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Helfer versorgen Flüchtlings-Camp mit W-Lan

Internetverbindung Helfer versorgen Flüchtlings-Camp mit W-Lan

Die Flüchtlinge im Erstaufnahme-Camp in Cappel können ab sofort kostenlos das Internet nutzen. Ein Marburger Verein hat mit Hilfe der Stadtwerke auf dem Areal mehrere W-Lan-Stationen aufgebaut.

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Mehrere freiwillige Helfer bringen an einem Mast nahe des Zeltcamps für Flüchtlinge W-Lan-Sendestationen an.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Die Flüchtlinge im Erstaufnahme-Camp in Cappel können ab sofort kostenlos das Internet nutzen. Ein Marburger Verein hat mit Hilfe der Stadtwerke auf dem Areal mehrere W-Lan-Stationen aufgebaut. Drei voneinander unabhängige Sendemasten liefern nach Angaben des Vereins Rechenkraft ab sofort nahezu auf der gesamten Campfläche Internet. Tests der Computer-Fachleute zeigten pro Sendemast einen sogenannten Downlink (Daten aus dem Internet herunterladen) von 1,4 MBit und einen Uplink (Daten ins Internet hochladen) von 7,5 MBit.

„Die Flüchtlinge haben nicht selten nach ihrer Ankunft keine Möglichkeit, Angehörigen oder Freunden in ihrer Heimat überhaupt Kenntnis davon zu geben, dass sie es ‚geschafft‘ haben oder überhaupt noch leben“, sagt Michael Weber, Vorsitzender des mehr als 80 Mitglieder zählenden Vereins Rechenkraft. Oft existiere bei den Flüchtlingen kein Mobiltelefon und wenn, dann funktioniere dies in Deutschland nicht immer.

Es sei gerade in Bezug auf die Sprachprobleme „wichtig, dass die Menschen Informationen in ihrer Sprache und aus ihrer Heimat erhalten können“. Dies gehe am besten per Internet. Drei Router der Stadtwerke greifen auf ein bestehendes Richtfunknetz zu. Zudem gibt es jetzt noch vier Rechner – zwei für Ehrenamtliche, zwei für Flüchtlinge –, die an das Glasfasernetz angeschlossen sind, erläutert Pascal Barthel, Stadtwerke-Sprecher auf OP-Anfrage. „Diejenigen, die hier ankommen sollten aus unserer Sicht mit offenen Armen empfangen werden.

Feuerwehr stellt nach Sturm Zäune wieder auf

Es sind potentiell unsere zukünftigen Mitbürger und Nachbarn. Daher ist es nur selbstverständlich, dass alles getan wird, damit es den Menschen, die hier ankommen, an nichts fehlt und sie uns in guter Erinnerung behalten. Nur so kann Integration funktionieren“, sagt Weber, der für die Piratenpartei in der Stadtverordnetenversammlung arbeitet. „Das ist ein total begrüßenswerter Schritt, weil es nicht nur die Kontaktaufnahme zu Angehörigen ermöglicht, sondern auch die Integration fördert“, sagt Tobias Klaus, Sprecher der Organisation Pro Asyl.

Ein Internetzugang, wie er in Marburg geschaffen worden sei, „leider absolut nicht der Regelfall in Deutschland“, dabei könne „Neuankömmlingen gerade das bei der Orientierung in der neuen Heimat helfen“. Ohne W-Lan gelinge es kaum „überhaupt an alle nötigen Informationen wie Hilfsangebote oder Sprachkurse zu gelangen“, sagt Tobias Klaus.

Indes musste am Samstag die Feuerwehr – die auch bei der Aufstellung der W-Lan-Stationen half – ausrücken. Aufgrund des Sturms fielen am Camp die Zäune um. Damit der Wind hindurchblasen konnte, entfernten die Brandbekämpfer den in die Zäune eingebauten Sichtschutz, wie Vize-Wehrführer Andreas Brauer auf OP-Anfrage sagt.

Illegale Nutzung
Kommunen in Deutschland sind mit der Einrichtung für Internetzugänge für Flüchtlinge zurückhaltend. Grund ist das Telemediengesetz. In diesem ist die sogenannte Störerhaftung geregelt, welche den Anschlussinhaber dafür verantwortlich macht, wenn ein Nutzer den bereitgestellten Internetanschluss für illegale Aktivitäten nutzt – etwa Musik oder Filme bei Online-Tauschbörsen herunterlädt.
Die Konsequenz in Form von Abmahnungen und Schadenersatz-Forderungen trägt dann nicht der Nutzer, sondern der Anbieter des entsprechenden Hotspots. Jedoch gibt es technische Tricks, wie das Haftungsrisiko vom Anbieter minimiert werden kann: Das Übertragungssignal kann etwa erst an einen der großen Internetprovider wie die Telekom geleitet werden, da diese von der Störerhaftung befreit sind.
„Das haben wir alles geklärt, solche Haftungsfragen stellen sich auch für uns nicht“, sagt Pascal Barthel, Stadtwerke-Sprecher auf OP-Anfrage. Bei Verstößen wäre der Nutzer, über die IP-Adresse, zu belangen.
 

von Björn Wisker

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