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Hilfe für zappelige Vorschulkinder

ADHS-Studie Hilfe für zappelige Vorschulkinder

Ob bei frühzeitiger Intervention verhindert werden kann, dass ADHS bei Kindern zu einem schwerwiegenden Problem wird, untersucht eine Studie mit Marburger Beteiligung.

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Professorin Katja Becker (von links) sowie die Psychologinnen Linda Weber und Katja John sind an der Marburger ADHS-Studie für Vorschulkinder beteiligt.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Sie zeigen plan- und rastlose Aktivität, unterbrechen andere Kinder beim Spielen oder stören generell in der Gruppe. Schnelle, häufige und unvorhersagbare Handlungswechsel und eine geringe Ausdauer bei Einzel- und Gruppenspielen: Das sind weitere Eigenschaften, die bei Kindern im Vorschulalter typische Kennzeichen für eine Aufmerksamkeitsdefizit(-Hyperaktivitäts)-Störung (ADHS) darstellen. Besonders die Vorschulkinder aus der Altersgruppe zwischen drei und fünf Jahren stehen im Fokus eines Teams unter Leitung von Professorin Katja Becker, der Leiterin der Marburger Uni-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für die Studie in Marburg werden speziell Kinder gesucht, die vermutlich an ADHS leiden.

Das klassische Beispiel für ein Kind mit ADHS-Störung ist der Zappelphilipp, dem Kinderarzt Heinrich Hoffmann um 1845 in dem reich illustrierten Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ ein Denkmal setzte. Der Junge, der so lange an dem Esstisch wippte und ruckelte, bis zusammen mit ihm die Tischdecke mit dem Suppentopf und den Tellern herunterfiel, stellte den Idealtyp des unaufmerksamen, zappeligen und trotzigen Kindes dar.

Auch wenn ADHS noch bei Kindern im höheren Alter und auch bei Jugendlichen ein großes Problem sein kann, wird doch im Kindergarten- und Vorschulalter bereits die Grundlage für späteres Verhalten gelegt. Und so ist die in eine Gesamtstudie über mehrere Altersstufen eingebettete Marburger „Esca-preschool“-Studie auch von besonderer Bedeutung aus Sicht des Präventionsgedankens.

Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind vielleicht an ADHS leiden könnte? Da verweist Katja Becker darauf, dass man das besonders im Vergleich mit dem Verhalten anderer Kinder beobachten kann. Das gelte sowohl für das Verhalten gegenüber Geschwistern oder für das Verhalten in einer Gruppe im Kindergarten, wo Erzieherinnen meistens den Blick dafür hätten, wann ein wildes Gruppenverhalten über das normale Maß hinaus gehe. An der Marburger Studie sind unter anderem auch die Diplom-Psychologinnen Katja John und Linda Weber beteiligt. Sie suchen für ihre Studie insgesamt 40 Kinder. Das Besondere daran: Es können den betroffenen Familien aktuelle Behandlungsangebote gemacht werden, die die Krankenkassen derzeit so noch nicht anbieten.Damit sei auch eine schnellere Abklärung und Behandlung als in der Routineversorgung möglich, erklärt Becker.

Telefontraining ander Uni Köln entwickelt

Die Familien von Vorschulkindern mit ADHS sollen zunächst mit einem Telefontraining und bei schwereren Fällen auch mit einem weiteren persönlichen Training dabei unterstützt werden, besser mit den Aufmerksamkeitsproblemen ihrer Kinder umzugehen. Damit die Behandlung noch besser funktioniert, sollen auch die Erzieherinnen der Kinder in das Behandlungskonzept mit einbezogen werden.

Das Telefontraining wurde von ADHS-Experten von der Universität Köln entwickelt. Dabei sollen wissenschaftlich fundierte und individuell zugeschnittene Tipps zum Umgang mit dem betroffenen Kind gegeben werden. Zudem erhalten die Eltern parallel Ratgeberhefte mit Tipps zur praktischen Bewältigung des schwierigen Alltags. Wenn sich nach drei Monaten die zu bewältigenden Probleme als schwieriger erweisen, dann kann noch eine intensivere Phase erfolgen, bei der es 20 wöchentliche Termine in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Ortenberg gibt, in denen weitere bereits in Köln erprobte Therapie-Konzepte angeboten und erarbeitet werden. „Hier kann noch konkreter ein effektiverer Umgang mit den Schwierigkeiten geübt werden“, erläutert Becker. ADHS ist eine der häufigsten psychiatrischen Störungen bei Kindern, erklärt die Professorin weiter. Sie geht einher mit erheblichen psychosozialen Beeinträchtigungen und kann bei Patienten auch im Erwachsenenalter noch Probleme verursachen. Die vom Bundesforschungsministerium geförderte Gesamtstudie wird von Professor Manfred Döpfner (Uni Köln) geleitet. Insgesamt haben sich dafür zehn deutsche Uni-Kliniken zusammengeschlossen. Weitere Teilstudien richten sich auch in Marburg an Kinder zwischen sechs und 11 Jahren sowie an Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren.

Information und Anmeldung: Katja John, Telefonnummer 06421/5863118; oder Mail: esca@med.uni-marburg.de

von Manfred Hitzeroth

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