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Hilfe für Senioren mit Sehbehinderung

„Tag der Menschen mit Sehbehinderung 2016“ Hilfe für Senioren mit Sehbehinderung

Eva Klaucke konnte von heute auf morgen nicht mehr die Zeitung lesen oder die Leute auf 
der Straße erkennen. 
„Ich wusste nicht mehr, wie es weitergeht“, ­erzählt die 80-Jährige.

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Linda Hirsch (von links), Eva Klaucke, Dr. Thomas Spies, Kirsten Fründt, Reinhard Balzer, Jürgen Nage, Ingrid Balzer, Claus Duncker, Bernd Wilhelm und Bernd Höhmann vor dem „SEHmobil“.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Hilfe fand Eva Klaucke im kostenlosen Beratungsangebot „Rat und Hilfe bei Sehverlust im Alter“ der Blindenstudienanstalt (Blista). Zum „Tag der Menschen mit Sehbehinderung 2016“ diskutierten Vertreter der Blista mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Landrätin Kirsten Fründt (beide SPD) über das Thema Seniorenarbeit. Für das mobile Beratungsangebot gibt es bisher keine öffentliche Finanzierung. Allein im Landkreis Marburg-Biedenkopf sollen nach Angaben der Blista 2400 Senioren blind oder sehbehindert sein.

Das Projekt, das es seit 2012 gibt, wurde anfangs von der Fernsehlotterie gefördert. Seit Sommer 2013 wird es von der Blista aus eigenen Mitteln sowie Spenden finanziert. Direktor Claus Duncker sagte, die Finanzierung eines Regelangebotes sei wünschenswert. Fründt betonte, gerade in einer älter werdenden Gesellschaft bestehe der Bedarf. Daher sei die Aufnahme der Seniorenarbeit in die Regelleistung zu diskutieren.

Anwesend waren auch Ingrid und Reinhard Balzer, die für das Projekt „Rat und Hilfe bei Sehverlust im Alter“ eine Spende von 10.000 Euro übergaben. „Ich hatte vor einigen Jahren selbst große Augenprobleme“, erzählte Reinhard Balzer. Nach vier Operationen sei seine Sehfähigkeit nun wieder hergestellt. Auch in seinem Freundeskreis habe er die Erfahrung gemacht, wie wertvoll es sei, wenn Menschen mit mangelnder Sehkraft durch die entsprechende Betreuung weiter in ihrer gewohnten Umgebung leben könnten.

„Durch die Beratung ist mein Leben reicher geworden“

Duncker erklärte, viele lebten lange mit einer Sehbehinderung, bevor sie erführen, dass es Hilfe gibt. „Als wir angefangen haben, war der Durchschnitt fünf Jahre.“ Spies, selbst ausgebildeter Arzt, erklärte: „Viele Versorgungseinrichtungen halten Rehabilitation nicht für ihre Aufgabe.“ Daher hat die Seniorin Klaucke weder bei Ärzten, noch Optikern oder Apotheken Hilfe bekommen.

Seniorenberater Bernd Wilhelm fährt mit dem „SEHmobil“ zu Senioren nach Hause, beantwortet Fragen zur Augenerkrankung und zum Sozialrecht, zeigt Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern. „Durch die Beratung ist mein Leben reicher geworden“, berichtet Linda Hirsch. Mit dem Daisy-Player, einem sprechenden Gerät mit übersichtlichen Tasten, könne sie CDs abspielen. Zudem nutzt sie die Hörbücherei der Blista.

Weitere Hilfsmittel, die auch im Shop des Rehabilitationszentrums verkauft werden, sind beispielsweise ein Füllstandanzeiger, der piept, wenn das ins Glas eingefüllte Wasser ihn berührt oder eine sprechende Uhr. Ein Banknotenprüfer hilft bei der Erkennung von Geldscheinen. Ziel sei es, die Alltagskompetenz zu erhalten, so Wilhelm. Wichtig sei auch die psychologische Betreuung der Betroffenen, so der Seniorenberater. Die Sehbehinderung sei für viele ein Schock.

Mehr als 700 Hausbesuche

Wilhelm weist Betroffene auf Stammtische des Blinden- und Sehbehindertenbundes hin, bei denen sie sich austauschen können. Er macht ihnen Mut, zu ihrer Erkrankung zu stehen. Linda Hirsch wollte anfangs nicht mit Stock gehen, um nicht aufzufallen. Heute ist die 59-Jährige froh, das Mobilitätstraining mitgemacht zu haben. Zudem trägt sie einen gelben Button mit drei schwarzen Punkten, der andere auf ihre Sehbehinderung aufmerksam macht.

Bisher haben 300 Senioren im Landkreis das Angebot in Anspruch genommen, Wilhelm fuhr zu mehr als 700 Hausbesuchen. Neben dem mobilen Beratungsangebot gibt es auch eine Sehhilfenberatung in der Rehabilitationseinrichtung der Blista in der Biegenstraße 20.

Ein Orthoptist prüft die Sehfähigkeit und spricht Empfehlungen für Hilfsmittel aus, die ein Arzt verschreiben kann. Dazu gehören beispielsweise Bildschirmlupen: Dabei filmt eine Kamera den Text, an einem Bildschirm lässt sich dieser beliebig vergrößern.

von Freya Altmüller

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