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Haftstrafen für Spielhallen-Räuber

Landgericht-Prozess Haftstrafen für Spielhallen-Räuber

Jahrelange Maßregelvollzugsstrafen für zwei Räuber: Das Marburger Landgericht hat am dienstag einen 25- und einen 28-jährigen Suchtkranken verurteilt.

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Nach einem Überfall auf eine Spielothek Ende August 2014 legen beide Angeklagten ein Geständnis ab.

Quelle: Archiv

Marburg. Weil sie gemeinsam und mit einer geladenen Reizgaspistole eine Spielothek in Marburg ausgeraubt hatten, mussten sich die geständigen Täter vor dem Landgericht verantworten. Der jüngere Haupttäter wurde zu vier Jahren, der ältere, bereits vorbestrafte Komplize zu vier Jahren und sechs Monaten Maßregelvollzug verurteilt – Suchttherapie inbegriffen. Grund: Das Gericht nahm bei ihrem Verbrechen eine besonders schwere räuberische Erpressung an. „Das war keine spontane, sondern eine Tat der schweren Kriminalität“, sagte der Vorsitzende Richter Gernot Christ am Ende des Prozesses.

Das war geschehen: Ende August 2014 hielten sich die beiden Männer wie fast jeden Tag in einem Park in der Stadt auf. Dort tranken die beiden Süchtigen über Stunden hinweg mehrere Liter Alkohol. Während des Gelages fassten sie den Plan, eine Spielothek auszurauben, um ihren anhaltenden Alkohol- und Drogenkonsum zu finanzieren. Am Nachmittag begaben sie sich zur Wohnung des älteren Täters, um sich mit selbst gebastelter Tarn-Kleidung – einer mit Sehschlitzen versehenen Mütze, Strümpfe für die Hände und einem Bettlaken – sowie einer Schreckschusswaffe zu versorgen.

Jahrelange Drogenkarriere bei beiden Angeklagten

Am Tatort betrat der jüngere Angeklagte maskiert die Spielothek und ging mit gezogener, geladener Waffe sowie einer Stofftasche in der Hand auf die Spielhallenaufsicht hinter der Theke zu. Mit den Worten „mach den Beutel voll“ forderte er von dem Mitarbeiter die Tageseinnahmen des Lokals. Währenddessen bewachte der zweite Täter, verhüllt mit einem Bettlaken, die Eingangstür. Mit der Beute in Höhe von rund 300 Euro flohen die Räuber umgehend in die Nacht.

Einige Tage später stellte sich der Haupttäter telefonisch der Polizei und gestand den Überfall. Auch während der Verhandlung vor dem Marburger Landgericht legten beide Angeklagten ein umfassendes Geständnis ab. „Wir haben uns auf die Tat vorbereitet“, gab der 25-Jährige zu. Wer von beiden Drahtzieher des Überfalls gewesen war, konnten die Männer nicht erklären und beschuldigten sich gegenseitig, die Waffe mitgebracht zu haben. Der Geschädigte berichtete von einer angsteinflößenden, bedrohlichen Situation. Alles sei sehr schnell gegangen, der maskierte Räuber kam zu ihm, „da hatte ich auch schon eine Pistole vor der Nase“, erinnerte sich der Zeuge. Während der Verhandlung entschuldigten sich die Täter bei dem Mann.

Zum Tatzeitpunkt waren beide stark alkoholisiert, hatten den ganzen Tag gemeinsam getrunken, jeder etwa zehn bis fünfzehn Flaschen oder Dosen Bier. Der ältere Angeklagte stand zudem unter dem Einfluss von Speed und Marihuana.

Beide Täter berichteten von einer problematischen Kinder- und Jugendzeit. Abgebrochene Ausbildungen, depressive Lebensphasen und der soziale Abstieg waren die Folge. Beide lebten zeitweise auf der Straße, mit gelegentlichen Kurierdiensten im Drogenhandel finanzierten sie jahrelang ihre schwere Alkohol- beziehungsweise Drogensucht. Insbesondere das Leben des älteren Angeklagten drehe sich seit Jahren um Betäubungsmittel und Beschaffungskriminalität, täglich konsumiere er mehrere Gramm Speed und Marihuana, „ich war immer voll und dicht“, sagte der 28-Jährige. Mehrere Therapien seien gescheitert.

Während sein jüngerer Freund bisher erst einmal vor Gericht stand, wurde der schwer süchtige Mann bereits elfmal, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl, Betrug und versuchter Nötigung verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft ging in ihrem Plädoyer davon aus, dass „weitere Straftaten zu befürchten“ seien, während Verteidigerin Ulrike Ristau die Suchtprobleme und das „dilettantische Vorgehen“ betonte.

von Ina Tannert

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