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Hilfe bei Blutkrebs und Immundefekt

Stammzellentransplantation Hilfe bei Blutkrebs und Immundefekt

Erstmals konnten im vergangenen Jahr über 100 Stammzellentransplantationen in Marburg vorgenommen werden. 90 Patienten wurden dabei am Carreras-LeukämieZentrum behandelt.

Marburg. Knochenmark- und Stammzellentransplantationen (KMT) sind eine Therapie für Erkrankungen wie Blutkrebs oder Lymphdrüsenkrebs, aber auch bei schweren Formen der Blutarmut und angeborenen Immundefekten. An der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie gibt es KMT seit 1999, damals allerdings in weit geringerem Ausmaß, so der Direktor der Klinik, Professor Andreas Neubauer.

2009 wurde das Carreras-Leukämie-Zentrum eingeweiht, das optimale Bedingungen vorhält.Die 16 Betten der Spezialstation sind mit einer hochtechnisierten Infrastruktur ausgestattet, um die Patienten, die nach der Transplanation ein extrem geschwächtes Immunsystem haben, vor Keimen zu schützen - unter anderem mit Doppelschleusen, speziellen Dichtungssystemen der Fenster und Hochleistungsfiltern für die Belüftung.

10 Millionen Spender gibt es weltweit

Den Anstieg von KMT am Universitätsklinikum führt Neubauer unter anderem auf die Qualität der Ärzte und des Pflegepersonals zurück, außerdem auf die bessere Verträglichkeit der Therapie durch verbesserte Medikamente. Auch Menschen, die älter als 60 Jahre sind, könnten von dieser schwerwiegenden Therapie nun profitieren, da die Stammzellenverpflanzung deutlich weniger Nebenwirkungen verursache. Zudem sei es heute einfacher, einen geeigneten Spender zu finden - 1987, als er mit Transplantationen begann, habe es lediglich 140000 potenzielle Spender weltweit gegeben, heute seien 10 Millionen registriert.

Die Patienten kommen auch überregional zur Behandlung nach Marburg, was Neubauer auf die Qualität der Behandlung und den guten Ruf der Klinik zurückführt. Im Gegensatz zu früher gebe es keine oder sehr geringe Wartezeiten mehr für die Patienten, die eine KMT benötigen.

In Marburg werden sowohl allogene als auch autologe Transplantationen angeboten. Bei der allogenen Übertragung erhält der Patient das Knochenmark eines für ihn geeigneten Spenders.

„Die allogene Transplantation ist risikoreicher“, sagt Neubauer. Sie könne den Patienten zwar heilen, es könne aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen und Abstoßungsreaktionen kommen.

Bei der autologen Übertragung wird dem Patienten eigenes, speziell aufbereitetes Knochenmark transplantiert. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass auch kranke Zellen wieder in den Körper gelangen und die Krankheit erneut ausbricht. Welche Methode der Transplantation für den Patienten geeignet ist, hängt in der Regel von der Art der Erkrankung ab.

„Bei einer Transplantation von eigenen Stammzellen bleibt der Patient drei bis vier Wochen auf der Station, bei der Übertragung fremder Stammzellen fünf bis sechs Wochen“, so Neubauer. Seit 1999 wurden in Marburg insgesamt 1023 Patienten transplantiert, davon 410 allogen, 613 autolog.

von Heike Döhn

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