Jahr-Feier im Jahr 2027 auch wirklich als Monographie erscheint, darüber wurde vom Uni-Präsidium noch nicht entschieden. Wenn es aber den Plan für ein solches Buch gäbe, dann sollte es nach Ansicht Conzes eine „wissenschaftlich serlöse Arbeit“ werden, die am Beispiel der Marburger Uni auch die allgemeine Entwicklung der Universitäten thematisiert.

Ein Uni-Jubiläum sieht der Historiker auch heutzutage als eine gute Gelegenheit an, die Hochschule nach außen darzustellen.

„Die Tradition und Geschichte der Marburger Universität ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann“, meint Conze. Jedoch warnt der Historiker davor, solch ein Fest als Anlass zur Selbstbeweihräucherung zu begreifen.

von Manfred Hitzeroth

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