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Hat ein Arzt eine 14-Jährige sexuell missbraucht?

Gerichtsverhandlung Hat ein Arzt eine 14-Jährige sexuell missbraucht?

Ein Marburger Allgemeinarzt steht seit gestern vor dem Marburger Landgericht: Ihm wird der schwere sexuelle Missbrauch einer zum Tatzeitpunkt 14-jährigen Patientin vorgeworfen.

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Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Arzt soll an seiner minderjährigen Patientin „beischlafähnliche Handlungen vorgenommen haben, die mit dem Eindringen in den Körper verbunden waren“, wie es im Gerichtsdeutsch heißt. Der mit zwei Verteidigern anwesende Arzt bestreitet alle Vorwürfe, machte aber gestern zum Auftakt der auf vier Prozesstage angesetzten Verhandlung keine Aussage. Im Fall einer Verurteilung droht dem Arzt Berufsverbot für die Behandlung von Patientinnen unter 16 Jahren.

Der Vorfall in der Praxis eines Allgemeinarztes in Marburg soll sich laut Anklageschrift am 3. April 2009 abgespielt haben. Laut der Anklageschrift passierte folgendes: Der Arzt habe die junge Frau auf dem Handy angerufen, weil er mit ihr reden wollte, und habe sie dann in die Praxis bestellt, um sie wegen einer Halsentzündung zu behandeln. Gegen 13.30 Uhr sei die 14-Jährige in der Praxis erschienen, wo der Arzt alleine gewesen sei und nach dem Eintreffen der Patientin die Tür verschlossen habe. Dann habe er zunächst den Hals der jungen Frau untersucht.

Dann soll laut Anklage eine Ultraschall-Untersuchung erfolgt sein, für die die Patientin ihren Unterleib entblößen und sich auf den Rücken legen sollte. Dann habe der Arzt zunächst den Finger in der Scheide der Patientin hin und her bewegt, was er wiederholt habe, als sie sich auf den Bauch und in die Seitenposition gelegt habe.

Anschließend habe er einen vibrierenden Gegenstand in die Scheide der jungen Frau eingeführt und sie mit der Hand im Schambereich gestreichelt. Zum Schluss habe er ihr noch Tabletten gegen die Halsentzündung verschrieben.

Die heute 17-Jährige war mehrere Jahre Patientin des Arztes gewesen. Sie war gestern in Begleitung einer Anwältin als Nebenklägerin während der Verhandlung im Gerichtssaal anwesend.

Zunächst machten gestern eine Polizeikommissarin als Zeugin und ein Allgemeinmediziner als Gutachter ihre Aussagen. Im Anschluss daran sollte eigentlich die Vernehmung der Nebenklägerin erfolgen, für die der Vorsitzende Richter der 3. Strafkammer des Landgerichtes, Dr. Thomas Wolf, aus Gründen des Schutzes der Intimsphäre der Minderjährigen den Ausschlus der Öffentlichkeit angeordnet hatte.

Doch die Vernehmung wurde vertagt, weil der Gesundheitszustand des Angeklagten nur eine Verhandlungsteilnahme von bis zu drei Stunden ermöglicht.

Bei ihrer Zeugenaussage berichtete die Polizistin von einer polizeilichen Durchsuchung in der Praxis des angeklagten Arztes, die im Juli 2009 erfolgte. Dabei beschlagnahmte das Durchsuchungsteam die Krankenakten der Patientin und suchte zudem gezielt nach gynäkologischen Instrumenten. Die Polizisten fanden in den Praxisräumen dabei zwar ein Ultraschallgerät, aber keinen speziell für gynäkologische Untersuchungen geeigneten Ultraschallkopf, sondern nur Spreizgeräte für einfache gynäkologische Untersuchungen. Der Arzt bestreitet aber nach OP-Informationen, in diesem Fall eine gynäkologische Untersuchung vorgenommen zu haben.

Darf ein Allgemeinarzt überhaupt Untersuchungen an Patientinnen vornehmen, die ansonsten in das Fachgebiet eines Frauenarztes fallen? Zu dieser Frage sagte ein Allgemeinmediziner aus Darmstadt als Gutachter, dass dieses grundsätzlich erlaubt sei, wenn dieser eine gynäkologische Zusatzausbildung vorweisen könne. Bei Untersuchungen von jungen Frauen solle aber noch eine Arzthelferin im Raum mit anwesend sein. Vorwiegend gehe es bei solchen Unteruchunge eines Allgemeinarztes um Infektionsdiagnostik, aber mithilfe einer Ultraschalldiagnostik könne eventuell auch eine Schwangerschaft diagnostiziert werden.

Bei der Fortsetzung der Verhandlung soll eine Psychologin als Gutachterin erläutern, für wie glaubwürdig sie die Aussagen der Nebenklägerin hält.

von Manfred Hitzeroth

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