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„Hier kommt Hilfe aus Herzen statt aus Köpfen“

Camp-Schließung „Hier kommt Hilfe aus Herzen statt aus Köpfen“

Tränen, Trauer, Trost: Viele Flüchtlinge, die Marburgs Erstaufnahme diesen Dienstag verlassen müssen, verstehen ihre Verlegung, das Aus für die Einrichtung nicht. Hoffnung sollte ihnen am Montag ein Vortrag über Rotenburg machen.

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Neun Marburger protestierten am Montag gegen die Camp-Schließung in Cappel.

Quelle: Nadine Weigel

Cappel. „Dass wir in den Himmel statt die Hölle kommen, ist es, was man uns geschildert hat“, sagt Wazim im OP-Gespräch. Die Erstaufnahme in Osthessen, in der momentan 450 Flüchtlinge leben, sei wie der Ort selbst von Behördenvertretern „in den schillerndsten Farben dargestellt“ worden, sagt auch Karl-Otto Beckmann, Ombudsmann in der Erstaufnahme. Einiges klinge auch vielversprechend, etwa die Räume, in der die Bewohner leben. Jedoch könne es Rotenburg nicht mit Marburgs Infrastruktur aufnehmen. Unter anderem seien Einkaufsmöglichkeiten viel weiter weg und der Bus-Takt in die Stadt schlechter.

Der angekündigte Widerstand gegen eine Verlegung bröckelt aber offenbar: Nur noch wenige seien im Hungerstreik, bei vielen habe sich nach dem Vortrag Resignation breitgemacht, sagt Wazim. „Die machen das Camp so oder so in dieser Woche dicht. Was sollen wir machen, wo sollten wir hin?“, sagt Wazim. Laut Beckmann gibt es aber ein paar Bewohner, die „sechs, sieben Mal sschon verlegt worden sind. Die verstehen das alles nicht mehr.“ Auch Abureshid aus Äthiopien nicht: „Hier kommt Hilfe von den Herzen, nicht nur aus den Köpfen“, sagt der 27-Jährige.

Man danke Deutschland und liebe Marburg „Einige von uns werden zurückkommen, so oder so.“ Die Hoffnung der Flüchtlingshelfer - zehn demonstrierten am Montag während der internen Info-Veranstaltung vor dem Camp - ruht darauf, dass das Land seine Entscheidung verwirft, wenn Marburg freiwillig 200 neue Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufnimmt. „Das Auswärtige Amt unterstützt das. Vom Land kommt, wie schon bei der Begründung für das Aus dieser Einrichtung, bislang leider gar nichts“, sagt Beckmann.

Die Online-Petition, die Flüchtlingshelfer in Richtung Hessischem Landtag ankündigten, ist mittlerweile gestartet. Bislang haben rund 500 Unterstützer das Ansinnen unterzeichnet, das Camp zu erhalten.

Petition: https://www.change.org/p/petitionsausschuss-des-landtags-hessen-erstaufnahme-marburg-leuchtturm-für-integration-und-sozialen-frieden-erhalten

von Björn Wisker

Standpunkt: Realitäten

Dass Flüchtlinge in Marburg bleiben wollen, ist ein großes Kompliment für die Bewohner der Stadt. Sie haben, im Gegensatz zu anderen Orten ein menschenfreundliches Klima geschaffen. Eine Realität, die stolz macht. Dennoch: Schon vor ihrer Eröffnung wurde die Erstaufnahme als eine nur vorübergehende Einrichtung angekündigt. Sie künstlich am Leben zu erhalten, ist realitätsfern. Marburg ist nur eine (über Monate ziemlich leere) Not-Außenstelle, hat über OB Spies trotzdem alles für einen Camp-Verbleib getan. Und die dramatische Haushaltslage verschiebt den Problem-Fokus der Kommune. Zudem: In Cappel halten nicht wenige das Camp eher für eine Belastung als für eine Bereicherung. Auch das sind Teile der Realität.

von Björn Wisker

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