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Hilfswelle rollt auf Bogenschützen zu

Diebstahl Hilfswelle rollt auf Bogenschützen zu

Das Aus ist abgewendet: Die Bogenschützen des SV Moischt können ihren Sport wieder ausüben. Nachdem das Vereinsheim ausgeraubt und viele Bögen geklaut wurden, helfen viele Spender - vor allem den Kindern.

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Volltreffer von Sabine Schott (54): Mit Sascha Pawliki (r.), Michael Greif, Gerd Weiershäuser, Jürgen Schott (r. kniend), Marcus Weber (l. kniend), Stephan Handstein und Wolfgang Rink spendet sie Tausende Euro für die Bogenschützen. 

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Fassungslosigkeit ist ein Gefühl, das Achim Klinger kennt. Der 43-Jährige hat die Emotion so intensiv gespürt, wie kaum jemand in und um Marburg in den vergangenen Wochen. Bis jetzt litt der Vorsitzende des SV Moischt unter dem Schaden, den Diebe ihm und seinem Verein zufügten. Moderne Sportbögen im Wert von etwa 3000 Euro stahlen sie vor einigen Wochen aus dem Vereinsheim nahe des Waldgebiets in Schröck (die OP berichtete).

Ein Schock für die Jugendabteilung, die rund zwei Dutzend Jungen und Mädchen, die seit eineinhalb Jahren in den Verein strömen. Ihnen, ihrem Training, drohte nach dem Diebstahl der zehn Bögen das Aus. Die Angst des Vereins: Kann auf der Anlage nicht mehr geübt werden, suchen sich die Kinder und Jugendlichen ein neues Hobby. Dass es anders kommt, lässt Klinger erneut fassungslos werden - diesmal vor Freude.

Denn der OP-Bericht zu dem Bogendiebstahl löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Binnen Stunden meldeten sich viele Spender bei Klinger, die fragten, was sie für den Verein tun können, was es bedarf, damit der Verein mit den Kindern weiterarbeiten kann. „Als ich von dem Diebstahl in der OP las, tat es mir in der Seele weh und ich bekam Gänsehaut vor Empörung“, sagt Sabine Schott (54). Prompt trommelte sie Freunde, Bekannte und Kollegen zusammen, um Geld für neue Bögen zu sammeln. Die Hilfsbereitschaft musste sie kaum einfordern, nach wenigen Telefonaten hatte sie Geld für sieben neue Sportgeräte zusammen. Vor allem Geschäftsleute aus dem Lahntal sagten umgehend zu. „Wir alle haben Kinder, viele treiben selbst Sport - es wäre ein Skandal, dann nicht zu helfen“, sagt Schott. Je etwa 250 Euro brachten die Spender auf. „Wir sind Eltern, Nachbarn, die ein Zeichen des Zusammenhalts setzen wollen“, sagt Sabine Schotts Ehemann Jürgen (59), Inhaber einer Werbetechnikfirma. Gehe es um das Wohl von Kindern, entwickelte die Familie „eine Terriermentalität, wir lassen nicht los“, sagt Schott.

Neben kleinen Familienbetrieben wie Holzbau Greif, Metallbau Rink, Massivhaus Weber und Elotec, rüttelte der Vorfall auch die Sparda-Bank auf. 3000 Euro überweist sie den Moischtern für neue Bögen und die Sicherung des Vereinsheims gegen Einbrecher. „Das Jugendtraining dieser besonderen Sportart stand auf dem Spiel, das konnten wir nicht zulassen“, sagte Stephan Handstein (34), Banker aus Marburg. Selten seien im Konzern Hilfsgelder aus dem Gewinnsparverein so schnell bewilligt worden wie nun für die Bogenschützen. Je einen Bogen schenken auch Apotheker Heinz Wiegand und Versicherungsvertreter Sascha Pawliki dem Verein. „Ich war erstaunt und baff, als die Hilfsangebote kamen“, sagt Klinger. Selbst dann habe er bestenfalls auf ein, zwei Ersatzbögen gehofft. Binnen Stunden wurden es fünf, sechs, am Ende sieben neue. Auch in Moischt bieten Anwohner den Vereinsmitgliedern Bögen an, die sie selbst seit Jahren nicht mehr nutzen.

Jubelstimmung herrscht vor allem bei den Kindern. Paul Kehrein (12) und Paul Brauer (12) schossen mit ihren neuen Bögen die Pfeile reihenweise auf die Zielscheibe. Von den gestohlenen Bögen fehlt indes noch jede Spur. Die Polizei tappt im Dunkeln und auch im Internet, etwa bei Ebay, und bei anderen hessischen Vereinen seien sie noch nicht aufgetaucht oder angeboten worden, sagt Klinger. Die Moischter planen nun, ihr Vereinsheim sicherer zu machen. Sie denken über massive Stahlschränke in und eine Überwachungs-kamera am Gebäude nach.

von Björn Wisker

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