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Helfer kümmert sich um Indiens Kinder

Entwicklungshilfe Helfer kümmert sich um Indiens Kinder

Daniel Brunen bricht auf nach Indien. Der Marburger will in einer abgelegenen Region den Jugendlichen einer in Armut lebenden Volksgruppe helfen - mit Englischunterricht soll deren Bildungsstand verbessert werden.

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Indiens Armutsregionen liegen im Nordosten: Kinder und Jugendliche haben außer der kargen Landwirtschaft kaum Perspektiven – der Marburger Daniel Brunen will der rund 1,2 Millionen Menschen zählenden Bevölkerungsgruppe der Mising helfen, Anschluss an die Moderne zu finden. Archivfoto

Quelle: Rafiq Maqbool

Marburg. Das Abitur hat Daniel Brunen erst seit wenigen Wochen, doch die Indien-Pläne schmiedet er seit langem. „Das Fernweh, das Verlangen, etwas anderes zu sehen, etwas im Leben zu bewegen, hat mich gepackt“ sagt der 19-Jährige. Während es viele Gleichaltrige in die USA, Australien oder Neuseeland zieht, reist er Ende August für ein Jahr in eine Elendsregion. „Was weiß man schon über dieses Riesenland? Ich will mit kulturellen Unterschieden konfrontiert sein. Das wird sicher krass für mich, ich rechne mit einem Kulturschock.“ Allein die Tatsache, dass der Glaube einen anderen, höheren Stellenwert habe, lasse die indische Gesellschaft in einem Kontrast zur deutschen - „mit dieser gewissen Sonntagsreligiosität“ - erscheinen.

Im Gegensatz zum Rest von Indien ist der Nordosten - Brunens Ziel - am dünnsten besiedelt und am stärksten unterentwickelt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung setzt sich aus 357 verschiedenen indigenen Gruppen zusammen, von denen die meisten in großer Armut und Ausgrenzung leben.

Veraltete Methodenin der Landwirtschaft

Brunen wird in der Nähe der Volksgruppe der Mising wohnen. Sie leben hauptsächlich in Dorfgemeinschaften und von der Landwirtschaft, die allerdings mit veralteten Methoden betrieben wird. Unter den Mising herrscht ein starker Gemeinschaftssinn und Hilfsbereitschaft vor, so dass Feldarbeit, Hausbau und andere Aufgaben oft familienübergreifend erledigt werden. Dies führt dazu, dass andere, moderne Berufe oder gar die berufliche Selbständigkeit sich bei den Mising nur schwer durchsetzen.

Ausgrenzung und Benachteiligung der Volksgruppe haben zur Folge, dass viele Stammesmitglieder versuchen, sich an die Bevölkerungsmehrheit der Assamesen anzupassen. Sie geben ihre kulturelle Identität auf, da diese von den anderen Volksgruppen als minderwertig und ungebildet angesehen wird. Durch diese Ausgrenzung entsteht auch eine hohe Arbeitslosigkeit, wodurch in weiterer Folge ein Abgleiten in Kriminalität oder Radikalisierung droht. „Sie sind in der Armut regelrecht verhaftet“, sagt Brunen.

In der Elisabethschule war er in einem Englisch-Leistungskurs, jetzt soll er indischen Bauernkindern die Sprache beibringen. „Zeitung lesen können, Theaterstücke proben - es geht um Alltagstaugliches.“

Er will den Mising helfen, den Spagat zwischen der Wahrung der kulturellen Identität und dem Aufbruch in die Moderne zu schaffen. Der Marburger wird am Projekt „Institut für kulturelle und ländliche Entwicklung“ (I-Card) teilnehmen. Es gebe keine „Bildungstradition“ in dem Landstrich, sagt Pater Thomas, Leiter des Projekts. Ziel ist es, dass die Weitergebildeten in ihren Dörfern Verantwortung übernehmen, Vorbildrollen ausführen. Funktionieren soll das, indem neben fachlichen Fertigkeiten auch ein kultureller Stolz vermittelt wird. Es geht um Hygiene, Säuglingsernährung, Frauenrechte und die Geschichte des Volks. In den vergangenen Jahren haben Brunens ehrenamtliche Vorgänger Pionierarbeit geleistet, der Marburger übernimmt „Gruppen mit einer gewissen Grundbildung“. Er freut sich auf die Aufgabe. „Man lernt, wenn man auf die Probe gestellt wird, wenn man Probleme bewältigen muss. Das reizt mich.“ Sprachlich wird er, da er fernab einer Tourismusregion leben wird, „ein paar Brocken Indisch lernen. Der Rest muss mit Mimik und Gestik irgendwie klappen.“

von Björn Wisker

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