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Hausbesetzer wollen länger bleiben

Ehemalige Augenklinik Hausbesetzer wollen länger bleiben

Das frühere Gebäude der Uni-Augenklinik, in dem die Uni jetzt die Nutzung durch den Fachbereich Pharmazie plant, wurde am Wochenende besetzt. Rund 100 vorwiegend studentische Besetzer halten das derzeit leerstehende frühere Klinikgebäude seit Freitag gegen 22 Uhr und demonstrieren für bezahlbaren Wohnraum.

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Zwei Besetzerinnen weisen auf das „Besetzt-Banner“ vor dem Innenhof der ehemaligen Augenklinik hin.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. In einer Pressemitteilung machen sie darauf aufmerksam, dass sich seit der Besetzung der alten Fronhofschule im Februar die Missstände in der Wohnungspolitik in Marburg nicht geändert hätten und dass bezahlbarer, selbstverwalteter Wohnraum in Marburg fehle.  „Wenn so ein riesiges Gebäude mitten in der Stadt leer steht, finden wir es legitim, uns dieses anzueignen“, teilt eine der Besetzerin mit.

Freiwillige Räumung wird vorrausgesetzt

Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne bot den Besetzern an, die bis zum Ende dieser Woche in dem Gebäude geplanten Veranstaltungen zum Thema „Wem gehört die Stadt?“ zu dulden. Voraussetzung seien jedoch die anschließende freiwillige Räumung sowie das Recht einer Begehung für Mitarbeiter der Uni-Verwaltung während der Besetzung.
Dieses Angebot lehnten die Besetzer ab und forderten einen „öffentlichen und transparenten Aushandlungsprozess“ mit Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause. Die Präsidentin bedauerte die „fehlende Verhandlungsbereitschaft“ der Besetzer. „Wer auf ein konkretes Angebot mit politischer Rhetorik reagiert und auf Zeit spielt, hat offenbar kein Interesse an einer Einigung“, kritisierte sie. Das Präsidium werde nun über das weitere Vorgehen beraten. Möglich wäre eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und eine polizeiliche Räumung.  

Die Geschichte von Beginn an

Vor dem Eingang zum Innenhof der früheren Augenklinik sitzt unter einem blauen Freiluft-Zelt das „Empfangskomittee“, das aus zwei jungen Männern besteht. Vor ihnen auf dem Tisch liegen mehrere Infoblätter, die auf die Gebäudebesetzung hin. Dahinter beginnt die „besetzte Zone“, worauf ein großes Banner hinweist. Direkt vor dem Hintereingang im Hof ist ein „Outdoor“-Wohnzimmer aufgebaut, das halb im Schatten gelegen ist, und wo mehrere Besetzer am Sonntag Mittag gemütlich sitzen.
„Wir haben die ehemalige Augenklinik seit Freitag um 22 Uhr besetzt“, berichtet Kim vom Presseteam der Besetzergruppe im Gespräch mit der OP. „Dieses riesige Gebäude mitten in Marburg steht leer“, kritisiert sie und fügt an, dass die Initiative aus Studierenden und anderen Menschen nicht nur auf die problematische Wohnungssituation in Marburg hinweisen wolle. „Wir suchen auch einen unkommerziellen Freiraum, in dem es möglich ist, sich selbstverwaltet zu treffen“, sagt Kim. Und diese Räume könnten zumindest aus Sicht der bis zu 100 Besetzer in der derzeit nicht von der Universität genutzten Uni-Augenklinik liegen.

Sanierung im Jahr 2014

Das Gebäude soll aber laut Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne Nonne nicht mehr lange leer stehen: In der Augenklinik plant die Uni-Leitung seinen Angaben zufolge ab dem  Jahr 2014 die Sanierung der Räume, so dass dort Teilbereiche des Fachbereichs  Pharmazie untergebracht werden können. Erste Umbauten für das mit 11 Millionen Euro aus dem Sonderprogramm des Hochschulpakts 2020 geförderte Projekt sollen bereits ab dem Herbst erfolgen.

Seit Freitagabend wird das ehemalige und seit 2011 leerstehende Gebäude der Augenklinik besetzt. Die AKtion kritisiert das Fehlen von bezahlbarem und
selbstverwalteten Wohnraum in Marburg.

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Doch die Besetzer haben kurzerhand das Gebäude in Beschlag genommen und aus der Augenklinik ihre „(T)raumklinik“ gemacht. Bei einer „Führung“ durch das Presseteam zeigt sich, dass diese Inbeschlagnahme in den größtenteils nicht mehr möblierten Räumen noch recht improvisiert ist. In den „Schlafräumen“ im obersten Stockwerk lagern Matratzen, Schlafsäcke und Isomatten auf dem Fußboden. In der „Küche“ wird mit notdürftigen Mitteln Essen zubereitet. Vom Dach aus ist sogar ein „touristischer“ Blick auf die gegenüberliegende Elisabethkirche möglich. Geplant ist von den Besetzern unter anderem, in einem noch bestuhlten Hörsaal mit Hilfe eines Beamers Filme zu zeigen.

Schnaps und Drogen sind verboten

Die Stimmung bei den Besetzern ist gut, auch wenn die letzte Nacht wegen der vielen Diskussionen kurz war. Am Gebäudeeingang hängt ein Hinweis, dass dies keine „Partybesetzung“ sei. Schnaps und Drogen seien verboten und Bier solle nur in Maßen getrunken werden. „Wir wollen nichts kaputtmachen“, erklärt Klara vom Presseteam. Allerdings kam es in der Nacht von Samstag zu Sonntag zu einem nach Mitteilung der Marburger Feuerwehr wohl „böswilligen Alarmierung über Druckknopfmelder“, der zu einem Einsatz von 30 Feuerwehrkräften und weiteren Polizeibeamten in der Augenklinik führte. „Einzelne Besetzer versuchten sogar noch das notwendige Vordringen der Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr zu verhindern und stellten sich ihnen in den Weg“, schreibt Einsatzleiter Dirk Bamberger und berichtet zudem von einer „vereinzelten Grundaggression uns gegenüber“.

Eine Sprecherin der Besetzer sagte dazu auf Anfrage der OP, dass es in dem Moment aufgrund des unerwarteten Einsatzes mitten in der Nacht bei den Besetzern einen Ausnahmezustand gegeben habe. Nicht klar sei, wer den Fehlalarm ausgelöst habe. Die Arbeit der Feuerwehrleute sei jedoch von ihnen nicht behindert worden.  Ob die Uni-Leitung die Besetzung weiter toleriert, hängt von den weiteren Verhandlungen ab, nachdem sich Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause über die mangelnde Verhandlungsbereitschaft der Besetzer beklagt hatte und diese einen „öffentlichen Aushandlungsprozess“ gefordert hatten.

von Manfred Hitzeroth

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Besetzte Augenklinik
Polizisten begannen gegen 15 Uhr die Besetzer aus der ehemaligen Augenklinik herauszutragen.

Am Montagnachmittag gegen 15 Uhr räumte die Polizei die besetzte ehemaligen Augenklinik. Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne hatte in seiner Funktion als Hausherr die Räumung veranlasst. In der Nacht zu Dienstag gegen 21 Uhr zogen noch einmal 50 bis 60 Demonstranten von der Polizei begleitet durch die Innenstadt und demonstrierten.

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