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Hamann-Preis für einen Erneuerer seines Fachs

Universität Marburg Hamann-Preis für einen Erneuerer seines Fachs

Ein scharfzüngiger Kolumnist, der das gesamte Spektrum der Bildenden Kunst im Blick hat: So wird der ehemalige Marburger Wolfgang Kemp beschrieben. Und so präsentierte er sich auch den rund 350 Besuchern in der Alten Aula.

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Laudator Felix Thürlemann (von links), Stifterehepaar Peter und Karin Ahrens, Uni-Präsidentin Katharina Krause sowie Preisträger Wolfgang Kemp bei der Verleihung des Richard Hamann-Preises 2013.

Quelle: Philipps-Universität/Thomas Scheidt).

Marburg. Ein Kunsthistoriker der alten Schule und gleichzeitig einer der ganz großen Erneuer des Fachs: So beschrieb Professor Felix Thürlemann von der Universität Konstanz in seiner Laudatio seinen Hamburger Kollegen Professor Wolfgang Kemp.

Der ehemalige Marburger Hochschullehrer erhielt am Samstag während der 100-Jahr-Feier des Kunstgeschichtlichen Instituts und des Bildarchivs Foto Marburg den Richard Hamann-Preis für Kunstgeschichte. Der Hamann-Preis wird vom Marburger Unternehmer-Paar Karin und Peter Ahrens gestiftet. Thürlemann erklärte den mehr als 350 Zuhörern, dass Kemp zu den ersten Kunsthistorikern in Deutschland gehört, die sich intensiv mit dem Medium der Fotografie auseinandergesetzt haben.

Werk von Kemp war für Krause ein Augenöffner

Die lange Liste seiner Buchpublikationen sei ebenso außergewöhnlich wie seine Themenvielfalt.

Kemp habe dazu beigetragen, das Fach Kunstgeschichte neu zu definieren. Marburgs Universitäts-Präsidentin Professorin Katharina Krause - sie ist Kunsthistorikerin - wurde am Samstag einen Moment lang sehr persönlich: „Ich freue mich, dass Sie den Preis erhalten. Ich sage das nicht, weil ich das muss, sondern in Erinnerung an die wiederholte Lektüre Ihrer Bücher“. Ein Werk Kemps war 1985 für sie persönlich ein Augenöffner, „es eröffnete eine neue Perspektive auf Bilder und Werke.“ Dass Kemp - wie Thürlemann beschrieb - ein scharfzüngiger Kolumnist ist, der „mit seinen eleganten, ironisch gebrochenen Texten dem Kunstbetrieb, aber auch seinem eigenen Fach und dem Wissenschaftsbetrieb überhaupt, regelmäßig den Spiegel vorhält“, bewies der Preisträger in seinem Vortrag mit dem Titel „Wie man Denkmäler ersetzt. Ein Beitrag zur Erinnungskultur der Weimarer Republik“.

Der Preisträger zeigte in Worten und Bildern Beispiele von Denkmälern, die abgebaut und ersetzt oder erneuert wurden. Seine These: Das „Erbgut, das die Weimarer Zeit mit den Denkmälern der Epoche vor 1914 übernommen hatte“, sei „Ablehnung, Aversion, fast schockhaftes Zurückschrecken einerseits und die Frage nach dem geistigen Erbe, dem Fortleben andererseits“.

Daneben habe es in der Weimarer Zeit aber auch pragmatische Akte der Denkmalkritik und des Denkmalsturzes gegeben, erläuterte Kemp: Der Selbstabbau durch Korrosionsprozesse, der Abbau durch Anbau von Gegendenkmälern, der Abbau und Ersatz und schließlich der Abbau ohne Ersatz. Kemp schloss seinen Vortrag mit der Feststellung, dass gerade Monumente, die für die Ewigkeit geschaffen würden, in der hier behandelten Zeit zu den kurzfristigsten Kunstschöpfungen überhaupt gehören.

Preisträger verdankt seinen Werdegang Marburg

„Ohne Marburg hätte die Jury nicht so viel Preiswürdiges an mir gefunden“, hatte Wolfgang Kemp zu Beginn seiner Rede erklärt. Marburg, Haman und das Ernst-von-Hülsen-Haus hätten sein wissenschaftliches Schaffen auf eine völlig neue Bahn geworfen. Das Ernst-von-Hülsen-Haus habe benachbarte Fächer in offener Raumordnung verbunden und so eine Art Werkgemeinschaft geschaffen, wie sie ihm vorher und nachher nie wieder begegnet sei.

Die Uni-Präsidentin bedankte sich bei den Stiftern Peter und Karin Ahrens, die seit Jahren der Universität in selbstloser Freundschaft verbunden seien. Peter Ahrens erklärte, dass der Preis Ausdruck des Dankes dafür sei, dass der jeweilige Geehrte die Welt durch seine Gedanken, seine Forschung und auch durch seine Persönlichkeit bereichere. „Ohne Kunst, ohne Universität und ohne das Museum wäre Marburg eine kulturarme Stadt. Und der Mensch lebt nunmal nicht von Brot allein“, so Peter Ahrens.

Brot und noch viel mehr gab es dann im Anschluss an die Preisverleihung - während des Empfangs anlässlich der Jubiläumsfeier der Institute. Nach Schätzungen der Universität kamen über den Tag und Abend verteilt mehr als 500 Menschen - darunter viele Wissenschaftler aus ganz Deutschland.

von Anna Ntemiris

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