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Neue Klamotten, ein neues Buch oder neues Kinderspielzeug - all das kostet normalerweise Geld. Nicht so im Umsonstladen "Plunderwunder", wo jeder das mitnehmen darf, was er gebrauchen kann.

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Katharina Ullrich stöbert in den beiden Regalen des „Plunderwunders“, die in der Radikate-Werkstatt in der Unterführung Biegenstraße für den Umsonstladen bereit gestellt wurden.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Es ist ein gewöhnlicher Nachmittag an einem Mittwoch. Obwohl das „Plunderwunder“ erst kürzlich wieder eröffnet hat, geben sich Menschen die Klinke in die Hand. Sie stöbern, nehmen Dinge mit - und wollen auch geben. Doch das Team des Umsonstladens kann derzeit keine neue Ware annehmen. Lediglich zwei Regale stehen momentan als Ausstellungsfläche zur Verfügung und die Bestände müssen zunächst weg.

Vor rund zweieinhalb Jahren eröffnete der Umsonstladen im Marburger „Bettenhaus“ - einem selbstverwalteten Wohnprojekt in der Emil-Mannkopf-Straße. Aus einer Bewohner-Tauschecke im Foyer erwuchs damals die Idee, das Prinzip auszuweiten. Wie auch in einigen anderen deutschen Städten entstand dort ein Ort, an dem Menschen Dinge, die sie nicht mehr brauchen abgeben konnten. Es steht jedem aber auch frei etwas mitzunehmen. Umsonst versteht sich.

„Es wird immer nur gefragt: Was kann ich mir leisten?“, erklärt Katharina Ullrich, die das Projekt mit einigen Mitstreitern betreut. „Wir wollen aber eine andere Frage in den Mittelpunkt stellen“, so Ullrich. Entscheidend sei: „Was wird gebraucht?“. Der Umsonstladen ist also auch eine Form der Konsumkritik. Viel zu viele Sachen würden zudem sonst einfach weggeworfen. Da sei es doch viel besser, wenn man anderen noch eine Freude damit machen könne, ergänzt Sophia Kern.

Ende des vergangenen Jahres kam dann jedoch das Aus im Bettenhaus. Aus brandschutzrechtlichen Gründen musste der Laden geräumt werden. Neue Räume mussten also her, doch diese zu finden ist nicht einfach, wenn kein Geld für Miete da ist. Unterschlupf fand das „Plunderwunder“ daher zunächst nur in der Fahrradwerkstatt Radikate in einer Unterführung in der Biegenstraße. Eine Übergangslösung, weiß auch Kern, doch „wir würden auch erstmal hier bleiben“. Hauptsache der „Umsonstkreislauf“ komme wieder in Gang.

„Keine Zwänge“ und Freude über kleine Dinge

Alles was nicht rassistisch, sexistisch, homophob oder auf andere Weise diskriminierend ist, kann in diesen Kreislauf gelangen, nur große oder defekte elektronische Geräte und größere Möbel sind ausgeschlossen. Aufgrund der fehlenden Lagerkapazität müssen aktuell aber auch alle anderen Sachen abgelehnt werden. Die Verpflichtung etwas abzugeben, wenn man etwas mitnimmt, gibt es ohnehin nicht.

„Das ist ja das Schöne daran“, sagt Ullrich. „Es gibt keine Zwänge“. Es sei schön zu sehen, wenn „ein Austausch stattfindet“ und Menschen sich auch über kleine Dinge freuten. Am zufriedenstellendsten sei dabei, „dass der Gedanke des freien Austauschs von Gebrauchsgegenständen gelebt wird“. Von der Zwei-Meter-Hose für Stelzenläufer, über eine Minidisc-Plattensammlung bis hin zum Brautkleid hat mit der Zeit schon so einiges den Besitzer auf diesem Weg gewechselt und jemanden glücklich gemacht. Wichtig - das betonen die Betreuer - sei daher, dass die Dinge auch tatsächlich im Rahmen des kostenlosen Austauschs verblieben und nicht etwa im Anschluss verkauft würden. Kontrollieren können sie das jedoch nicht.

Wert legen die Organisatoren, die auf der Suche nach weiteren Mitstreitern sind, auf die Atmosphäre, bei der ein Shoppingerlebnis der etwas anderen Art stattfindet. So ist ein jeder Gast zum Verweilen eingeladen, oft gibt es auch Kuchen für das leibliche Wohl zwischendurch.

Wie es mit dem Laden in Zukunft weitergeht ist ungewiss, unter anderem auch durch die von der Stadt angedachten Umsiedlung der Radikate-Werkstatt. Ohnehin wünschen sich die „Plunderwunder“-Organisatoren größere Räume, um das Tauschgeschäft wieder so richtig in Gang zu bringen. Über die Aufnahme in der Unterführung sind sie zwar glücklich und freuen sich über den regen Besuch in der zentralen Lage, doch mehr Platz wäre auf Dauer hilfreich. Dann könnte auch der volle Keller des Bettenhauses leergeräumt werden und so könnte sich so manches, was für den einen Plunder ist, als kleines Wunder für jemand anderen erweisen.

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Die Facebookgruppen Verschenk's Marburg und Free Your Stuff Marburg zum Beispiel.

von Peter Gassner

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