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Halloween und ein unlustiger Trend

Horror-Clowns Halloween und ein unlustiger Trend

Diese Clowns bringen keine Freude. Denn die Maskierten wollen nur eines: Schrecken verbreiten. Gerade am Verkleidungsfest Halloween ist die Wahrscheinlichkeit groß, auf einen solchen Clown zu treffen.

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Diese Clowns bringen keine Freude. Denn die Maskierten wollen nur eines: Schrecken verbreiten.

Quelle: Paul Zinken

Marburg. Er spürt die tippenden Finger auf seiner Schulter und dreht sich hastig um. Die Axt in der Hand des Clowns, der ihm in diesem Moment gegenübersteht, blitzt auf. Der unheimliche Horror-Clown-Trend (siehe Hintergrundkasten, Foto: Paul Zinken/dpa) ist nun also auch im Landkreis angekommen. Der Mann im genannten Beispiel, das sich in der vergangenen Woche in der Marburger Frauenbergstraße ereignete, blieb nach Angaben der Polizei „cool“. Er machte dem verkleideten Axtträger schnell klar, dass er weder schreiend weglaufen würde, geschweige denn die Angelegenheit besonders witzig fände. Daraufhin suchte der Clown das Weite.

Solch zunächst wenig gefährlich anmutende Situationen können jedoch auch schnell ins Gegenteil umschlagen. Und sei es nur, weil das Opfer eben nicht „cool“ bleibt. In Kassel hatte sich in der vergangenen Woche ein 16-Jähriger derart vor einem Clown erschreckt, dass er bei seiner Flucht fast von einem Auto angefahren wurde.

Immer mehr Deutsche feiern Halloween

Zum Thema Gruseln passt dann auch perfekt die anstehende Nacht, in der Halloween gefeiert wird. Das US-amerikanische Fest hat auch in Deutschland immer mehr Freunde. Allein in Marburg gibt es zwei große Halloween-Partys. Müssen wir uns also darauf einstellen, dass heute Horden wildgewordener Clownsfratzen durch die Straßen ziehen? „Eines ist ganz klar: Wer außerhalb solcher Feiern verkleidet andere Menschen erschreckt, muss auch damit rechnen, eventuell strafrechtlich belangt zu werden“, sagt Polizeipressesprecher Martin Ahlich. Denn der Angreifer könne die Reaktion, die sein Handeln hervorruft, niemals genau absehen. Wenn einem Opfer beispielsweise vor Schreck schlecht würde und sich eventuell übergeben müsse, so sei auch dies ein Akt der Körperverletzung. Auch könne der Erschreckte unter Herzproblemen oder an anderen medizinischen Vorbelastungen leiden. Dann wird aus dem schlechten Scherz schnell bitterer Ernst.

Natürlich sind die Clownsmasken leicht im Handel zu erwerben, und der Besitz von Plastik-Kettensägen oder -Baseballschlägern ist nicht strafbar, erklärt Ahlich. Wie schnell diese „Spielzeuge“ jedoch als solche zu erkennen sind, bleibt eine Frage, die sich der „Angreifer“ auch stellen muss. Am vergangenen Montag wurde ein Grusel-Clown in Berlin mit einem Messer niedergestochen, nachdem er eine Gruppe Jugendlicher bedroht hatte. Der 16-Jährige mit der Clownsmaske wurde durch den Messerstich schwer verletzt und musste sogar notoperiert werden,

Eine Teilschuld am „Grusel-Hype“ sieht Polizeisprecher Ahlich in der verstärkten medialen Beachtung. „Am liebsten würde ich gar nichts mehr zu dem Thema sagen“, erklärt er. Trittbrettfahrer seien ja schließlich erst durch die Berichterstattung auf den Trend aufmerksam geworden.

Beleg dafür, dass es auch wirklich einen Trend gibt, ist eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Diese hat ergeben, dass der Polizei im Oktober mindestens 370 Zwischenfälle mit Horror-Clowns gemeldet wurden. Die Vorfälle reichten von bloßen Sichtungen vermeintlicher Clowns über Erschrecken bis hin zu versuchten und tatsächlichen Angriffen mit Messern oder anderen Waffen.

Polizei rät, Angriffen aus dem Weg zu gehen

Aber was ist eine angemessene Reaktion auf eine Begegnung mit einem solchen Grusel-Clown - ist es ratsam, sich körperlich zu wehren?

Hier kommt es ganz auf die Art des Angriffes an. Wenn eine körperliche Verteidigung wirklich erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden, dann darf und sollte man sich auch körperlich wehren, rät die Polizei. In diesem Fall würde §32StGB (Notwehr) greifen.

Die Polizei empfiehlt generell bei absehbaren körperlichen Angriffen, diesen möglichst frühzeitig aus dem Weg zu gehen, etwa durch Ausweichen oder Weglaufen. Die Polizei rät dazu, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, indem man sich Horror-Clowns absichtlich nähert. Außerdem sollte man sich Hilfe holen und andere auf seine Bedrohung aufmerksam machen.

In einer solchen Situation sollte umgehend über Notruf 110 die Polizei hinzugezogen werden. Und mit Blick auf das heutige Halloween-Fest gibt die Polizei dann noch einen ganz einfachen Tipp: „Ganz sicher finden Sie in diesem Jahr auch ein kreativeres Kostüm als das eines Grusel-Clowns.“

Hintergrund: Grusel-Trend

Der unheimliche Trend kommt aus den USA und begann dort schon vor Jahren. In den USA und Kanada gibt es mittlerweile Dutzende Vorfälle, bei denen Clowns Angst und Schrecken verbreiten. Mit Knüppeln, Äxten oder Kettensägen lauern sie Passanten auf, um diese zu erschrecken.

Videos der Taten landen oft im Internet, wodurch sich das Phänomen ausbreitet. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Fällen, in denen Horror-Clowns Passanten erschrecken. Über die sozialen Medien wie Facebook wurden aber auch zahlreiche Vorfälle von Übergriffen verbreitet, die sich im Nachhinein als falsch herausstellten. Selbst der Burger-Riese McDonald’s hat deswegen Konsequenzen gezogen und seinem bekannten Clowns-Maskottchen Ronald McDonald eine Zwangspause erteilt.

von Dennis Siepmann

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