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Heute schlägt die Stunde der Wintervögel

Zählung Heute schlägt die Stunde der Wintervögel

Futter für die Vögel - der Naturschutzbund empfiehlt, Meisenknödel und ähnliches bereitzustellen, wenn der Boden friert oder eine geschlossene Schneedecke liegt.

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Ein Buntspecht hängt am Meisenknödel: Der Allesfresser nimmt die Nahrung, die er bekommen kann.

Quelle: Heinfried Kuethe

Marburg. Wenn es draußen ungemütlich wird, die Nachttemperaturen in die Minusgrade absinken, beginnen viele Menschen damit, die Vögel in ihren Gärten zu füttern. Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen rät, mit der Fütterung bei Frost und Schnee zu beginnn - dann sei es für Vögel schwieriger, ausreichend Nahrung zu finden.

Bei milderen Temperaturen sollte nur wenig Futter ausgebracht werden. „In den letzten Wochen haben wir mehrere Meldungen von toten Grünfinken in der Nähe von Futterhäuschen erhalten. Das deutet auf eine Infektion mit Trichomonaden hin“, erklärt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Nabu Hessen.

Futterstellen, an denen matte und apathisch wirkende, aufgeplusterte Vögel mit verklebtem Schnabel und schaumigem Speichel auftauchen, sollten sofort bis zum ersten richtigen Kälteeinbruch stillgelegt werden. Nur so lasse es sich verhindern, dass sich die Krankheit, die von dem einzelligen Erreger „Trichomonas gallinae“ verursacht wird, von Vogel zu Vogel überträgt.

Generell sei es wichtig, Futterstellen penibel sauber zu halten und stets nur geringe Mengen Futter bereitzuhalten. „Für die Fütterung ist ein so genanntes Futtersilo am besten geeignet, weil darin das Futter vor Nässe und Witterungseinflüssen geschützt ist“, so Eppler. Das Futtersilo sei sinnvoller als offene Futterhäuser, da es neben dem Schutz der Sämereien vor Nässe auch die Verunreinigung durch Vogelkot verhindere. Durch den Kot könnten leicht auch weitere Vogelkrankheiten wie Salmonellen von einem zum anderen Tier übertragen werden.

Doch welches Futter ist für welchen Vogel das richtige? Mit Körnerfutter lassen sich gezielt Buchfink, Dompfaff und Spatz an das Futtersilo anlocken. Weichfutterfressern wie Amsel, Rotkehlchen oder Heckenbraunelle kann man mit Haferflocken, Obststücken, Rosinen oder getrockneten Wildbeeren die harte Zeit erleichtern.

Ein Naturerlebnis für Kinder und Erwachsene

In kleinen Holzgestellen lassen sich zum Beispiel Äpfel feststecken. Für Allesfresser wie Meisen sind die bekannten Meisenknödel oder Meisenringe sowie Drahtbehälter mit Erdnüssen das richtige Angebot. „Besonderes Augenmerk sollte auf die Herkunft der Sämereien gelegt werden“, betont Eppler. „Billige Futtermischungen sind oft mit Samen der Allergie auslösenden Ambrosie oder anderen nicht erwünschten Pflanzen verunreinigt.“

Die Fütterung von Vögeln - sie ist ein echtes Naturerlebnis. „Insbesondere Kinder sind regelrecht begeistert, wenn sich die verschiedensten Vogelarten an der Futterstelle einfinden“, sagt Eppler. Bei der bundesweiten Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“, die vom heutigen Freitag, 9. Januar, bis zum Sonntag, 11. Januar, vom Nabu ausgerufen wird, können alle Vogelbeobachtungen an den Nabu gemeldet werden. Mit den Daten will der Nabu herausfinden, wo die einzelnen Arten vorkommen, wie häufig sie sind und wie sich ihre Bestände langfristig verändern. Das pure Interesse und die Freude an der Vogelwelt reichen zur Teilnahme aus, eine besondere Qualifikation ist nicht nötig, denn die „Stunde der Wintervögel“ funktioniere ganz einfach: Von einem ruhigen Plätzchen aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig entdeckt wird. Die Beobachtungen können dann im Internet unter www.stundederwintervoegel.de oder unter www.NABU-Hessen.de bis zum 19. Januar gemeldet werden.Zudem ist am 10. und 11. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800/1157115 geschaltet - die Ergbnisse der persönlichen Zählung können Teilnehmer dort durchgeben.

Zur Heimatgeschichte: Die Spatzen, auch Sperlinge genannt, gehören hierzulande zu den am häufigsten vorkommenden Wintervögeln. Sie stehen heutzutage unter Schutz. Die vorwitzigen kleinen Vögel, die für ihre Zutraulichkeit bekannt sind, hatten nicht immer einen so guten Stand, wie eine Geschichte aus dem Gemeindearchiv von Weimar beweist. So berichtete der Geschichtsverein Weimar in diesen Tagen von der „Sperlingsbekämpfung“ im Jahr 1948. Damals hatte der Landrat die Menschen in den Gemeinden per Verfügung dazu aufgerufen, die Vögel zu fangen und ihre Nester samt Eiern zu zerstören. Damals stand die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung im Vordergrund, geht aus dem Gemeindearchiv hervor – und Spatzen in Massen richteten Schäden an Getreidefeldern, Höfen und Gärten an. Aus der Meldeliste der Gemeinde Niederweimar von 1952 geht hervor, dass 285 Jungsperlinge und 74 Altsperlinge gefangen sowie 146 Nester mit 394 Eiern zerstört wurden. Arme Vögelchen – heutzutage geht es ihnen hierzulande besser. Im Winter gehören sie zu den eifrigen Besuchern von Vogelhäusern in den Gärten – und die Menschen freuen sich darüber.

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