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Heim-Mitarbeiterin greift in die Kasse

Veruntreuung Heim-Mitarbeiterin greift in die Kasse

Sie verwaltete das Geld vieler Altenheim-Bewohner und nutzte ihre Position offenbar aus: Eine langjährige Mitarbeiterin des städtischen Heims soll mindestens 10000 Euro veruntreut haben.

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Gegen eine Mitarbeiterin des Altenheims am Richtsberg, die die Taschengeldkonten der Bewohner verwaltete, wird wegen Veruntreuung ermittelt.

Quelle: Richter, Altmann (pixelio.de)

Marburg. Die Taschengeld-Ausgabe im Altenheim in der Sudetenstraße rückt ins Visier der Staatsanwaltschaft: Eine Mitarbeiterin des Heims der Marburger Altenhilfe St. Jakob GmbH soll insgesamt mindestens 10000 Euro veruntreut haben. Oberbürgermeister Egon Vaupel, der nachdem er das Dezernat von Stadträtin Kerstin Weinbach übernommen hat, auch Aufsichtsratschef des städtischen Tochterunternehmens ist, bestätigte gestern entsprechende Informationen der OP. Eine Strafanzeige ging am Freitag bei der Staatsanwaltschaft Marburg ein, sagte Sprecherin Annemarie Wied auf Anfrage der OP.

Sozialhilfe für Bewohner abgegriffen

„Bei routinemäßigen Kontrollen gab es Unstimmigkeiten“, sagte der Geschäftsführer der Marburger Altenhilfe, Jörg Kempf. Die langjährige Mitarbeiterin verwaltete treuhänderisch die Tagesgeldkonten der Bewohner. Ein Teil des Geldes kam vom Sozialamt, das den Berechtigten meist einmal pro Woche in der Heim-Verwaltung ausgezahlt wurde. In der Regel heben die Bewohner wöchentlich einen Teil ihres persönlichen Geldes ab. Die Mitarbeiterin des Heims war laut Kempf berechtigt, Ein- und Auszahlungen für die gut 170 Bewohner in der Sudetenstraße vorzunehmen.

Ein Vier-Augen-Prinzip gab es bei diesem Verwaltungsakt nicht, das heißt, die Frau wurde nicht unmittelbar kontrolliert. „Im Prinzip ging das Geld über die Verwaltung raus“, so Kempf. Dass kein Kollege etwas bemerkt habe, habe auch daran gelegen, dass die Frau Belege gefälscht habe, so Kempf. Das habe keiner so einfach feststellen können.

Kempf: Betrug fing wohl im Jahr 2011 an

Er betont: „Es ist kein Bewohner geschädigt worden. Das Geld wurde aus dem Gesamt-pool entwendet.“ Kempf und Vaupel erklärten unabhängig voneinander, dass sie davon ausgehen können, dass der finanzielle Schaden, der nicht den Bewohnern, aber der Altenhilfe entstanden sei, beglichen werde. Außerdem habe die Mitarbeiterin inzwischen einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet: Sie arbeitet nicht mehr im städtischen Tochterunternehmen. Nach dem die Geschäftsführung die Unstimmigkeiten bemerkte, habe man vor zirka zehn Tagen die Innenrevision um erneute Überprüfung gebeten.

Das Ergebnis habe zu der ersten Erkenntnis geführt, dass der Betrug vermutlich 2011 „ganz leise“ begann, so Kempf. „Die Staatsanwaltschaft muss das natürlich nun genau ermitteln“. Kempf informierte nach eigenen Angaben vergangene Woche den Aufsichtsrat und schaltete einen Rechtsanwalt ein. Die betroffene Mitarbeiterin sei nach der Rückkehr aus ihrem Urlaub vergangenen Dienstag mit den Vorwürfen konfrontiert worden und habe die Tat gestanden. Über die Motive wird unterdessen im Heim spekuliert - von einem traurigen menschlichem Schicksal ist die Rede.

„Damit hat keiner gerechnet“

Fest stehe, dass die Mitarbeiter schockiert seien. „Damit hat keiner gerechnet“, so Kempf. Ähnliche Aussagen machte vor zirka zwei Jahren auch Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), nachdem bekannt worden war, dass ein als vertrauenswürdig geltender Beamter mehr als 1,6 Millionen Euro aus der öffentlichen Kasse gestohlen hatte. Im Zuge der Aufarbeitung hatte die Stadt festgestellt, dass das Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungsvorgängen ignoriert worden war und künftig strengere Regeln bei der Kontrolle gelten müssen. Der Veruntreuungsfall endete juristisch mit einer Haftstrafe für den Beamten. Ein Akteineinsichtsausschuss der Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich mit der internen Aufarbeitung. Der Kriminalfall wurde somit auch zu einem Politikum.

„Vor krimineller Energie ist man nur zu einem gewissen Maße gewappnet“, sagte Vaupel gestern. Der aktuelle Fall bestätige, dass es vor einem Jahr richtig gewesen sei, Compliance-Regeln in der Stadtverwaltung aufzustellen, so der Oberbürgermeister.

von Anna Ntemiris

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