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Heiligabend am Schreibtisch

Bereitschaft bei den Stadtwerken Heiligabend am Schreibtisch

Arbeiten, wenn andere unterm Christbaum sitzen – für Herbert Wagner nichts Besonderes. Der 57-Jährige ist von Beruf Schaltwärter und hat ein Auge darauf, dass an Weihnachten nirgendwo das Licht ausgeht.

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Herbert Wagner hat auf Computerbildschirmen Strom, Gas, Wasser, Wärme und Nahverkehr im Blick.

Quelle: Suria Reiche

Marburg. Wenn an den Fenstern der Marburger Häuser Lichterketten glänzen, es in den Wohnzimmern kuschelig warm ist und in den Küchen Gänsebraten in den Öfen schmoren, dann gibt es einen, auf den ganz sicher keiner verzichten will.

Vielleicht ist es den meisten nicht ständig bewusst, aber ohne den 57-jährigen Schaltwärter Herbert Wagner könnte es in einem Störungsfall dazu kommen, dass ganz Marburg im Dunkeln sitzt – und bei den Stadtwerken niemand davon etwas mitbekommt. Keine Frage, dass Wagner für diesen verantwortungsvollen Job auch mal seine Familie allein unterm Christbaum lassen muss. Alle Jahre wieder sitzt er an Heiligabend an seinem Schreibtisch in der Verbundwarte der Stadtwerke Marburg. Auf dem Schreibtisch hinter ihm steht ein einsamer kleiner Christbaum – ansonsten hat Weihnachten aber nirgends Einzug in dem Ein-Mann-Büro gehalten.

Um 14 Uhr beginnt der weihnachtliche Spätdienst. „Die Bescherung ziehen wir dann meist vor“, erzählt Wagner.

Und dagegen hatten seine zwei Kinder nichts, als sie noch klein waren? „Da gab’s schon manchmal lange Gesichter. Ich hab‘ ihnen dann erklärt, dass das mein Job ist. Das haben sie akzeptiert.“ Besonders traurig sei es aber gewesen, wenn eines seiner Kinder bei der Aufführung eines Krippenspiels beteiligt gewesen sei. „Aber in einem solchen Fall hat man ja zum Glück noch die Möglichkeit, dass ein lieber Kollege seine Schicht tauscht.“

Erster Ansprechpartner für die Kunden

Insgesamt sechs Schaltwärter arbeiten bei den Stadtwerken in drei Schichten: Früh, Spät- und Nachtdienst. In den 30 Jahren, in denen Wagner nun schon in seinem Beruf arbeitet, seien schon einige Spätdienste an Weihnachten zusammengekommen, sagt er. „Eigentlich ist das für mich inzwischen ganz normal.“

Aber nicht nur er müsse damit klarkommen, an Weihnachten nicht zu Hause zu sein. „Auch meine Familie muss sich darauf einstellen.“ Die trifft sich an Heiligabend nämlich, isst zusammen und verbringt gemeinsame Zeit.

Währenddessen sitzt Wagner an seinem Schreibtisch vor großen Bildschirmen. Strom, Gas, Wasser, Wärme und Nahverkehr – all das behält der 57-Jährige im Blick.

Zudem ist er der erste Ansprechpartner für den Kunden. „Wenn es zum Beispiel Stromausfälle gibt, dann klingelt hier bei mir das Telefon.“

Und die gab es auch an Weihnachten schon. „Tatsächlich sind die Feiertage Spezialtage, wo so was gern mal passiert. Warum das so ist, können wir uns auch nicht erklären“, sagt Stephan Mroß, stellvertretender Abteilungsleiter.

Wenn es tatsächlich so weit ist, dann ist Wagner dafür verantwortlich, den Bereitschaftsdienst zu alarmieren, der sich dann um das Problem kümmert. „Das A und O ist es, schnell und sicher wieder ans Netz zu gehen.“

Aber nicht nur in einem Störungsfall klingelt das Telefon in dem kleinen Büro: „An Heiligabend waren schon einige interessante Gespräche dabei. Manchmal ruft hier jemand an, nur weil er wen sucht, mit dem er sprechen kann.“

Und dass er bei den Stadtwerken an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang jemanden erreicht, ist laut Pressesprecher Pascal Barthel eine Selbstverständlichkeit: „Das gehört zur Firmenphilosophie, und wir machen das gern.“

Die Dienstpläne werden bei den Stadtwerken schon lange im Voraus gemacht. So weiß jeder, wie er sein Jahr planen kann. „Und durch die Dienstverschiebung relativiert sich das Ganze auch wieder. Wer dieses Jahr an Weihnachten und Silvester arbeiten muss, hat vielleicht im nächsten Jahr an beiden Tagen frei“, betont Mroß.

Auch Herbert Wagner hat in diesem Jahr Glück gehabt: An Heiligabend hat er Frühdienst und kann so das miterleben, was er an Weihnachten am schönsten findet: gemeinsame Zeit mit der Familie.

von Suria Reiche

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