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„Hast du jetzt endlich erreicht, was du wolltest?“

Amtsgericht Marburg „Hast du jetzt endlich erreicht, was du wolltest?“

Wegen angeblicher Übergriffe, Nachstellung, falscher Verdächtigung und Belästigung mehrerer Frauen steht ein 26-Jähriger vor Gericht. Auch der zweite Verhandlungstag brachte keine eindeutige Schuldzuweisung.

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Ein junger Mann ist angeklagt, weil er auf einer Erotikseite ein falsches Internetprofil mit den Daten einer jungen Frau angelegt haben soil.Archivfotos/Montage: Sven Geske

Quelle: Julian Stratenschulte

Marburg. Der 26-Jährige soll Anfang vergangenen Jahres eine Kommilitonin angegriffen und bei der Polizei unwahre Angaben über angebliche Selbstmordabsichten der Frau gemacht haben (die OP berichtete, siehe unten).

Der Angeklagte begründet dies mit freundschaftlicher Sorge um die Bekannte. Des Weiteren soll er mehrere falsche und teils obszöne Internetprofile von jungen Frauen erstellt und diese wiederholt belästigt und bedroht haben. Dies bezeichnete der Angeklagte als Verschwörung gegen ihn. Während der Verhandlung am Donnerstag bestätigte einer der wachhabenden Beamten, dass der Angeklagte die Gießener Polizei aufgesucht und über die mutmaßlichen Selbstmordabsichten der Geschädigten informierte. Während des Gesprächs habe er einen „besorgten Eindruck“ gemacht. Nach einer Überprüfung der jungen Frau hatten die alarmierten Beamten keine Suizidgefahr feststellen können.

Angeklagter will Nachricht aus Wut verfasst haben

Die betroffene Studentin sagte erneut vor Gericht aus. Sie berichtete, dass sie die Polizei mehrfach über anhaltende Belästigung, wiederholte Anrufe und beleidigende, bedrohliche Nachrichten des Angeklagten an sie informierte. Auch nach der vergangenen Verhandlung Mitte Oktober erhielt sie eine weitere E-Mail von dem offiziellen Kontaktprofil des Angeklagten.

„Hast du jetzt endlich erreicht, was du wolltest?“, hatte ihr der Angeklagte geschrieben, der das bestätigte. Die Nachricht habe er aus Wut über die Frau verfasst, die seiner Meinung nach mit Absicht Lügen über ihn verbreite und daran Spaß fände. „Ich finde das überhaupt nicht lustig“, sagte die aufgebrachte Studentin. Über Monate hinweg würde der Mitstudent sie gezielt verfolgen, verleumden und belästigen, erklärte die Zeugin. Aus diesem Grund habe sie mittlerweile ihre Telefonnummer sowie E-Mail gewechselt und sei umgezogen.

Der Angeklagte berichtete hingegen erneut von einem freundschaftlichen Umgang und wiederholtem Austausch zwischen beiden. Als Beweis übergab er dem Gericht sein Handy zur weiteren Überprüfung, in dem Nachrichten der Geschädigten von vor rund zwei Jahren gespeichert sein sollen.

Während der ersten Verhandlung hatten mehrere junge Frauen von bedrohlichen und beleidigenden Nachrichten in einem sozialen Netzwerk berichtet, als deren Verfasser sie den Angeklagten verdächtigten.

Beschuldigter weist Zeugen auf Wahrheitspflicht hin

Die gespeicherten Anmelde- und Nutzerdaten der Internetplattform liegen dem Gericht mittlerweile vor. Sie belegen, dass die genutzten IP-Adressen von dem Hausanschluss des Angeklagten stammen. Dieser sagte, dass es sich bei diesem um einen offenen Wireless-Lan-Anschluss handele und demnach jeder auf die Verbindung hätte zugreifen können.

Zu dem Folgetermin ließ der Zeugenbeistand der betroffenen Frauen dem Gericht eine Mitteilung zukommen, in dem über weitere Nachrichten berichtet wurde. Nach der vergangenen Verhandlung soll der Angeklagte den Frauen über ein weiteres, nicht näher bestimmtes Internetprofil schriftlich gedroht und ihnen betrügerische Absichten vorgeworfen haben. Die Texte enthalten neben Bibelzitaten Androhungen wie eine „baldige Konfrontation“ oder „lebendig begraben“ zu werden.

Ein weiterer Zeuge berichtete, dass er ebenfalls von dem Angeklagten kurz vor der Verhandlung auf seine Wahrheitspflicht vor Gericht hingewiesen wurde. Der Beschuldigte gab das zu. Sein Verhalten sei eine Amtsanmaßung, belehrte ihn Richter Dominik Best und untersagte dem Mann, weitere Zeugen in dieser Weise anzuschreiben.

Weitere Zeugen gaben an, dass sie von einigen der betroffenen Frauen gebeten wurden, bei Treffen mit dem mutmaßlichen Stalker aus dem Hintergrund heraus aufzupassen.
Fehlende Beweise, unterschiedliche Zeugenaussagen über den mutmaßlichen Stalker und nicht zuletzt die Anonymität des Internets erschweren weiterhin eine eindeutige Zuordnung des Täters. Die Verhandlung wurde daher erneut vertagt auf den 20. November.

von Ina Tannert

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Amtsgericht Marburg
Ein junger Mann ist angeklagt, weil er auf einer Erotikseite ein falsches Internetprofil mit den Daten einer jungen Frau angelegt haben soil.Archivfotos/Montage: Sven Geske

Ein obszönes Fake-Profil im Internet, Übergriffe auf eine junge Frau und vermeintliche Lügen gegenüber der Polizei haben einen 26-Jährigen vor das Amtsgericht gebracht.

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