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Hecks Aussage schlägt hohe Wellen

Islam-Debatte Hecks Aussage schlägt hohe Wellen

Mit seiner Aussage „Zur deutschen Identität gehört der Islam aber nicht, anders als unsere christlich-jüdischen Wurzeln“, ­erntete der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Zustimmung und Ablehnung gleichermaßen.

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Steht mit seinen Äußerungen derzeit im Fokus: Stefan Heck

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Heck hat mit einer Stellungnahme zur Islam-Debatte in Deutschland, die er als Landesvorsitzender der Jungen Union Hessen öffentlich machte (siehe im Wortlaut), das wohl größte Echo seiner Politikerkarriere erhalten. Zustimmung und Ablehnung halten sich dabei die Waage, wobei ablehnende Kommentare und Stellungnahmen oftmals von einer drastischen Wortwahl gekennzeichnet sind. So sagte der hessische Juso-Landesvorsitzende Pascal Barthel: „Es ist mehr als beschämend für einen gewählten Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des hessischen CDU-Nachwuchses, sich ausgerechnet jetzt mit so flachen Aussagen medial profilieren zu wollen.“ Und weiter: „Während sich der überwiegende Teil der etablierten Politiker ernsthaft mit Integration und Flüchtlingspolitik auseinandersetzt, gehört Heck zu den wenigen, wie beispielsweise die AfD, die sich auf Kosten Schwächerer jetzt profilieren wollen.“

Verbal noch deutlicher wird die Landesvorsitzende der Partei Die Linke, Heidemarie Scheuch-Paschkewitz: „Heck steht mit seiner Äußerung in der Tradition der hessischen Stahlhelm-CDU, die aus Rücksicht auf den grünen Koalitionspartner die Junge Union vorschickt. [...] Die hessische CDU-Spitze muss damit aufhören, rassistische Äußerungen von Hans-Jürgen Irmer und nun auch Stefan Heck stillschweigend zu tolerieren.“

Die Grüne Jugend Hessen sagt dazu: „Mit solchen Äußerungen beweist die Junge Union, dass sie selbst in der Vergangenheit hängengeblieben ist. Die über vier Millionen Muslime in Deutschland gehören heute genauso selbstverständlich zu unserer vielfältigen Gesellschaft, wie alle anderen Menschen auch. Sie sind aus unserem heutigen Lebensbild nicht mehr wegzudenken und bereichern uns alle. Die terroristischen Verbrechen von Paris dürfen nicht dazu genutzt werden, pauschal dem Islam die Teilhabe an unserer Gesellschaft und Wertegemeinschaft abzusprechen.“

Zuspruch erhält Heck für sein Statement in den Kommentaren auf seinem Facebook-Auftritt im Internet. Einer schreibt: „Es ist so. Der Islam gehört nicht zur deutschen Identität. Schön, dass auch jemand mal eine andere Meinung hat (als die Kanzlerin)“. Ein weiterer schreibt gar: „Wenn alle Mitglieder deiner Fraktion so denken und handeln würden, würde ich ab sofort wieder CDU wählen und nicht die AfD.“ Ein anderer schreibt unter anderem: „Frau Merkel sollte es vermeiden, plötzlich Religionen in Bezug auf Deutschland ins Spiel zu bringen.“ Und an anderer Stelle heißt es: „Staat ist Staat und hat mit Kirche unmittelbar nichts zu tun.“

Eine Frau wirft die Frage auf: „Hat es die [deutsche Identität] je gegeben? 1870? Und wer braucht so etwas eigentlich wozu?“ Und ein weiterer fragt: „Wer sind wir? Ein guter Freund von mir ist in Deutschland geboren und ist Deutscher. Er heißt jedoch Ahmet und hat türkisch-muslimische Wurzeln. In 100 Jahren wird Ahmet ein typischer deutscher Name sein. Oder gehören ,die‘ in 100 Jahren immer noch nicht dazu?“

Eine Person schreibt hingegen: „Die Islamisierung schreitet voran. Sie ist keine fremdenfeindliche, krankhafte Phobie von Menschen, die in der Gesellschaft zu kurz gekommen sind - sie ist ein unwiderlegbarer Prozess in Medien, Politik, Bildungssystem, Kultur und Justiz. Stoppen wir ihn jetzt. Bevor Europa in Barbarei versinkt und Köpfe von friedlichen Bürgern abgeschnitten werden, Kinder ermordet werden, unsere Freiheit ausgelöscht wird.“

Eine Frau erinnert daran: „Die Scharia ist für Moslems das, was die zehn Gebote für die Christen sind.“ - Laut Gesetz hat eine Frau in Deutschland die gleichen Rechte an gemeinsamen Kindern wie der Vater. Laut Scharia sei das aber nicht möglich. Das mache ein Zusammenleben schwierig.

Im Wortlaut

„Mit der Übernahme des umstrittenen Zitats von Altbundespräsident Wulff hat die Bundeskanzlerin die Integrationsdebatte nicht weitergebracht“, sagte der JU-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Heck. „Wir haben in Deutschland Religionsfreiheit und respektieren, dass Muslime ihre Religion bei uns leben. Zur deutschen Identität gehört der Islam aber nicht – anders als unsere christlich-jüdischen Wurzeln. Wer einen anderen Eindruck zu erwecken versucht, verwischt historische Konturen“, sagte Heck. Die Junge Union Hessen wirbt für einen offenen Umgang mit dem Islam: „Wer Vorbehalte und Ängste schürt, wie es die Pegida-Führung tut, handelt unverantwortlich und spielt in gefährlicher Weise mit unserem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zu einem offenen Dialog gehört es aber auch, unterschiedliche Auffassungen zu benennen und geschichtliche Zusammenhänge aufrichtig einzuordnen. Die Muslime in Deutschland dürfen von uns eine ehrliche Debatte erwarten“, erklärte der JU-Landesvorsitzende.

von Götz Schaub

Kommentar von Götz Schaub

Nicht wieder ins Mittelalter

In Zeiten von Twitter, Facebook und Co ist es tausendmal schwieriger geworden, eine Meinung zielgerichtet und vor allem unmissverständlich in die Öffentlichkeit zu bringen. Jede Formulierung muss abgewogen werden, ob sie missverstanden werden kann. Und in der Tat rudern immer öfter Politiker nach markigen Kommentaren noch eifriger zurück, weil sie die Wirkung ihrer Worte deutlich unterschätzt haben. Die Äußerungen von Dr. Stefan Heck (siehe „Im Wortlaut“) transportieren mehrere Botschaften. Niemand geht dabei auf seine klare Haltung zu Pegida ein. Es ist nur der Satz über die deutsche Identität, der die heftigen Reaktionen ausgelöst hat. Und diesen Satz hätte Heck in der Tat als verantwortungsvoller Politiker so nicht sagen dürfen. Menschen in Deutschland nach Religionszugehörigkeit trennen zu wollen, ist ein Katapult zurück ins Mittelalter.

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