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Heiligenbilder statt Schmierereien

Schutz vor Vandalismus Heiligenbilder statt Schmierereien

Die graue Fassade der Kirche St. Peter und Paul in Marburg ist jetzt bunt. Die neuen Graffiti-Motive sollen verhindern, dass die Wand weiterhin durch illegale Graffiti beschädigt wird.

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Die Außenwände der Kirche St. Peter und Paul zieren nun bunte Graffiti. Togar Pasaribu (links) hatte das Projekt gemeinsam mit dem Graffiti-Künstler David Guzy angeschoben.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Über ein halbes Jahr Vorlauf hat das Projekt gebraucht. „Meiner Meinung nach hat sich das sehr gelohnt“, sagt der Graffiti-Künstler David Guzy, der mit Diakon Togar Pasaribu das Projekt übernahm. Als Pfarrer Klaus Nentwich ihn nach einer Idee fragte, was gegen die Graffitis an der Südseite der Kirche getan werden könne, hatte er die zündende Idee.

In einer Kirchenzeitung hatte Pasaribu von einer Aktion in Wuppertal gelesen, wo es ein ähnliches Problem gab. Dort wurden die beschmierten Wände durch eine eigene Gestaltung verschönert. Pasaribu fuhr selbst nach Wuppertal, um sich ein Bild zu machen. Die Künstler setzten die Geschichte des Heiligen Laurentius, dem Stadtpatron Wuppertals, im Comicstil um. „Das war der helle Wahnsinn“, erzählt der Diakon. „Das war kein Versuch der Kirche, einfach nur hip zu sein. Die Gestaltung ist richtig gelungen“.

Die katholische Gemeinde St. Peter und Paul will mit eigenem Graffiti-Projekt illegalen Graffiti vorbeugen.

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Der Pfarrer der Gemeinde in Wuppertal berichtete, dass auch vier Jahre nach der Neugestaltung keine neuen illegalen Graffitis gesprüht worden seien. „Wenn das ansatzweise bei uns so funktionieren könnte, wäre das vielleicht unser Ding“, hoffte Pasaribu. Denn das Überstreichen der besprühten Flächen mit grauer Farbe sei zuvor wirkungslos gewesen. Unter Graffiti-Sprayern gäbe es jedoch eine Art Ehrenkodex, so dass fremde Werke nicht „gecrosst“, also übersprüht werden – so die Hoffnung.

Bei einem Jugendprojekt im Waldtal hatte Togar Pasaribu David Guzy kennengelernt. Guzy kam selbst über einen Workshop zum Graffiti-Sprühen – das war 2001 beim Hip-Hop-Camp in Stadtallendorf, wie er erzählt. Zusammen haben sie das Konzept erarbeitet. „Andere Kirchen haben an den Seiten ja Fenster mit Heiligenfiguren oder Szenen mit Heiligen“, erklärt Pasaribu. So entstand die Idee für den äußeren künstlerischen Rahmen, ein Kirchenfenster darzustellen. Die ausgewählten Heiligen sollten natürlich auch in Marburg zur Stadt und zur Kirche passen. So standen schnell die Heilige Elisabeth sowie Petrus und Paulus fest. Dazu Philipp Neri, dessen 500. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird und der sich ebenso wie Don Bosco für Kinder und Jugendliche eingesetzt hat. Die großen Kirchenlehrer und Denker Augustinus und Franziskus  komplettieren die Wahl.

Künstler an regionalen Schulen gesucht

Um Künstler zu finden, wandten sich Togar Pasaribu und David Guzy mit ihrer Idee an das Landschulheim Steinmühle, die Stiftsschule in Amöneburg und den gemeinsamen Kunstkurs der Martin-Luther-Schule und der Elisabethschule. Sie riefen einen Wettbewerb aus, bei dem die Schüler eine Bleistiftzeichnung einreichen konnten. „Das sah alles richtig gut aus – ich war begeistert“, erinnert sich Pasaribu. Viele Schüler schreckte der christliche Hintergrund jedoch ab. „Es ist schon ein spezielles Thema“, beschwichtigt Pasaribu. In einem Workshop lernten die sieben Schüler Eva Becher, Natalie Föth, Ronja Heinzl, Johanna Pfalz, Lina Reinhard, Aron Schüßler und Julia Sprenger den Umgang mit der Spraydose und suchten die Farben aus. Kunstpädagogik-Student Guzy war verblüfft, wie schnell die Schüler das Gelernte umsetzen konnten. Die Motive der Schüler wurden fast genau von den Skizzen übernommen, nur manche Details waren für das Sprayen an der Wand zu filigran.

Fünf Samstage dauerte die Neugestaltung. Während dieser Zeit besuchte Kaleb Higgins aus Amerika David Guzy und beteiligte sich auch gleich mit zwei Motiven. Togar Pasaribu konnte nur bei einem Termin dabei sein, da er nach seiner Priesterweihe im Mai nach Neuhof bei Fulda ging. Er bedauere es sehr, dass er die Fertigstellung nicht richtig miterleben konnte. Besonders habe ihm gefallen, wie viele Gedanken sich die Schüler bei den Skizzen gemacht hätten, einige hätten sogar Erläuterungen beigelegt, erzählt er.

Vielleicht war die jüngste Graffiti-Aktion nicht die letzte. „Auch der Turm soll gestaltet werden, um auch diese Ecke zu verschönern“, verspricht Pfarrer Nentwich. Doch auch die neue Wandgestaltung wurde schon nach nur wenigen Wochen übersprüht (die OP berichtete). „Die Schmiererei an den gerade neu erstellten Graffitis hat uns alle enttäuscht. Wir hatten gehofft, dass durch die Gestaltung der Südwand durch Jugendliche ein Schandfleck weniger in der Stadt anzutreffen sei“, sagt Pfarrer Klaus Nentwich. Es wurde bereits ausgebessert und auch in Zukunft solle möglichst schnell reagiert werden. Ein Gemeindemitglied habe den Hinweis gegeben, dass die Graffitis über eine Schutzschicht vor dem Übersprühen geschützt werden können. Diese Maßnahme werde nun geprüft.

von Mareike Bader

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