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Heute Baulücke, morgen Gewinngeschäft

Immobilien Heute Baulücke, morgen Gewinngeschäft

Wohneigentum in Marburg wird seit Jahren teurer, vielen Immobilien werden künftig Wertsteigerungen zugeschrieben. Das geht aus einer Postbankprognose hervor. Der Magistrat setzt auf mehr Standort-Marketing.

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Jede Lücke ist begehrt: In Marburg entstehen seit Monaten auf vielen bislang freien Grundstücken neue Häuser – etwa im Rollwiesenweg oder an der Cappeler Straße.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. In der Universitätsstadt können Haus- und Wohnungsbesitzer davon ausgehen, die eigene Immobilie später mit Gewinn verkaufen zu können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Prognos-Analyse im Auftrag der Postbank.

In mehr als 200 der 402 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte ist demnach bis 2030 mit bisweilen deutlichen Wertsteigerungen zu rechnen. Dem Landkreis Marburg-Biedenkopf insgesamt stellen die Experten eine „zumindest stabile Wertentwicklung“ in Aussicht. Die Entwicklung werde besser verlaufen als in Nachbar-Regionen wie dem Schwalm-Eder- oder dem Vogelsbergkreis. Stärkere Wertsteigerungen als in Mittelhessen prognostiziert die Postbank landesweit nur dem Rhein-Main-Gebiet. Bezogen auf ganz Deutschland liegen die ertragreichsten Immobiliengebiete in Bayern.

Alle Top-Standorte haben laut Dieter Pfeiffenberger, Bereichsvorstand der Postbank und zuständig für die Immobilienfinanzierung, eines gemeinsam: „Die Bevölkerungsprognose ist deutlich positiv. Das lässt einen stabilen beziehungsweise steigenden Bedarf an Wohnimmobilien erwarten“, sagte er. Faktoren wie die Zahl der Studenten seien ein ebenfalls wichtiges Kriterium für die Beurteilung.

Die Analyse der Postbank deckt sich mit den Ergebnissen des Immobiliendienstleisters Dr. Lübke & Kelber, der Marburg als einen Top-Geheimtipp für Immobilienkäufer einschätzt (die OP berichtete). „Marburg ist ein guter Immobilienstandort. Die Voll-Infrastruktur, etwa mit Klinikum, Einkaufsmöglichkeiten und Zugverbindungen in alle Himmelsrichtungen, macht die Stadt als Wohnlage attraktiv“, sagte Frank Alexander, Verband der Immobilienberater Hessen (IVD).

Masse der Investoren noch auf Metropolen fokussiert

Die attraktivsten Bedingungen finden Immobilieninvestoren demnach abseits der Ballungsräume wie Frankfurt; Marburg belegt Rang 17 von 110 untersuchten Städten. „Wohnimmobilien in mittelgroßen und auch kleineren Städten mit weniger als 100.000 Einwohnern können für Privatanleger sehr interessante Investmentchancen bieten, wenn ein breiter Mix wirtschaftlich solider Unternehmen vor Ort Arbeitsplätze bietet und damit dauerhaft Nachfrage nach Wohnraum besteht“, sagt Branchenexperte Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Derzeit ließen sich in Universitätsstädten noch überdurchschnittliche Renditen erzielen, weil die Masse der Investoren bislang noch auf die Metropolen fokussiert sei.

Der im Frühsommer vorgestellte Immobilienmarktbericht für Mittelhessen belegt den Boom des B-Standorts Marburg: Wer in der Innenstadt oder dem kernstadtnahen Bereich investieren kann - bei Quadratmeterpreisen von 4000 Euro und mehr - hat sein Geld sicher angelegt, gekaufte Häuser und Wohnungen steigern ihren Wert auf Jahre. Noch attraktiver ist für Bauherrn Gießen aufgrund der näheren Lage an Frankfurt.

Wer in Marburg nach einer Wohnung oder einem Grundstück sucht, kann sich seit kurzem im Internet auch über das Kommunale Immobilienportal informieren. Auf einen Blick gibt es dort alle städtischen Angebote zu sehen, aber auch Privatpersonen können dort inserieren. Ein besonderer Aspekt: auch Gewerbeflächen werden hier angeboten. Alle Angebote, die hier erscheinen, tauchen automatisch zeitgleich auf dem Bauland- und Immobilienportal namens wunschgrundstück.de auf. „Für uns ist das gelebter Bürgerservice, aber auch effektives Standortmarketing im Internet“, sagte Oberbürger­meister Thomas Spies (SPD).

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum bleibt trotz aller seit Monaten andauernden Bautätigkeit - und der möglichen Wohngebiets-Zukunft der von der Schließung bedrohten Flüchtlings-Erstaufnahme in Cappel - quer durch die Stadt ein Thema: Die Linken beantragen im Parlament eine Sozialquote von mindestens 30 Prozent bei allen Neubauten, die mehr als 20 Wohneinheiten umfassen.

von Björn Wisker

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