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Heimische Flüsse sind voller Leben

Fischatlas Heimische Flüsse sind voller Leben

Vom Flussneunauge bis zum Sonnenbarsch, vom winzigen Zwergstichling mit wenigen Zentimetern Länge bis zum gewaltigen Wels, der schon mal zwei Meter erreicht: In Hessens Flüssen und Seen sind 43 Arten heimisch.

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Die Biologin und Expertin für Fischereiwesen Tanja Berg hat den „Atlas der Fische Hessens“ als Projekt von Landes-Umweltministerium und Hessenforst-Fena koordiniert. Erfasst sind auch die Bestände aus Lahn, Ohm und Wetschaft.

Quelle: Montage: Sven Geske. Fotos: Markus Bliesener/pixelio

Sarnau. Tanja Berg steigt mit Gummistiefeln in die Lahn. In Sarnau kann man vom Ufer aus gut den Fluss erreichen und darin umherwaten, das Wasser ist nicht besonders tief. Die Biologin ist Expertin für Fischereiwesen und für Hessenforst-Fena im Artenschutz tätig. „Selbst Fische leiden unter der Trockenheit dieses Sommers“, sagt Tanja Berg und berichtet von Flussarmen in Hessen, die gänzlich ausgetrocknet sind.

Harte Zeiten für die Fische - doch an der Lahn in Sarnau scheint alles in Ordnung zu sein. Das beweist Tanja Berg mit einer Hand voller blank gespülter schwarzer Kieselsteine, die sie aus dem Bachbett klaubt - „kein Schlick daran, die sind schön sauber“, sagt sie zufrieden und erklärt, dass Bachneunauge und Groppe, die im Schutzgebiet Wetschaft/Obere Lahn heimisch sind, dies als Voraussetzungen zum Laichen brauchen. „Und wenn zu wenig Wasser im Fluss ist, verschmutzt der Boden. Die Fische können ihre Eier dann nicht unter die Kiesel legen.“

Von der Trockenheit dieses Sommers einmal abgesehen, geht es den Fischen in Hessen wieder ganz gut - wieder, weil das noch in den 80ern ganz anders gewesen sei, erklärt Tanja Berg und denkt an die Strukturarmut in einst begradigten Bächen, an Einträge aus Industrie sowie Kläranlagen. „Doch es hat sich viel getan“, sagt sie. In die Flüsse dürfe nicht mehr so viel einge­leitet werden - und zahlreiche Renaturierungs- und Wiederansiedelung-Projekte verliefen erfolgreich.

Der Schneider kehrt in die Lahn zurück

So ist beispielsweise der Schneider, der bis auf ein Vorkommen in den 80er aus Hessens Flüssen verschwunden war, wieder zurückgekehrt. Möglich wurde dies durch ein Wiederansiedlungsgebiet bei Caldern, erzählt Tanja Berg.

Die Biologin hat als Fachfrau fürs Fischereiwesen in den vergangenen beiden Jahren ein Gemeinschaftsprojekt von Hessischem Umweltministerium und Hessenforst-Fena koordiniert. Das Ergebnis ist ein neuer, reich mit Fotos sowie Karten illustrierter „Atlas der Fische Hessens“, der sich auf fast 500 Seiten mit der „Verbreitung der Rundmäuler, Fische, Krebse und Muscheln“ in den heimischen Gewässern befasst. Und mit Artenschutz und Wiederansiedlungsprojekten - dazu gibt es ein Extra-Kapitel in dem Atlas.

Bereits 1996 habe es einmal einen Fischatlas für Hessen gegeben, berichtet Berg - „das war ein dünnes Büchlein, kaum vergleichbar mit dem neuen Buch“, sagt sie und verweist darauf, dass umfangreiche Auswertungen der Fena und von Fischereibehören mit eingeflossen sind. So bekommen Leser einen guten Eindruck vom Fischbestand in Hessen. Der Atlas führt 43 heimische Arten auf, dazu 18 Arten, die hierzulande nicht heimisch sind, sich aber vermehren, und 8 weitere Arten, die in den Flüssen der Region vorkommen, sich dort aber nicht fortpflanzen (das gilt für ausgesetzte Exoten oder versehentlich eingeschleuste Arten).

Viel Marburger Fachwissen ist eingeflossen in den Atlas. Autorenbeiträge lieferten die Diplom-Biologen Christoph Dümpelmann, Büro für Fischbiologie und Gewässerökologie, und Knut Gimpel, Büro für Biologische Gutachten und Beratung.

Geballtes Marburger Fachwissen

Der Atlas sei ein wertvolles Nachschlagewerk für alle Angler, sagt Tanja Berg, „aber auch für alle anderen, die sich für die Artenvielfalt interessieren - die Fische sind im Wasser und man sieht sie ja sonst nicht ohne Weiteres“. Eine Unterwasseraufnahme von einem Hecht, daneben Fotos von Meerneunauge, Bachmuschel und Edelkrebs: So offenbart schon die Titelseite des Fischatlas eine verborgene Welt unter der Wasseroberfläche von Lahn, Ohm, Wetschaft und anderen heimischen Gewässern, die es zu entdecken lohnt.

von Carina Becker

Bezugsquelle
Vom „Atlas der Fische Hessens“ sind 5000 Exemplare erschienen (ISBN 978-3-9814181-1-8). Das knapp 500 Seiten umfassende Buch gibt es zum Preis von 20 Euro beim Hessischen Umweltministerium, Oberste Fischereibehörde, Mainzer Straße 80, 65189 Wiesbaden, E-Mail: Sebastian.merkel@umwelt.hessen.de, Telefonnummer 0611/8151675, oder online.
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