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Haftstrafen für zwei Ex-Junkies

Verhandlung vor dem Landgericht Haftstrafen für zwei Ex-Junkies

Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts fällt im Prozess gegen drei Ex-Junkies Urteile, die zwei der drei Angeklagten nicht passen. Sie hatten ihren Dealer überfallen und geschlagen.

Marburg. Nach der Verhandlung blieben die ehemaligen Heroinabhängigen einige Minuten auf der Anklagebank sitzen. Sie berieten mit ihren Verteidigern das weitere Vorgehen, sprachen auch über eine mögliche Revision. Noch wollte niemand von ihnen das Urteil akzeptieren.

Drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe sprach das Gericht gegen den Initiator des Überfalls im Juni vergangenen Jahres aus. Der 40-Jährige hatte an jenem Tag den Entschluss gefasst, zum Haus seines Dealers im Südviertel zu fahren und ihm - wenn nötig - mit Gewalt Heroin abzuringen. Gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin und einem weiteren Bekannten brachte er das Opfer dazu, drei Plomben Heroin herauszurücken. Nicht aber gegen Geld, sondern gegen einige Schläge mit flacher Hand.

Entzug angeordnet

„Es handelt sich um das Vollbild einer räuberischen Erpressung“, stellte Richter Gernot Christ fest. Lediglich der Umstand, dass der Ex-Junkie und seine damalige Freundin zum Tatzeitpunkt wegen enormer Entzugserscheinungen nicht rational handelten, machte daraus einen minderschweren Fall. Christ ordnete zudem den Maßregelvollzug, also die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, an.

Die gesetzlich geregelte Aufenthaltsdauer beträgt dort maximal zwei Jahre. Danach wird - je nach Erfolg der Therapie - ein Teil der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. „Wir haben uns bisher weder in die eine, noch in die andere Richtung entschieden“, antwortete sein Verteidiger Stefan Adler auf die Frage nach der Revision.

Die Mittäterin bekam eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten auferlegt - zum einen ebenfalls wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, zum anderen wegen eines Spuck-Angriffs auf einen Zugbegleiter im Mai vergangenen Jahres. Die 29-Jährige hatte bereits zugegeben, den Drogendealer geschlagen zu haben.

Dass sie einen spitzen metallischen Gegenstand, etwa ein Messer oder eine Schere mit sich geführt hatte, verneinte sie allerdings bis zuletzt. Genau wie ihr Ex-Freund muss sich die Angeklagte dem Maßregelvollzug unterziehen. „Bei beiden haben die Sachverständigen eine völlig miserable Sozialprognose gestellt“, so der Richter. „Es ist vollkommen klar, dass sie ohne die Maßregel wieder Straftaten begehen würden.“ Verteidiger Oliver Staab legte sofort Revision ein, will aber das schriftliche Urteil abwarten. Mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten kam der dritte Angeklagte davon. Beihilfe zur besonders schweren räuberischen Erpressung sowie Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung lautete der Tatbestand in seinem Fall. Er hatte, wie die Hausmeisterin bestätigte, die Wohnung bereits früher als beide Mittäter verlassen. Im Gefecht drängte der 49-Jährige das Opfer schließlich „nur“ in die Wohnung zurück, als es fliehen wollte, schlug aber selbst nicht zu. Verteidiger Gunther Specht war zwar mit der Bewährungsstrafe zufrieden, trotzdem möchte er den Straftatbestand noch einmal prüfen.

von Yanik Schick

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