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Herrchen und Frauchen gesucht

Fundtiere Herrchen und Frauchen gesucht

Im ersten Halbjahr hat das Tierheim in Cappel bereits 487 Fundtiere aufgenommen, 100 mehr als im vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt.

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Der Schäferhund Remus wurde nur wenige Meter vor dem Tierheim ausgesetzt. Er war zunächst sehr eingeschüchtert, fasst aber langsam wieder Vertrauen.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Remus, ein topgepflegter Schäferhund, ist das jüngste Beispiel, was dem Tierheim-Team unnötig Sorgen, Aufwand und vor allem Kosten bereitet. Der Hund wurde nur wenige Meter vor dem Tierheim an eine Straßenlaterne gebunden und zurückgelassen (die OP berichtete).

„Ich frage mich, warum der Halter ihn uns nicht gebracht hat“, sagt Robert Neureuther, Geschäftsführer und Leiter des Tierheims. Denn: „In so einem Fall wissen wir nichts über das Tier. Weder, ob es geimpft ist, Parasiten, Würmer oder irgendwelche Krankheiten hat.“

1040 Euro hat es das Tierheim gekostet, nur um zu erfahren, ob der Hund gesund ist. Zudem sitzt das Tier zunächst vielleicht unnötig in Quarantäne.

Zahl der Fundtiere nimmt zu

Remus ist kein Einzelfall. Die Zahl der ausgesetzten Tiere und Fundtiere nimmt zu. Egal ob Hunde, Katzen oder Kleintiere: Im ersten Halbjahr verzeichnete das Tierheim bereits 100 Fundtiere mehr als im vergangenen Jahr. Von den 980 aufgenommenen Tieren im Jahr 2014 waren insgesamt 875 Fundtiere. In diesem Jahr hat das Tierheim bisher 482 Tiere aufgenommen. Darunter sind 450 Fundtiere. „Die Leute müssen keine Angst haben, ins Tierheim zu kommen“, sagt Robert Neureuther. „Man muss sich auch nicht schämen, wenn Geldmangel der Grund für die Abgabe ist.“ Im Tierheim wird eine Lösung gefunden und alles anonym geregelt. „Wir melden Chipdaten um, stellen einen neuen Impfpass aus, und das Tier bekommt einen anderen Namen.“ Nichts wird an die neuen Halter weitergegeben, was irgendwelche Rückschlüsse auf den früheren Besitzer zulässt. „Keiner muss ein Tier aussetzen oder als Fundtier tarnen, zumal er sich dabei auch noch strafbar macht“, erklärt der Tierheimleiter.

Tiere sollten tätowiert und gechippt werden

Weiter appelliert er an Katzenhalter, die Tiere sowohl tätowieren als auch chippen zu lassen. „Es sind doch schließlich Familienmitglieder, die gemeldet werden sollten.“ Erst vor kurzem wurde eine tote Katze an einem Waldweg gefunden, deren Tätowierung „nur noch ganz schwach ist. Dabei will bestimmt jeder wissen, was mit seinem vermissten Tier passiert ist“, so Robert Neureuther. Ein anderes Beispiel: Eine Katze, die gefunden wurde und über die das Tierheim auf seiner Homepage und über Facebook informierte, konnte erfolgreich in ein neues Zuhause vermittelt werden. Kurz danach meldete sich der Besitzer, der erst später seine vermisste Katze im Internet entdeckte. „Da die ursprünglichen Halter noch ein halbes Jahr Anspruch auf Rückgabe haben, musste die neue Besitzerin die Katze wieder zurückgeben“, erzählt Neureuther. „Das wäre zu vermeiden gewesen, wenn das Tier einen Chip gehabt hätte.“

Insgesamt ist die Zahl der aufgenommenen Tiere seit 2013 stetig gestiegen, so Robert Neureuther. Darunter sind auch viele Exoten wie Schlangen und Leguane. „Das liegt daran, dass sich die Haltungsbedingungen geändert haben“, sagt der Tierheimleiter. Auch im Tierheim muss sich erstmal eine artgerechte Unterbringung finden. Als Hauptgründe für die Abgabe eines Tieres nennt Neureuther die zunehmende Arbeitslosigkeit, Tierhaltung ist Mietern nicht erlaubt, Allergie, Trennung der Familie, Umzug ins Altenheim und die Überforderung der Halter.

Katzenbabyrettung verzeichnet mehr Aufnahmen

Auch die Katzenbabyrettung Mittelhessen verzeichnet in diesem Jahr deutlich mehr Aufnahmen in den Pflegestellen. 170 waren es bis jetzt. „Bei uns sind es fast ausschließlich Fundtiere“, sagt die Vorsitzende Conny Pech. Und so haben die Pflegestellen alle Hände voll tun, um die kleinen Kätzchen aufzupäppeln. Dises Jahr wurden nach den Worten der Vorsitzenden besonders viele mutterlose Neugeborene gefunden. Ganz besonders zu Herzen geht die Geschichte von Keinöhrchen, einem Kätzchen, das mit seinen beiden Geschwistern beim Verein als Fundtier abgegeben wurde. Keinöhrchen wog mit zweieinhalb Wochen gerade mal 141 Gramm.

„Er war in einem sehr schlechten Zustand und wir dachten nicht, dass wir ihn durchbekommen“, sagt Conny Pech. Über das soziale Netzwerk Facebook wurde Keinöhrchen dann populär.

Zahlreiche Nutzer nahmen und nehmen Anteil an dem Schicksal des kleinen Kätzchens, das so klein und hilflos wirkt und dem noch dazu ein Ohr fehlt. Sogar ins Fernsehen schaffte es Keinöhrchen, dem es inzwischen gut geht und der viel Lebensfreude zeigt.

von Heike Horst

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