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Haben uns die Aliens nicht mehr lieb?

Kornkreise Haben uns die Aliens nicht mehr lieb?

In der englischen Grafschaft Wiltshire können sich die Landwirte jedes Jahr sicher sein, dass einige Felder „Kornkreis-Opfer“ werden. Unser Landkreis wird seit Jahren schon links liegen gelassen. Das war mal anders.

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Der Kornkreis in einem Weizenfeld bei Raisting erfuhr dieser Tage europaweite Aufmerksamkeit.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Marburg. Ja ja, die ersten, die auf solchen „Schwachsinn“ verzichten können, sind natürlich die betroffenen Landwirte, denen dadurch nur die Ernte erschwert oder gar gemindert wird. Denn bei dem Überangebot von Kornkreisen in Europa kann man wahrlich nur für die schönsten Eintrittsspenden verlangen und so vielleicht sogar noch ein besseres Geschäft als mit dem Korn machen. Denn es gibt tausende, die für einen ordentlichen Kornkreis auch weite Reisen auf sich nehmen, nur um dabei gewesen zu sein, um doch einmal einen Kornkreis betreten zu haben, der vielleicht von, man wagt es kaum zu sagen, ja, von Außerirdischen Lebensformen kreiert wurde.

Mitte Juli wurde im bayerischen Raisting in einem Weizenfeld direkt neben einer Erdfunkstelle ein sehr üppig ausgestatteter Kornkreis entdeckt. Die Meldung wurde zum Selbstläufer. Seither kamen tausende von Besuchern, darunter viele Esoteriker, wurde der Kreis doch vom selbsternannten Ufologen Erich von Däniken als „echt außerirdisch“ geadelt. Wie überall dürfen auch dort die Besucher ausschließlich nur mit Genehmigung des Feldbesitzers in den Kornkreis gehen - wie es sich gehört. Die Landwirtsfamilie lässt es über sich ergehen, verlangt keinen Eintritt, doch gibt es eine Spendendose. Immerhin wird der Ernteausfall durch den Kreis rund 1500 Euro betragen. Der im Durchmesser 85 Meter große Kreis verzückt aber auch die Raistinger selbst. Der Bürgermeister zeigte großes Interesse an der akkuraten Arbeit. Viele ziehen aus Respekt sogar die Schuhe aus, betreten den Kreis barfuß. Man kann nur darüber staunen, wie gesittet es im Feld vor sich geht.

Einfache Kreisespielen keine Rolle mehr

Wie gesagt, ein einfacher Kreis, der vielleicht im 17., 18. und 19. Jahrhundert die einfachen Menschen als Teufelswerk in Angst und Schrecken versetzte, lockt heute niemanden mehr ins Weizenfeld.

Die Kreise müssen mittlerweile möglichst komplizierte und aufwendige Muster aufweisen, um als Beweis zu dienen, dass sie unmöglich von Menschenhand gemacht sein können. Und auch die Landwirtin von Raisting hat gegenüber den Medien geäußert, dass sie nicht glaube, dass Menschen so etwas schönes über Nacht schaffen könnten, zumal sie keinerlei Spuren entdeckt habe.

Die Kornkreise, die im Landkreis Marburg-Biedenkopf entstanden, waren im Vergleich zu diesem aktuellen Kornkreis von biederer Natur und für die betroffenen Landwirte nur ein Ärgernis. 1998 wurde eine Spirale entdeckt, die immerhin die Besonderheit aufwies, dass sie über zwei Felder ging. In der Regel befinden sich die Kreise immer nur in einem Feld.

Im Jahr 2000 fand sich ein Kreis mit einem einfachen Ring in einem Feld zwischen Heskem und Marburg. 2003 wurden noch ein Kreis bei Amöneburg und einer bei Wehrshausen gesichtet. Seither herrscht Funkstille, während in anderen Gegenden dieser Welt jedes Jahr Kreise entstehen.

Wir Unwissenden bleiben zurück mit der quälenden Frage, ob wir im Landkreis Marburg-Biedenkopf vielleicht zu unhöflich waren, einfach nicht bereit waren, uns auf die Botschaften aus dem All einzulassen? Was, wenn es doch Aliens waren, die nur mit uns reden wollten und wir sie mit irdischem ober­hessischem Vernunftsdenken verschreckt haben?

Die Aussagen der Besucher des Kreises von Raisting stimmen schon nachdenklich: Viele berichten davon, eine merkwürdige Energie im Kreis gespürt zu haben, und selbst die Besucher, die nicht an Außerirdische glauben wollen, behaupten steif und fest, dass dieser Kreis unmöglich von Menschenhand erschaffen werden konnte. Da bleiben wir mehr denn je unsicher zurück. Kein Mensch, kein Außerirdischer. Wer dann? Das übersteigt schon alles logische Denken. Doch da gibt es noch Uli Ernst aus Utting. Er erschafft Feld-Labyrinthe, die aus der Vogelperspektive wahre Kunstwerke sind. Zuletzt einen Fußballer in Fallrückzieherpose zur WM in Brasilien. Er sagt, der Kreis in Raisting ist nichts anders als das Ergebnis simpler geometrischer Vermessungstechnik. Fünf Leute könnten so einen Kreis spielend in einer Nacht anlegen.

Der einzige hessische Kreis des Jahres wurde in Zierenberg entdeckt. Ein Zufall oder nur ein netter Hinweis? Die Macher des Forums Grenzwissenschaft und Kornkreise FGK planen ausgerechnet in Zierenberg eine besondere Veranstaltung. Am 25. und 26. Oktober kommen dort zahlreiche Referenten zum Thema Ufos und Kornkreise zusammen.

Erinnert irgendwie an eine Folge des englischen TV-Krimi-Exportschlagers „Barnaby“, in dem natürlich Leichen im Kornkreis gefunden werden. Hoffen wir das mal besser nicht für Zierenberg.

Die Frage aller Fragen ist 2014 eine andere als etwa noch im Jahr 2000. Zu oft wurden schon Menschen beim Kornkreis-Erstellen erwischt, als dass man noch „romantisch“ von außerirdischem Tun sprechen könnte. Doch mittlerweile übertreffen sich die Kreise in Komplexität und aufwendigen Mustern derart, dass man sich tatsächlich die Frage stellen muss, sind solche „Kunstwerke“ wirklich über Nacht zu bewerkstelligen? Da mag jeder seine eigene Antwort finden.

Mehr Infos gibt es im Netz unter www.fgk.org und www.kornkreise-forschung.de

von Götz Schaub

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