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Hessens Rotarier leisten weltweit Hilfe

Halbjahrekonferenz des Roray Clubs Hessens Rotarier leisten weltweit Hilfe

Über den Stand der Flüchtlingspolitik, vergangene und kommende humanitäre Hilfsprogramme und über den Kampf gegen die Kinderlähmung informierten sich am Samstag Rotarier aus ganz Hessen.

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Zahlreiche Clubmitglieder aus Hessen wurden als „Best Acts“ aus dem Rotary-Hilfsprogramm „Fast Action“ prämiert. Über die Flüchtlingshilfe sprachen auch Landrätin Kirsten Fründt und Ex-Regierungspräsident Lars Witteck. Der amtierende Governor, Professor Bernhard Maisch (Zweiter von links), berichtete den Mitgliedern über aktuelle Projekte.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. „Wir sind so nahe dran, Polio endgültig auszurotten“, verkündete Distrikt-Govenor Dr. Bernhard Maisch während der Halbjahreskonferenz der hessischen Rotarier. Die Bekämpfung der Kinderlähmung sei ein „wesentliches Markenzeichen“ der weltweiten Rotarier-Gemeinschaft. Noch sei die Erkrankung in zwei Ländern vorhanden – in Afghanistan und Pakistan – „noch braucht es unseren Einsatz aber auch den Einsatz dieser Welt“, betonte der Mediziner.

Mehr als 150 Mitglieder nahmen an dem alljährlichen Treffen des Rotary-Distrikts 1820 in Marburg teil und zogen Bilanz über den derzeitigen Stand der Serviceclubs.

Auch die Flüchtlingskrise wurde während der Versammlung diskutiert. Platz am „Round Table“ nahmen zu diesem Thema Landrätin Kirsten Fründt und der ehemalige Regierungspräsident Dr. Lars Wittek, beide Mitglied bei Rotary. Sie berichteten über die Flüchtlingspolitik der Region als „größte Herausforderung“ der vergangenen Jahre, sagte Fründt.

Wittek zur Flüchtlingssituation: "Das hat alle ein Stück weit überrollt“

Massiv steigende Flüchtlingszahlen sorgten zunehmend für strukturelle Probleme, so manche Erstaufnahmeeinrichtung „ging in die Knie. Das hat alle ein Stück weit überrollt“, erinnerte sich Wittek. Heute sei die Flüchtlingshilfe „ziemlich gut“ aufgestellt. Nun gelte es, langfristig zu handeln, die Integration voranzutreiben, etwa „möglichst viel Unterricht, Beschäftigung und Begegnung“ zu bieten. Ein Land wie die Bundesrepublik als „kleine, reiche Insel in einem Meer von Kriegen“ könne mehr tun als über den Einsatz von Schusswaffen an der Grenze zu diskutieren, hob Wittek hervor.

Besonderes Lob und Zuspruch aus der Versammlung ernteten die vergangenen Special Olympics im Juli dieses Jahres. Zahlreiche beteiligte Rotarier hätten „maßgeblich zum großen Erfolg“ der ersten hessischen Landesspiele in Marburg beigetragen, lobte Bernd Conrads während eines Erfahrungsberichts. Das Event trage mit dazu bei, „die Tür der Inklusion weiter zu öffnen, Vorurteile abzubauen“ und sorge für „ein Stück mehr Menschlichkeit“.

Marburger Clubs erhalten die Auszeichnung „Best Acts“

Im Rahmen der Spiele wurden spezielle Gesundheitsprogramme für die Sportler mit Handicap angeboten, darunter erstmals umfassende Herzkontrollen.

Die seien auch dringend nötig, denn Herzkreislauferkrankungen machten mit den größten Anteil bei medizinischen Problemen behinderter Menschen aus, ergänzte Maisch. Die Daten­erhebung während der Spiele seien wichtige Erkenntnisse für die Medizin, „es hat sich gelohnt hinzuschauen“, lobte der Kardiologe.

Während der Konferenz wurden zahlreiche Mitglieder mit den Rotary-Awards für ihre Beteiligung an Hilfsprojekten im In- und Ausland ausgezeichnet. Für besonderes Engagement in der Flüchtlingshilfe wie die Förderung von Begegnungs- oder Sprachkursen erhielten unter anderem die beiden Marburger Clubs die Auszeichnung „Best Acts“.

Den seltenen „Service above Self Award“ erhielt Wolfgang Künzeln vom RC Gießen für sein Projekt zur Qualitätssicherung in der nigerianischen Geburtshilfe. Viele Mitglieder berichteten von weiteren Leuchtturmprojekten ihres jeweiligen Clubs. Peter Enderle zum Beispiel von dem erfolgreichen Abschluss eines Hilfsprojekts in Kolumbien.

Maisch fordert Clubs auf, mehr Frauen aufzunehmen

Mit Unterstützung mehrerer deutscher Rotaryclubs gelang es dort, die Frischwasserversorgung samt Abwasserentsorgung für eine Schule zu realisieren.

Daneben laufen derzeit verschiedene weitere Projekte auf der ganzen Welt an, unter anderem eine Aufklärungskampagne zur Bekämpfung des Dengue-Fiebers in Brasilien sowie der angedachte Aufbau einer dauerhaften Trinkwasserversorgung in Überschwemmungsgebieten im südostasiatischen Myanmar.

Insgesamt versammeln sich derzeit rund 3 700 Rotarier, auf 69 Clubs verteilt, im Rotary Distrikt 1820, der nahezu ganz Hessen umfasst. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein großer Zuwachs von fast 300 Mitgliedern. Acht Prozent davon machen die Frauen der Charter aus, etwas unter dem Bundesdurchschnitt, Tendenz jedoch steigend, lobte Maisch.

Trotzdem hätten sich ein Drittel der Clubs noch nicht für Frauen geöffnet. Und diese seien „auf dem Gender-Auge blind und meinen, sie sehen doch. Das muss sich ändern“, lautete der Appell des Distriktchefs.

von Ina Tannert

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