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„Hallo Polizei, wir haben ein Gespenst“

#NoNotruf „Hallo Polizei, wir haben ein Gespenst“

„Können Sie mich zum ­Supermarkt fahren?“, „Welcher Tag ist heute?“, „Mir wurde der Parkplatz weggenommen“ – gegen solche und andere unsinnige 110-Anrufe wehrt sich die Berliner Polizei mit einer Kampagne.

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Täglich nimmt die Polizei viele Notrufe entgegen, die eigentlich gar keine sind.

Quelle: Lutz Benseler

Marburg. Hilfe bei der Polizei suchen die Menschen inzwischen nicht mehr nur bei Überfällen und Schießereien. Häufig wird die Notrufnummer 110 gewählt bei Problemen mit Katzen, Freundinnen, Verwandten oder Fahrradschlössern. Glauben Sie nicht? Dann suchen sie bei Facebook und Twitter mal nach dem Hashtag „#NoNotruf“.

In einer einwöchigen Kampagne hat die Berliner Polizei dort skurrile Anrufe Tag veröffentlicht. Ein Anrufer beschwert sich: „Die Reparatur meiner Heizdecke dauert nun schon fünf Wochen.“ Ein anderer befürchtet: „Meine Schwiegertochter will an mein ­Erbe“. Ein weiterer Anrufer beklagt sich: „Ich habe eine Freundin, die ist geistig nicht auf der ­Höhe. Die will ich nicht mehr als Freundin.“

820 überflüssige Anrufe sind es pro Tag, die bei der Einsatzleitzentrale in der Hauptstadt eingehen. Kaum eine Frage scheint zu unwichtig oder zu naiv zu sein, als dass sie nicht irgendwann in der Notrufzentrale landet – und eine der Leitungen für echte Notfälle blockiert. „Bei diesen waren nicht mal ansatzweise die Voraussetzungen für ein polizeiliches Handeln gegeben“, erklärte eine Sprecherin der Berliner Polizei gegenüber der Zeitung „Die Welt“.

Für Jörg Reinemer (48) vom Polizeipräsidium Mittelhessen ist das nichts Neues. „Vom Gespenst auf dem Dachboden über einen Stromdieb, der im Haus unterwegs ist und Strom klaut, bis zum Nachbarn, der den Strom abzapft war schon alles mit dabei.“ Auch Polizei-Sprecher Martin Ahlich sind solche Anrufe nicht unbekannt: „Viele erkundigen sich auch nach dem Weg oder wählen auch den Notruf, weil ihnen die Nummer der Auskunft grad nicht einfällt.“

Täglich gehen in der Leitstelle Gießen Hunderte Anrufe ein. Etwa 50 Prozent davon sind ernsthafte Notfälle, schätzt Reinemer. „Ein weiterer großer Teil sind Anrufer, die wir darauf hinweisen müssen, dass wir nicht für ihr Problem zuständig sind. ‚Meine Mülltonne ist nicht abgeholt worden‘ ist zum Beispiel so ein Klassiker“, berichtet Reinemer. Das passiere sicher nicht aus böser Absicht. Die Leute wissen einfach nicht, dass die 110 nur für Notfälle vorgesehen ist.

"Lieber einmal zu viel die Polizei anrufen als zu wenig"

Dann gebe es da noch eine dritte Sparte. „Das sind Leute,­ die uns fast täglich belästigen und zum Beispiel Notfälle vortäuschen wie einen Brand. Das passiert etwa vier, fünf Mal am Tag. Häufig sind diese Menschen psychisch gestört“, weiß Reinemer.  

Warten müsse dadurch aber niemand unnötig. „Selbst wenn hier alle Leitungen belegt sind, wird der Anruf an ein anderes Polizeipräsidium im Land Marburg oder Gießen, den Lahn-Dill-Kreis oder der Wetterau weitergeleitet“, versichert Reinemer. Grundsätzlich lohne es sich, vor jedem Anruf zu überlegen, ob es tatsächlich etwas mit der Polizei zu tun hat. „Die Mülltonne ist so ein Beispiel oder die Frage, welcher Vogel jetzt wegen des Vogelgrippe-Ausbruchs gemeldet werden soll. Das ist ein klarer Fall für den Landkreis.“

Für kleinere Notfälle wie einem Auffahrunfall mit leichtem Blechschaden, einer Ruhestörung oder Fahrraddiebstahl ist die Polizei über die Amtsleitung, also in Marburg die 406-0 zu erreichen. „Diese Nummer sollte jeder in seinem Handy speichern“, rät Reinemer.  

So unsinnig manche Notrufe auch sind, grundsätzlich gilt aber: „Lieber einmal zu viel die Polizei anrufen als zu wenig.“

von Ruth Korte und unserer Agentur

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